Editorial

Liebe Leserin, lieber Leser,
„Kostspieliger, verschwenderischer, den normalen Rahmen (der Lebenshaltung o. Ä.) übersteigender, nicht notwendiger, nur zum Vergnügen betriebener Aufwand.” So lautet die Definition des Begriffs „Luxus“ im Duden. Aber, ist sie heute noch gültig?

Wir haben uns gefragt, was Luxus in einer Welt bedeutet, die neben materiellem Reichtum auch andere, neue Attribute als prestigeträchtig erachtet. Ist es heute nicht auch luxuriös, Zeit zu haben? Oder ein bisschen mehr für ein Produkt auszugeben, nicht weil es ein namhaftes Logo trägt, sondern weil es ökologisch und moralisch vertretbar hergestellt wurde? Ist das dann ein „nicht notwendiger, nur zum Vergnügen betriebener Aufwand“? Oder doch eher eine vergnügliche Notwendigkeit?

Ein wahrer Meister im Verknüpfen von Genuss und Sinnhaftigkeit ist wohl der weltberühmte Sternekoch Massimo Bottura. Er verköstigt Menschen in Not, hat in seinen Restaurants der Lebensmittelverschwendung den Kampf angesagt und schult autistische Jugendliche in der Tortellini-Produktion. Ganz nebenbei erschafft er noch mit Ehefrau Lara Gilmore einen einzigartigen Ort, der auf opulente und doch nachhaltige Weise ein Gefühl von Heimat vermittelt. Mehr über die „Casa Maria Luigia“, Botturas beherztes Engagement und seine Kochkünste lesen Sie in unserer Covergeschichte. Und das Interview mit Massimo Bottura haben wir Ihnen in voller Länge als Video auf unserem Youtube-Kanal und unserer Webseite zur Verfügung gestellt.

Den Eindruck, dass der Luxus sich wandelt, hat auch Lena Papasabbas bekommen. Die Zukunftsforscherin setzte sich intensiv mit der Demokratisierung von klassischen luxuriösen Gütern auseinander. In einem Essay für unseren Schwerpunkt erörtert sie, wieso an die Stelle von kostspieligem Besitz Produkte und Dienstleistungen treten, die mit inneren Werten verbunden sind, und wie sich der moderne Öko-Hedonismus auszeichnet.

Magdalena Mayer hat Magdas Hotel besucht, um mit Peter Kneidinger zu sprechen. Er ist Mitbegründer des Unternehmens „Materialnomaden“, das Mobiliar und wiederverwertbare Bauteile aus Abbruchhäusern rettet und daneben noch viele andere wertvolle Initiativen für eine kreislauffähige Baukultur betreibt. Dass vermeintlicher Abfall dadurch zu einem Schatz wird, zeigt sich nicht nur in der Ausstattung des Social Business Hotels.

Und wir schließen mit diesem Heft den Kreis zur Herkunft des Worts Luxus. Es kommt nämlich aus dem Lateinischen und bedeutete ursprünglich so viel wie Verrenkung, im Sinne von Abweichung vom Normalen. Wir weichen also ab. Wir präsentieren Ihnen in diesem Heft den neuen Luxus. Zu diesem zählt für uns per definitionem auch das Genießen von Kunst und Kultur, weshalb wir Sie noch auf ein ganz besonderes Angebot hinweisen wollen. Beim Kauf eines ORIGINAL-Abos gibt es eine Jahreskarte für das Wiener Belvedere für Sie und eine Begleitperson kostenlos dazu. Wenn das kein neuer Luxus ist, dann wissen wir‘s auch nicht.

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Kommen Sie gut durch den Advent und die Feiertage,
Evi Ruescher, Herausgeberin


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