Grenzgänger

In einer italienischen Grenzstadt leben hunderte Geflüchtete auf der Straße. Während die Stadtregierung kaum Unterstützung bietet, ist es die Zivilbevölkerung, die Menschen versorgt. Von Sarah Kleiner

Ein unscheinbarer Parkplatz in Ventimiglia, Ligurien. Müllcontainer säumen links den Weg zur Caritas. Vor der Zufahrt schlafen drei Männer am Boden. Sie liegen auf einem ausgebreiteten Pappkarton und haben sich die Kapuzen ihrer Jacken über den Kopf gezogen, um sich vor der Sonne zu verstecken, die der italienischen Mittelmeerküste auch im Oktober noch sommerliche Temperaturen beschert. Der tägliche Andrang für die kostenlosen Essensrationen ist vorbei, nur noch zwanzig Menschen stehen in Grüppchen zusammen. Sie warten auf „il dottore“. Ein weißer Lieferwagen biegt ums Eck und parkt. Mit ein paar Handgriffen wird ein Zelt als Unterstand aufgebaut. Cecilia Momi nimmt auf einem Hocker Platz und klappt den Laptop vor sich auf.

„Die Mehrheit der Migranten, die nach Ventimiglia kommen, sind Menschen, die nur durchreisen und versuchen, andere EU-Länder zu erreichen“, sagt Momi. „Viele waren vorher in Ländern wie Tunesien oder Libyen, wo ihnen die verschiedensten Arten von Gewalt widerfahren sind. Sie wurden schlecht behandelt und bitten jetzt einfach um Hilfe.“ Cecilia Momi ist Humanitarian Affairs Officer bei „Ärzte ohne Grenzen“. Die NGO betreibt in Ventimiglia eine mobile Klinik, mit der Migranten und Geflüchtete medizinisch versorgt werden. Denn die 24.000-Einwohner-Stadt an der italienischen Riviera hat sich zum „Flaschenhals“ der europäischen Fluchtbewegung entwickelt.

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