FILM

5th HUMAN VISION film festival
6.–12. Juni 2021, Online & im Spielboden Dornbirn
Umsicht als Grundlage für ein mitfühlendes und würdevolles Zusammenleben. Damit beschäftigt sich das diesjährige HUMAN VISION film festival – erstmalig als Hybridausgabe. In einem umfassenden Film- und Rahmenprogramm werden in unterschiedlichsten Facetten die Menschenrechte beleuchtet. An sieben Tagen werden hauptsächlich durch das Medium Film, aber auch durch weitere Erzählformate, Einblicke in die Vielfalt der Themen geboten.


Netzhaut Ton-Film-Festival 2021
18.–20. Juni 2021, Wiener Neustadt
Die Festivalleitung mit Katharina Stemberger und Fabian Eder präsentieren unter dem Motto „Unverwüstliche Zerbrechlichkeit“ im Ambiente des Bürgermeistergartens in Wiener Neustadt ein ambitioniertes Programm aus Oscar-nominierten Filmen wie „Quo vadis, Aida?“ und Nachwuchsarbeiten junger Filmstudierender. Die Filmauswahl wird durch Konzerte der Strottern, Voodoo Jürgens, Ernst Molden und Ursula Strauss ergänzt. Und auch das erfolgreiche Format der „Walking Concerts“ findet wieder statt. (Bei Schlechtwetter finden die Veranstaltungen im Stadttheater statt.)


Ein bisschen bleiben wir noch
Kino VOD Club

Die tschetschenischen Flüchtlingskinder Oskar und Lili werden nach dem Selbstmordversuch ihrer depressiven Mutter auf Pflegefamilien aufgeteilt. Die geplante Abschiebung nur aufgeschoben.
Frei nach einem Roman von Monika Helfer nähert sich Regisseur Riahi in „Ein bisschen bleiben wir noch“ dem Thema Flüchtlinge –
inspiriert durch eigene Erfahrungen – nicht durch harten Sozialrealismus an, sondern wählt einen märchenhaften Blick aus Kinderperspektive. Kraftvolles Zentrum des Films ist das junge Ensemble rund um Oskar (Leopold Pallua) und Lili (Rosa Zant), die den Film sowohl in seinen traurigen als auch in seinen poetischen Momenten fast von alleine trägt. Während sich Lili mit der neuen Situation bei ihrer Pflegemutter zu arrangieren versucht, hält der fantasievolle Oskar seine überzeichnete Bobo-Pflegefamilie und ihre überhöhten Moralvorstellungen auf Trab. Visuell stimmig umgesetzt, berührend vom jungen Cast gespielt, verzeiht der Film manch flache Figurenzeichnung und weckt Empathie für ein immer noch hochaktuelles Thema.
(Martin Nguyen)

Regie: Arash T. Riahi
Ö 2020, 100 Minuten


Das Fieber
Kino VOD Club

Malaria ist die in Vergessenheit geratene Pandemie des afrikanischen Kontinents, während COVID-19 die Schlagzeilen beherrscht. Die nackten Zahlen sprechen für sich: Jede Minute stirbt ein Kind an Malaria, fast eine halbe Million Menschen pro Jahr. Die Regisseurin Katharina Weingartner hat sich in ihrem Dokumentarfilm „Das Fieber“ auf die Suche nach den Hintergründen der Krankheit und ihrer Behandlung gemacht. Was, wenn eine Heilpflanze (Artemisia annua) existiert, die den kostspieligen Import von Malaria-Medikamenten überflüssig machen würde? Der Film geht der Frage in einem sachlichen Ton, ohne Emotionalisierung und Off-Kommentar nach. Zu Wort kommen lediglich Schwarze Wissenschaftler und Heilpraktiker, die vom Widerstand der WHO gegen das Kraut und den Folgen der (Neo)Kolonialisierung erzählen, die Malaria in Afrika erst „natürlich“ werden ließ. Der Film rüttelt auf, macht die Verstrickungen des Philanthrokapitalismus sichtbar und gibt Betroffenen eine Stimme. (Martin Nguyen)

Regie: Katharina Weingartner
Ö/D/CH 2019, 99 Minuten


Mein Lehrer, der Krake
(OT: My Octopus Teacher)
Netflix

Der ausgebrannte Filmemacher und Naturliebhaber Craig Foster zieht sich in seiner Midlife-Crisis an seinen Wohlfühlort „Meer“ an der Küste Südafrikas zurück. Vom Filmen will er nichts mehr wissen. Bei seinen täglichen Freitauchgängen entdeckt er in den Tangwäldern ein scheues Oktopus-Weibchen. Wie sieht so ein Kraken-Alltag überhaupt aus? Spielerisch nähert sich Foster dem neugierigen Tier an. Aus Furcht wird Neugierde, aus flüchtigen Berührungen zwischen dem intelligenten Meereslebewesen und dem großen, unbekannten Alien vom Land entsteht eine unerwartete Vertrauensbeziehung, die in einer zärtlichen Begegnung auf Fosters Brust gipfelt. Fosters kindlicher Entdeckungsdrang und seine wachsende Bindung zum schlauen Oktopus-Weibchen sind herzerwärmend, Foster ist nicht mehr vor Emotionen gefeit. Wir übrigens auch nicht. Oscar-prämierter Tierfilm mit Herz. (Martin Nguyen)

Regie: Pippa Ehrlich, James Reed
ZAF 2020, 85 Minuten

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Seaspiracy
Netflix

Fleisch ist schlecht, Fisch ist gut, oder? Erzählt und inszeniert von britischen Filmemacher Ali Tabrizi zeigt die Enthüllungsdoku „Seaspiracy“ den verheerenden Einfluss der kommerziellen Fischindustrie auf die Meere.
Haifischflossensuppe, Meeressäuger als Beifang, Sklaverei, Blutgarnelen – die Schlagwörter kommen im Minutentakt. Schockierende Bilder, aufrüttelnde Statistiken haben keine Zeit auf den Boden der Betroffenheit zu sinken, Einordnung erfolgt woanders. Die nächste Enthüllung wartet bereits. Der Ökothriller nimmt uns Undercover auf Fischmärkte und auf die Jagd auf illegale Fischer mit, deckt das Geschäft mit Siegeln und Zertifikaten auf, die mit dem Marketingschmäh „Nachhaltigkeit“ werben. Strohhalme bekämpfen? Ein Feigenblatt, um vom großen Anteil der Fischereinetze am schwimmenden Plastikmüll in den Ozeanen abzulenken.
Manche Conclusio ist nicht ganz schlüssig, doch der Film schneidet essentielle Themen an und zeichnet ein erschreckendes Bild unserer Weltmeere. (Martin Nguyen)

Regie: Ali Tabrizi
GB/USA 2021, 89 Minuten


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