Der neue Geist der alten Orte

Die Sommerfrische im Wandel der Zeit
Von Jürgen Schmücking

Sommerfrische war nicht nur Urlaub im Sommer. Es war vielmehr ein Lebenskonzept. Adel und gehobenes Bürgertum flüchteten vor der trostlosen Hitze der Stadt und verbrachten mehrere Wochen, manchmal sogar Monate am Semmering, in Gars am Kamp oder im Salzkammergut. Untrennbar ist die Sommerfrische mit Seiner Majestät, Kaiser Franz Josef I., verbunden, der jahrelang in den heißen Monaten mit seinem Tross die Wiener Hofburg verließ und in die Kaiservilla in Bad Ischl übersiedelte. Ihm folgte nicht nur seine Entourage. Es folgte auch der Adel und dem Adel die hohen Beamten und die Künstler. In der Blütezeit der Sommerfrische, um die Jahrhundertwende, konnte man davon ausgehen, in der k. u. k. Hofbäckerei Zauner dieselben Menschen zu treffen, wie ein paar Wochen davor noch im Demel, im Sacher oder im Gerstner. Wobei man in der Sommerfrische nicht nur die Seele baumeln ließ, es wurde auch gearbeitet. Nur eben eine Spur entspannter. Und stets unterbrochen von angenehmen Dingen wie einer kleinen Wanderung, einer Jagdgesellschaft oder einer Einladung zu einem festlichen Dinner.
Reisen im eigenen Land, die Wiederentdeckung der Natur als Erholungsgebiet, Stadtflucht. Die Sommerfrische wird gerade vom Staub befreit und wieder salonfähig. Die alten Orte haben nämlich nichts von ihrem Zauber und ihrer Anziehungskraft verloren. Wer heute mit dem Gedanken einer klassischen Sommerfrische spielt, braucht drei Dinge: kühle, alpine Luft, einen See mit kristallklarem Wasser und eine Portion Gelassenheit, um sich auf die Stille einzulassen, die stets ein wichtiger Teil dieser Institution war. Es gibt Orte in Österreich, die nicht ohne Grund Zentren der Sommerfrische waren und die es heute noch zu besuchen lohnt.

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