11. Kunstpreis der Hypo Vorarlberg

Ausschnitt aus „Anthropophyten“, 2023 von Silke Maier-Gamauf und Romana Hagyo, Fotografie, C-Prints auf Aludibond, 2-teilig, je 115 x 76 cm, Auflage 1/4. Foto Angela Lamprecht

Kreativität und kritische Auseinandersetzung

Vor 40 Jahren, im Jahr 1984, hat die Hypo Vorarlberg ihren ersten Kunstpreis ausgelobt. Dessen Ziel war und ist es nach wie vor, die regionale Kunstszene zu beleben und sowohl etablierte Kunstschaffende als auch Nachwuchstalente zu fördern. In diesem Rahmen hat die Bank in den vergangenen Jahren ausgewählte Kunstwerke für ihre eigene, mittlerweile 400 Werke umfassende, Kunstsammlung erworben. Diese wird mit dem heurigen Kunstpreis um zehn Ankäufe erweitert.

191 Einreichungen zeigen, dass der Kunstpreis unter Vorarlbergs Kunstschaffenden begehrter denn je ist, und machten es der Jury nicht leicht eine Auswahl zu treffen. Das Spannende dabei: Es handelt sich in erster Linie nicht um Kunst, die sich selbst genügt, sondern Kunst, die sich der Öffentlichkeit zeigt, um Reaktionen auszulösen.

Die Preisträgerinnen des 11. Kunstpreises der Hypo Vorarlberg, Romana Hagyo und Silke Maier-Gamauf (vlnr.), arbeiten seit 2014 mit gemeinsamer Autorinnenschaft an künstlerischen Projekten, die das Verhältnis zwischen Raum und Geschlecht* fokussieren, beispielsweise die Arbeiten „Hering und die Fluse“, „Straßenballade“, „Test.Test.Liegen“ und „Abrieb und Lagenlook“.

2021 ist die Publikation „Über das Wohnen im Bilde sein“ von Romana Hagyo in künstlerischer Zusammenarbeit mit Silke Maier-Gamauf bei Passagen Verlag erschienen. Foto Lenka Štěpánková

Kunst als Initiator
Kunstschaffende experimentieren, hinterfragen, riskieren, denken quer und entwickeln eigenständige Arten, die Welt zu sehen und darzustellen. Diese Vorgehensweise der Künstlerinnen und Künstler bringt Qualitäten mit, die in der Wirtschaft und Gesellschaft gefragt sind.

Eine wichtige Funktion der Kunst ist jene der Perspektive von außen, des reflektierenden Blicks, der zunächst aufrüttelnde Gefühls- und Gedankenprozesse auslösen kann, um schließlich zu unerwarteten Perspektivwechseln und dadurch auch zu neuen Problemlösungen zu führen. Das trifft insbesondere auf das Siegerwerk des diesjährigen Kunstpreises der Hypo Vorarlberg von Silke Maier-Gamauf und Romana Hagyo zu.

„Kunst bedeutet neben Kreativität vor allem auch eine kritische Auseinandersetzung mit den Fragen unserer Zeit. Moderne, zukunftsorientierte Unternehmensführung hat sich in gewisser Hinsicht mit denselben Fragen zu befassen.“

Michel Haller,
Vorstandsvorsitzender

Foto Michael Nussbaumer

Siegerwerk „Anthropophyten“
Die beiden Themenstellungen des zweiteiligen Werks „Anthropophyten“ sind – so die Künstlerinnen – durch die gesellschaftlichen Entwicklungen der vergangenen zwei Jahrzehnte virulent geworden:

1. Der Wunsch nach einer respektvollen Bezugnahme aller Arten – verbunden mit einem Verständnis von „Körper“, das alle (menschlichen und nicht-menschlichen) Körper als wichtig und schützenswert erachtet – wird angesichts der fortschreitenden Umweltzerstörung immer brisanter. Es steht in Frage, welches Verständnis von Körpern die Menschen lehren kann, sich in ihrem Lebensraum vorsichtig und respektvoll zu bewegen.

2. Ist für die Künstlerinnen die Notwendigkeit virulent, Konzepte von Geschlecht sukzessive weiter und fluider zu fassen, um Freiräume und Handlungsspielräume zu schaffen. Damit verbunden ist die Suche nach Geschlechterbildern abseits von Zweigeschlechtlichkeit.

Beide genannten Themenstellungen sind Gegenstand zahlreicher künstlerischer und kulturwissenschaftlicher Ansätze. „Anthrophyten“ versteht sich als Beitrag zu dieser gesamtgesellschaftlich wichtigen Auseinandersetzung und gliedert sich in die Fertigung pflanzlicher Objekte und fotografischer Inszenierungen.


Ausstellung 40 Jahre Kunstpreis der Hypo Vorarlberg
Zum 40-jährigen Jubiläum werden – neben den aktuellen Prämierungen – sämtliche Siegerwerke der vergangenen Jahre bis einschließlich Sonntag, 7. April im Atrium des vorarlberg museums zu sehen sein. Begeben Sie sich auf eine Reise in die Vergangenheit, entdecken Sie spannende Perspektiven auf vier Jahrzehnte Vorarlberger Kunst und Gesellschaft und lassen Sie sich zu einer kritischen Auseinandersetzung mit aktuellen Themen anregen. 


Teilen auf:
Facebook Twitter