Editorial

Liebe Leserin, lieber Leser!

Der moderne Mensch trifft am Tag mehrere zigtausend Entscheidungen. Begonnen mit den morgendlichen Ritualen, der Wahl des Frühstücks und der Kleider, über tausende winzige Einzelentscheidungen, die wir mehr unbewusst als bewusst durchanalysiert treffen, bahnen wir uns unseren Weg durch eine Realität der unendlich vielen Möglichkeiten. Nachdem dieser Entscheidungsmarathon für den Geist ermüdend ist, fallen wir mit der Zeit in Muster und bleiben bei einer Verhaltensweise, bei immer derselben Entscheidung. Doch eine Neubewertung mancher Traditionen und Rituale ist angebracht; der Alternativen zu umweltbelastenden Produkten, zu schädlichem Urlaubsverhalten und zum Konsumtrott gibt es genug, um neue, fortschrittliche Muster zu entwickeln.
Jutta Nachtwey schreibt in dieser Ausgabe zum Beispiel über den Unternehmer und Designer Bas Timmer, der sich gezielt eine mittellose soziale Gruppe zum bevorzugten Kundenstamm machte. Sein selbst entwickelter „Sheltersuit“ bietet Obdachlosen Bekleidung und Unterschlupf zugleich. Die langjährige NGO-Aktivistin und Publizistin Nunu Kaller hat für uns erörtert, welche nachhaltigen Alternativen uns zum Neukauf eines Produkts zur Verfügung stehen und wie bunt sie im Vergleich zu den immer gleichen Shoppingtouren erscheinen. Der Dokumentarfilmer Fritz Ofner widmet sich nach mehreren Filmen zu Krieg und Gewalt in seinem neuen Projekt nunmehr dem Biotechnik-Hype und verrät im Interview, was vom Menschen ferngesteuerte Kakerlaken damit zu tun haben. Die Journalistin Gerlinde Pölsler ruft uns in ihrer Kolumne mit einem persönlichen Blick auf das Insekten- und Artensterben eine mögliche Realität ins Bewusstsein, die wir wohl lieber verdrängen würden: Was, wenn die Vögel eines Tages nicht mehr singen?
Dass es angesichts unendlich vieler Möglichkeiten Handlungen gibt, die tatsächlich alternativlos sind, werden nicht nur Mathematiker 
bezweifeln. Einige der Alternativen zu einer umweltzerstörerischen Wirtschafts- und Lebensweise finden Sie in diesem Heft. Wir wollen damit den Blick auf das Wesentliche richten: auf das Entweder, das Oder und das ‚Was wäre, wenn?‘.

Viel Vergnügen bei der Lektüre und beim Erschaffen neuer Muster
wünscht Ihnen

Evi Ruescher

Foto: Angela Lamprecht


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