Dinge des Lebens

Spiele für lange Winterabende

Würfelglück oder Taktik? Teamplayer
oder Einzelkämpferin? Action oder
Konzentration? Was ist Ihr Ziel im Spiel?
Von Babette Karner

Lange Winterabende zuhause: Daran wird in den kommenden, dunklen Monaten wohl kein Mangel herrschen. Grund genug, sich dem Gesellschaftsspiel zu widmen: ein Zeitvertreib, dem auch diverse Corona-Regeln keinen Abbruch tun. Zu zweit, zu viert oder maximal zu sechst – mehr Menschen lassen sind bei einem Brettspiel so oder so nicht am Spielbrett unterbringen.

Dann stellt sich nur noch die Frage, welcher Spielertyp man ist: Sind Sie Teamplayer oder Einzelkämpferin? Welche Strategie soll’s sein? Würfelglück? Hirnschmalz? List und Tücke? Schnelligkeit und Action? Gewinnen oder kooperieren? Ganz gleich, wo Ihre Vorlieben liegen – wir hätten da ein paar Vorschläge!

Hirnschmalz und Strategie: Shôgi, das japanische Schach
Shôgi ist ein alte, japanisches Brettspiel, das so wie das Schachspiel auf das indische Chaturanga zurückgeht. Es gehört ebenfalls zur Familie der Königsspiele, bei denen es darum geht, mit einer Streitmacht unterschiedlich begabter Steine den König des Gegners zu fangen. Beim Shôgi, was übersetzt „Spiel der Generäle“ heißt, treten zwei Spieler gegeneinander an, indem sie abwechselnd Steine auf das Spielbrett setzen. Wie beim Schach gewinnt derjenige, der zuerst den König der Gegenpartei gefangen hat. Während aber beim Schach im Laufe des Spiels immer weniger Figuren auf dem Brett zurückbleiben, können die Figuren im japanischen Shôgi immer wieder zurückkehren. Dadurch dauern viele Spiele länger, außerdem ist ein defensives Stellungsspiel besonders wichtig. Unter IT-Experten gilt Shôgi übrigens als die komplexeste Variante der Königsspiele: Es dauerte bis 2010, bis es einem Computer erstmals gelang, einen professionellen Spieler zu schlagen.


Spannung und Spürsinn: Sherlock Holmes Criminal-Cabinet
Es war das Spiel des Jahres 1985 und ist somit eigentlich auch schon fast ein Klassiker: das „Deduktionsspiel“ Sherlock Holmes Criminal-Cabinet. Es kommt ganz ohne Würfel, Spielsteine oder Karten aus. Stattdessen bekommt man einen Londoner Stadtplan, ein Adressbuch, ein Zeitungsarchiv und das „Buch der Indizien“: Damit bewaffnet müssen Spielerinnen und Spieler durch das Aufspüren von Hinweisen und das geschickte Kombinieren von Informationen Kriminalfälle lösen. Man spielt am besten zu viert, gefragt sind Spürsinn, Fantasie, Intuition und gute Zusammenarbeit.


Spinnen gegen Ameisen: Spinderella
„Spinderella“, das Kinderspiel des Jahres 2015, ist ein dreidimensionales Brettspiel, bei dem der gewinnt, der als Erster seine drei Ameisen ins Ziel bringt, ohne durch verschiedene Hindernisse zurückgeworfen zu werden. „Hindernisse“, das sind die beiden Spinnenbrüder Roberto und Klaus, die sich mit ihrer Schwester Spinderella einen Spaß daraus machen, all die hilflosen, kleinen Ameisen zu erschrecken. Sie seilen ihr Schwesterchen am Spinnenseil ab und befördern die Ameisen bei ihrem Waldlauf immer wieder zurück an den Start.

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Wortgewandtheit und Schnelligkeit: Tabu
Seit vielen Jahren ist es eines meiner Lieblingsspiele, denn es bringt das Hirn auf Trab und sorgt garantiert für viel Gelächter: Tabu. Man muss Wörter beschreiben – aber ohne auf die gängigsten Umschreibungen zurückzugreifen. Unter Zeitdruck, versteht sich. Man zieht eine Karte und muss zum Beispiel das Wort „Auto“ erklären. Als Beschreibung tabu – und auf der Karte abgedruckt – sind jedoch die offensichtlichsten Begriffe: „Reifen, Audi, BMW, Mercedes“. Gespielt wird in zwei Teams, gerne in der Kombination Männer gegen Frauen oder Eltern gegen Kinder. Nur Paare sollten besser gegeneinander statt miteinander antreten: Ehekrach wegen Umschreibungs-Missverständnissen kann sonst nicht ausgeschlossen werden.


Klassisch und meditativ: das Vogelquartett
Klassisch, meditativ, und uns allen seit Kindertagen ein Begriff: das Quartett. Das bei Manufactum erhältliche „Vogelquartett mit Vogelstimmen“ ist jedoch ein kunstvoll poetisch-meditatives Wissensspiel, das aber natürlich nicht in der von Kindern erfundenen „Schneller, höher, stärker“-Version gespielt wird („Mein Düsenflugzeug ist schneller als Deines, her mit Deiner Karte“). Wobei: Wer hätte gedacht, dass der Mauersegler im Laufe seines Lebens bis zu vier Millionen Flugkilometer zurücklegt? Das ist in fast fünfmal zum Mond und wieder zurück. Das schafft Deine Amsel nie. Her mit der Karte!
Foto Manufactum


Alle gegen den Virus: Pandemic Legacy
Und zu guter Letzt noch ein Spiel für Leute mit Galgenhumor, die sich selbst mal gemeinsam in der Pandemiebekämpfung üben wollen: Das Kooperationsspiel „Pandemic Legacy“ (erschienen 2008 und im März 2020 ebenso ausverkauft wie Toilettenpapier) ist ein Brettspiel wie eine TV-Serie: „Spoiler-Warnungen“ inklusive. Die Weltbevölkerung wird von vier Seuchen heimgesucht, die sich mit großer Geschwindigkeit ausbreiten. Gemeinsam muss eine Strategie entwickelt werden, um eine Ausbreitung der Seuche zu verhindern. Die Regeln, das Spielbrett und die Erzählung von „Pandemic Legacy“ ändern sich während einer Runde ständig und zwingen die Mitspielenden kontinuierlich, zwischen verschiedensten Parametern abzuwägen und rasche Entscheidungen zu treffen, um das Wettrennen gegen die Zeit und den Virus zu gewinnen. Eben ganz wie im richtigen Leben.


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