Editorial

Was sagen Sie, schaffen wir das noch? Das alles? Den „grünen Wandel“, den wirtschaftlichen Neustart, die große Zeitenwende? Wird es eine Wende, die beweist, dass der Mensch kollektiv und global denkend handeln kann oder eine, die im Rückblick den Siegeszug von Gier und Egoismus hervorbrachte? Eine große Frage, auf die zur Zeit niemand eine zuverlässige Antwort zu haben scheint.

Seit einem Jahr herrscht Krieg in der Ukraine und ein Ende ist weniger in Sicht als eine Eskalation. Die Klimabewegung greift zu zunehmend drastischen Mitteln, um die befürchtete Dystopie abzuwenden. Die Grenzen Europas werden mit Waffengewalt und Militärgerät abgeschottet. Da wird es schwierig, einen positiven Blick auf das große Ganze zu behalten.

Optimistisch kann nur der sein, der das Gute im Leben sucht, und nicht das Schlechte, Bösartige oder Missmutige zuerst sehen will. Wir versuchen das und sind bei der Recherche für diese Ausgabe dann doch auf ein paar nützliche Antworten gestoßen. Wir haben zum Beispiel ein Mehrfamilienhaus entdeckt, das von der Wassernutzung bis zur Energieversorgung das Zeug hat, richtungsweisend im nachhaltigen Wohnbau zu sein. Wir fanden einen niederländischen Jungunternehmer, der Fahrräder aus recycelten Plastikabfällen herstellt. Wir haben erfahren, wie der pestizidfreie Weinbau schmeckt. Wir haben uns mit der „Farmer Managed Natural Regeneration“ auseinandergesetzt, die totgeglaubte Bäume erblühen lässt, und mit dem „Africa Institute for Energy Governance“, das Ausbeutung und industrielle Zerstörung in afrikanischen Ländern unterbinden will. Und für unsere Covergeschichte haben wir uns der Reform unseres Wirtschaftssystems gewidmet. Zahlreiche Konzepte und Modelle versprechen einen sozialeren, einen ökologischeren, einen nachhaltigeren Kapitalismus, eine bessere Welt. Wie sähe der aus?

Spitzenkoch Paul Ivić vom Restaurant FIAN hat dann noch ein Rezept für unsere aktuelle Ausgabe beigesteuert und die Filmemacherin Ruth Beckermann haben wir um ein Schlusswort gebeten. Sie sagte: „Sich nicht auf Geleistetem ausruhen, sich weiter entwickeln. Die Zukunft ist wichtig.“

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Vielleicht gibt es gar nicht mehr zu sagen, als das. Und vielleicht braucht es gar keine Antwort auf die große Frage nach dem Gelingen oder dem Scheitern der Wende, nach dem Erreichen einer besseren Welt. Vielleicht genügt es, sich darum zu bemühen.


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