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Das Glück der Nähe

Der Salzburger Essayist und Reiseschriftsteller Karl-Markus Gauß über den Zivilisationsbruch, sich nicht mehr die Hände schütteln zu dürfen, und warum wir aus Schaden nicht zwangsläufig bessere Menschen werden.
Von Wolfgang Paterno

Ein gutes Jahr vor Corona erschien Ihr Buch „Abenteuerliche Reise durch mein Zimmer“. Waren Sie gewissermaßen bereits im Quarantäne-Training, als der Lockdown verhängt wurde?
Ich habe es immer gern gehabt, am Tag zurückgezogen für mich alleine arbeiten oder auch nur unbehelligt von kommunikativen Anforderungen dahinträumen zu können. Aber abends habe ich gerne ein paar intelligente Leute um mich, um angenehme Gelegenheit zu finden, mich anregen zu lassen oder aufregen zu können. Ich habe ja schon vor vielen Jahren meine Frau gebeten, dereinst auf meinen Grabstein setzen zu lassen: „Er liebte die einsamen und die geselligen Stunden.“ Beides scheinen mir unterschätzte Tugenden zu sein: Die Fähigkeit, bei sich bleiben zu können – und die Geselligkeit.Diese halte ich überhaupt für eine genuin demokratische Tugend. Im Übrigen hoffe ich, dass der Steinmetz noch eine schöne Zeitlang keinen diesbezüglichen Auftrag meiner Frau erhalten wird.

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