Tuesday, 20 Oct 2020

Andreas Fox

Verhältnisse_9

Mittlerweile ist Corona 2.0 global aktiv und hat unser aller Denken und Handeln direkt oder indirekt nachhaltig geprägt. Es gibt viele unterschiedliche Informationen und Strategien in den Medien und letztlich halten wir der Pandemie nur einen Mund- und Nasenschutz entgegen; womit wir immerhin das Gefühl haben, überhaupt etwas zu tun oder uns gar im Rahmen unserer Möglichkeiten für gewappnet halten.

Dennoch müssen wir weiterhin nahezu ohnmächtig zusehen, wie das Virus Woche für Woche unser Sein bestimmt; festlegt, in welche Richtungen wir uns (nicht) bewegen dürfen und wie sich das gesellschaftliche Leben strukturiert, bzw. ein- und ausklappt. War die sogenannte erste Welle noch mit Neugier und vitalem Interesse verbunden und ereignete sich vor dem Hintergrund einer vermeintlich zeitlich begrenzten Einschränkung, so ist die Ausgangslage der zweiten Welle psychologisch deutlich negativer. Es ist das Gefühl der  Machtlosigkeit und das Bewusstsein der zeitlich nicht fassbaren, nicht eingeschränkten, Allgegenwart einer unheilvollen Präsenz. Hinzu kommt, dass erst jetzt die tatsächlichen psychologischen Folgen des Epedemiebeginns zu Tage treten. Es sind in dieser Angelegenheit also viele Probleme der Zukunft, der Gegenwart und der Vergangenheit, die sich gleichzeitig überwerfen, zu klären.

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Milliarden von Menschen sind schicksalhaft, unmittelbar und tiefgreifend betroffen. Gibt es auch etwas Gutes, das am Ende daraus resultieren wird? Ich vermute, dass – außer der Selbstreflexion einzelner – die Antwort hierauf im Wesentlichen nur auf einer schöngeistigen Ebene zu finden ist. Allen ist die Sehnsucht nach Normalität, nach Freiheit und nach Selbstermächtigung gemein; also nach Verhältnissen, die wir vorher als solche kaum wahrgenommen hatten. Wenn wir sie wiedererlangen, werden wir sie vermutlich nicht angemessen reflektieren. Vielleicht gibt es auch eine neue Lust auf Begegnung jenseits digitaler Formate; Lust auf Echtes. All das können aber wir erst wissen, wenn es vorbei ist und bis dahin können wir uns daran nicht erfreuen. Es wird eine Art Wiederaufbau geben – so wie wir es nach Kriegen und Naturkatastrophen kennen – in dem es Um- und Neuverteilungen und so auch Entwicklung und neue Chancen geben wird. Das betrifft aber nur die, die weitgehend unbeschadet aus der Krise hervorgehen können. Für alle anderen, fürchte ich, gibt es wohl kaum einen adäquaten Trost.

Vielleicht, da so viele so vehement betroffen sind, wird sich die Politik doch noch umfassend sozial orientieren und erneuern (müssen). Vielleicht geht die Politik dann auch mit Flüchtlingen anders um.

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