Halten „grüne“ Finanzprodukte, was sie versprechen?

Von Werner Krendl und Jürgen Wahl
Wahl & Partner

Banken verkaufen nachhaltige Finanzprodukte wie Aktien oder Bonds, börsennotierte Firmen werben mit ihren Nachhaltigkeitsberichten in sozialen Medien. Ein genauer Blick auf das Angebot lohnt sich allerdings, um nicht nur Rendite sondern auch einen „Impact“, einen gesellschaftlichen Mehrwert zu erwirken.

Grüne Finanzprodukte in aller Munde. Sie finden sich vermehrt bei Aktienemissionen oder weisen Unternehmensfinanzierungen (bspw. Grüne Bonds) als nachhaltig aus. Der boomende Markt für Green Bonds, mit einem Emissionsvolumen von 258 Milliarden USD (2019), ist ein erfolgreiches Beispiel für eine Kapitalaufnahme mit zweckgewidmeter Mittelverwendung für ökologisch nachhaltige Projekte. Hier zeigt sich aber auch sehr gut die Unschärfe im Markt für nachhaltige Investments, da eine Emission dieser Anleihen nicht reguliert ist und von Fall zu Fall sehr unterschiedlich sein kann. Beispielsweise kann eine Emission unter den wenig anspruchsvollen Green Bond Principles der International Capital Market Association (ICMA) oder unter den strengeren Vorgaben der Climate Bonds Initiative erfolgen. Letztere hat spezielle Standards für einzelne Sektoren und Nachhaltigkeitsthemen entwickelt, die im Zuge einer Emission und laufend durch einen unabhängigen Auditor geprüft werden müssen. Die Europäische Union plant mit einer eigenen Green Bond Richtlinie die Vorgabe von Mindeststandards für die Emission grüner Anleihen.
Sehr gängig ist, dass viele Fonds sogenannte Ausschlusskriterien (Negativkriterien wie bspw. „keine fossile Energie“, etc.) verwenden und nicht aktiv versuchen, nachhaltige, Kriterien zu bewerten. Vergleicht man die Veranlagungsstrategien von Fonds, so überwiegen Investments in Emittenten, die punkto Nachhaltigkeit nicht negativ auffallen (sozusagen keinen negativen Impact verursachen) und weniger leider jene, die einen aktiven Beitrag zur Nachhaltigkeit leisten, der in ihren Geschäftsmodellen fest verankert ist. Investmentfonds mit einem Schwerpunkt auf Negativkriterien haben beispielsweise oft eine hohe Gewichtung von Technologiewerten wie Alphabet, Apple und Microsoft. Diese Unternehmen würden nachhaltige Investoren nicht dermaßen priorisieren. Neben der Bedeutung dieser Unternehmen in den Benchmark-Indizes sind die im Vergleich zu anderen Sektoren (z.B. Kohle oder Öl) geringeren Umweltbelastung ausschlaggebend für die hohe Gewichtung.
ESG-Integration ist die undurchsichtigste Form, da Art und Umfang der Integration keinen Vorgaben oder Standards unterliegen. Daraus resultiert ein breites Spektrum an Strategien, die als ESG-Integration bezeichnet werden und oftmals den Namen gar nicht verdienen. Hier besteht also ein großes Potential für Greenwashing, heißt, dass sich Investoren ein nachhaltiges Image geben, ohne dafür die Voraussetzungen zu haben.

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Von den globalen 27 Billionen € an nachhaltiger Veranlagung fallen „nur“ 440 Milliarden Euro unter die Kategorie Impact Investing, ein Investmentansatz, der über die reine Orientierung auf Rendite und Risiko hinausgeht. Positive soziale und/oder ökologische Wirkungen sollen möglichst direkt, intendiert und nachweisbar sein. Es geht um eine messbare positive gesellschaftliche und/oder ökologische Wirkung. Die Emittenten sind in den meisten Fällen relativ junge, private „Social oder Purpose Enterprises“, deren Impact in einer Form mit dem Geschäftsmodell verwurzelt ist, dass ein wirtschaftlicher Erfolg automatisch mit positiven sozialen oder ökologischen Effekten einhergeht.

Die Vereinten Nationen haben mit ihren 17 Sustainable Development Goals Ziele für den Umstieg auf eine globale Impact Economy gesetzt. Damit soll das Thema Impact Investing durch das Entstehen neuer Märkte und Dienstleistungen von einem „Nischenprodukt“ zu einem globalen Megatrend werden. Schätzungen zufolge sollen im Jahr 2030 3 bis 4 Billionen US-Dollar ins Impact Investing fließen. Diese Aussichten stimmen positiv.

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