Im Schatten der Pandemie

Honduras: Die Tropenstürme Eta und Iota im Herbst 2020 trafen die Bevölkerung von Honduras schwer. COVID-19 hat die Lage im Land noch einmal verschärft. Die Zahl der Menschen, die von Ernährungsunsicherheit betroffen sind, stieg wegen der Pandemie und wegen der Folgen der Wetterextreme auf mehr als drei Millionen.

Zehn Krisen, die 2021 keine Schlagzeilen machten

Laut den Vereinten Nationen benötigt heuer jeder 28. Mensch weltweit humanitäre Hilfe. Für unzählige dieser Menschen sind Armut, Hunger und Not trauriger Alltag, doch die Weltöffentlichkeit bekommt davon kaum etwas mit. Die Hilfsorganisation CARE zeigt deshalb im Bericht „Suffering in Silence“ eindrücklich auf, welche zehn humanitären Krisen 2021 die geringste mediale Aufmerksamkeit erhielten.

Im vergangenen Jahr berichteten internationale Online-Medien mehr als 240.000-mal über die Weltallflüge von Jeff Bezos und Elon Musk. Die humanitäre Krise in Sambia, die für über 1,2 Millionen Menschen Hunger bedeutet, fand hingegen nur ganze 512 Erwähnungen. Die Abenteuer der beiden Milliardäre wurden also fast 500-mal so häufig thematisiert wie das südafrikanische Land und seine Hungerkrise.

Sambia: Dieses CARE-Projekt in Sambia hat auch auf die Jüngsten Auswirkungen. „Wir haben gesehen, wie sich die Gesundheit unserer Kinder verbessert hat. Sie bekommen nahrhafte Lebensmittel und sind gesünder als vorher. Sie haben gut an Gewicht zugelegt“, berichtet ein Vater.


Doch Sambia ist nur eines von vielen Ländern, wo Menschen unter dem Radar der Weltöffentlichkeit jeden Tag ums Überleben kämpfen, mahnt CARE Österreich. Mit dem Bericht „Suffering in Silence“ möchte man diesen Menschen eine Stimme geben und jene zehn Krisen aufzeigen, die 2021 kaum Schlagzeilen machten.

Berichterstattung wirkt sich auf Hilfe aus
„Viele der Krisen in unserem Ranking sind langwierig und die meisten werden von der Klimakrise verschärft. Die Lage ist besonders für Frauen und Mädchen prekär. Doch Armut, Hunger und Flucht machen noch zu selten Schlagzeilen, das zeigt der Report sehr deutlich“, so Andrea Barschdorf-Hager, Geschäftsführerin von CARE Österreich. „Vergessene Krisen sind auch für Hilfsorganisationen eine besondere Herausforderung. Mit der mangelnden Bekanntheit geht nicht selten auch eine geringe finanzielle Unterstützung einher. Dadurch fehlt es jedoch am wichtigsten – nämlich an konkreter Hilfe für die betroffenen Menschen vor Ort.“


Armut und Hunger in Sambia am wenigsten beachtet
Den ersten Platz der 2021 am wenigsten beachteten Krisen belegt Sambia. Das Land kämpft mit den Auswirkungen langanhaltender Dürreperioden, des Klimawandels und COVID-19. Mehr als die Hälfte der dortigen Bevölkerung lebt in Armut – darüber berichtet wird kaum. Direkt dahinter liegt auf Platz zwei die humanitäre Krise in der Ukraine. Im Osten des Landes herrscht seit mehr als sieben Jahren ein bewaffneter Konflikt. 3,4 Millionen Menschen benötigen humanitäre Hilfe. An dritter Stelle der vergessenen Krisen befindet sich Malawi. Dort kämpfen die Menschen mit den schweren Folgen der Klimakrise. Extreme Naturereignisse wie Wirbelstürme, Fluten oder Dürren treten häufiger auf als in den Jahren zuvor.

Was muss getan werden?
Aus Sicht von CARE ist es wichtig, als Hilfsorganisation noch enger mit AuslandskorrespondentInnen vor Ort zusammenzuarbeiten, qualitativ hochwertige Inhalte sowie Informationen über strukturelle Ursachen von Not bereitzustellen und digitale Medien verstärkt zu nutzen. Wichtig sei laut Barschdorf-Hager auch der Fokus der medialen Berichterstattung: „Betroffene zu Wort kommen lassen, damit sie die Lage aus ihrer Sicht schildern können, ist unerlässlich.“

Zehn humanitäre Krisen, die 2021 keine Schlagzeilen machten:
1. Sambia – 1,2 Millionen Menschen haben nicht genug zu essen
2. Ukraine – 3,4 Millionen Menschen benötigen humanitäre Hilfe
3. Malawi – 17 Prozent der Bevölkerung sind stark unterernährt
4. Zentralafrikanische Republik – 2,8 Millionen Menschen benötigen humanitäre Hilfe
5. Guatemala – 2/3 der Bevölkerung leben von weniger als 1,80 Euro am Tag
6. Kolumbien – 4,9 Millionen Menschen leben unter der Kontrolle bewaffneter Gruppen
7. Burundi – 2,3 Millionen Menschen benötigen humanitäre Hilfe
8. Niger – 1,8 Millionen Kinder benötigen Nahrungsmittelhilfe
9. Simbabwe – 5,7 Millionen Menschen fehlt es an genügend Nahrung
10. Honduras – 2,8 Millionen Menschen benötigen humanitäre Hilfe

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Den Report „Suffering in Silence“ lesen: care.at/sis2021
Mehr über die Krisenländer erfahren: inside.care.at/sis


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