Fair gehandelt, gut & sauber

Teil I: Kaffee
Text und Foto von Jürgen Schmücking

Die Dominikanische Republik ist kein reiches Land. Genauer gesagt, ist sie das zweitärmste in der Karibik. Ärmer ist nur noch Haiti, der zweite Staat auf der Insel und damit der unmittelbare Nachbar. Die politische Geschichte der Dominikanischen Republik ist turbulent. Unabhängigkeit, Diktaturen, freie Wahlen, Putsch, Bürgerkrieg. Erst die Wahlen 1966 brachten Demokratie und ein kleines Maß an Stabilität. Anfang der 1970er Jahre gab es eine Agrarreform, durch die viele kleine Landwirte zu einem eigenen Stück Land kamen; kleine Äcker und Felder, die kaum größer als vier Hektar waren und damit definitiv zu klein, um davon eine Familie zu ernähren. Etwas später, etwa Mitte der 1980er Jahre, entstanden als Reaktion auf diese Entwicklung die Kooperativen im Land. Etwa die Gemeinschaft dominikanischer Kakaoproduzenten CONCADO („Coordinadora Nacional de Cacaoteros Dominicanos“) oder COOPROAGRO, eine andere Kooperative, die für den europäischen Markt eng mit der GEPA zusammenarbeitet, der „Gesellschaft zur Förderung der Partnerschaft mit der Dritten Welt“.

Beim Kaffee hat die Dominikanische Republik eine eigenwillige Position. Da ist zum Beispiel die Tatsache, dass auf der Insel Kaffee getrunken wird. Das ist bei weitem nicht überall der Fall. In anderen Kaffeeanbauländern wird produziert und exportiert. Hier wird der Großteil der Ernte selbst konsumiert. Was bleibt, ist ein Exportanteil von etwa einem Fünftel. Es gibt sechs von der Regierung offiziell anerkannte Anbaugebiete. Sie heißen Cibao, Bani, Azua, Ocoa, Barahona und Juncalito. Die Vielfalt der dominikanischen Kaffeesorten ist dabei enorm.

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Barahona ist eine Provinz im Südwesten der Insel, etwa drei Autostunden von der Hauptstadt Santo Domingo entfernt. Barahona gilt als beste Anbauregion des Landes. Der Kaffee wird in großen Höhen angebaut und ist bekannt für seinen komplexen Geschmack, den üppigen Körper und die markante Säure.
In Barahona findet man auch einen der besten Kaffees des Landes. Er kommt von Kaffeeplantagen der Familie Ramírez. 1943 gründete Belarminio Ramírez zusammen mit seinen Kindern ein kleines Unternehmen, das sich der Herstellung und Vermarktung von Kaffee widmet. Im Laufe der Jahre ist das Unternehmen zu einem traditionsreichen Familienbetrieb herangewachsen, der bereits drei Generationen umfasst. Neben der Produktion auf den eigenen Plantagen verarbeitet und vermarktet die Familie einen erheblichen Anteil des Kaffees der Region.

Neben biologischer Landwirtschaft ist Fairness einer der hohen Werte des Unternehmens. Das ist gerade in der Dominikanischen Republik ein großes Thema, da es starke soziale Spannungen zwischen den beiden Staaten auf der Insel gibt, besonders im Grenzgebiet. Hermanos Ramírez hat sich für eine Mitgliedschaft bei der „Rainforest Alliance“ entschieden. Ähnlich wie Fairtrade stellt die Organisation soziale und ökologische Aspekte in den Mittelpunkt des Interesses. „Das Siegel besagt, dass das zertifizierte Produkt oder eines seiner Zutaten nach Methoden hergestellt wurde, welche die drei Säulen der Nachhaltigkeit stützen – sozial, wirtschaftlich und ökologisch. Unabhängige externe Auditoren – Voraussetzung für die Integrität eines jeden Zertifizierungsprogramms – bewerten Farmbetriebe anhand dieser drei Faktoren, bevor Sie (sic!) ein Zertifikat ausstellen oder erneuern“, ist auf der Webseite der Alliance zu lesen.

Mit „Gut, sauber und fair“ rief Carlo Petrini, der Gründer von Slow Food, eine Parole aus, die die Philosophie seiner Bewegung auf den Punkt bringt. Lebensmittel müssen nicht nur gut schmecken, sondern auch ökologisch und sozial verträglich produziert werden. Ein Zugang, der die Menschen und ihre Lebenswelt in den Mittelpunkt stellt und dabei nicht ausschließt, dass sich biologisch hergestellte und fair gehandelte Produkte zu einer stattlichen Marktmacht entwickeln. Biolandwirtschaft und der respektvolle Umgang mit Landwirten und Produzentinnen treten oft gemeinsam in Erscheinung. Manchmal übernimmt der faire Handel die Führung und nimmt bio an die Hand. Ein anderes Mal ist es umgekehrt.


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