Impact Investing – Investment for good

Von Werner Krendl und Jürgen Wahl, Wahl & Partner

Der Begriff „Impact Investing“ findet seine ersten Erwähnungen in etwa zum Zeitpunkt der globalen Finanzkrise 2007 und sollte einen Mittelweg zwischen Philanthropie und reiner Renditeorientierung ermöglichen. Was vor einigen Jahren noch eine kleine Marktnische war, hat sich mittlerweile zu einem globalen Trend gesteigert und seither fließt immer mehr Kapital in junge, ambitionierte Unternehmen, die mit profit- orientierten Ansätzen gleichzeitig mit ihren Produkten und Dienstleistungen an einer besseren Welt arbeiten.

Wie immer in jungen Märkten, benötigt es zu Beginn Risikokapital, um ein Momentum zu generieren, aus dem zu einem späteren Zeitpunkt ein Trend wird, auf den weitere Investoren aufspringen. Ein Teil des Kapitals wird nicht nur hierzulande, sondern vor allem auch in Unternehmen in Entwicklungs- und Schwellenländer investiert.

In Österreich gibt es unterschiedliche Impact Investing-Initiativen, an deren Beginn Stiftungen wie die der Familie Scheuch standen und Business Angels wie Alois Flatz oder Jürgen Wahl begannen, Kapital in Start-ups mit positivem Impact zu investieren.

Das Ökosystem der Unternehmensgründer hat mit dem Impact Hub in Wien eine Plattform für die Unterstützung und Entwicklung von sogenannten Impact-Start-ups, die den informellen Informationsaustausch, die Kooperation und gegenseitige Unterstützung fördert. Seit 2019 gibt es mit der fair-finance Vorsorgekasse auch einen institutionellen Investor, der in der Form des Social Entrepreneurships Fonds bspw. in solche innovativen Geschäftsmodelle finanziert. Für wen dies ein zu großes Risiko darstellt, einen Teil seines Geldes in ein junges Unternehmen zu investieren, der kann auch verschiedene grüne Finanzprodukte mit einer größeren Risikostreuung zurückgreifen.

Analog zu den klassischen Anlageformen muss man sich auch beim Impact Investing durch die Klassifizierungen des Sustainable Investing kämpfen und sollte man zusätzlich noch die ESG-Compliance der jeweiligen Anlageform kritisch hinterfragen. Die notwendigen Daten werden meist von den Emittenten veröffentlicht und beziehen sich auf vergangene Geschäftsjahre. In einem Prozess, der mit der Wirtschaftsprüfung von Jahresabschlüssen vergleichbar ist, können diese Daten von unabhängigen Agenturen (Sustainability Rating Agencies) überprüft werden. Während die Jahresabschlussprüfung für die Emittenten jedoch gesetzlich verpflichtend ist, gibt es für die Prüfung von Angaben zu ESG-Kriterien keine Verpflichtung. Es gibt jedoch Vorgaben in den zu verwendenden Reporting-Standards. In vielen Fällen müssen sich Emittenten an die Vorgaben der Global Reporting Initiative (GRI) halten.

Sofern spezielle Rating Agenturen (ISS oekom und Sustainalytics sind die beiden führenden in Europa) involviert sind, treffen diese eine Einschätzung der ESG-Kriterien eines Emittenten anhand gewisser Standards. Für viele Unternehmen gibt es daher ESG-Ratings, vergleichbar mit der Einschätzung von Kreditrisiken durch Standard & Poor’s und Moody’s. Die ESG-Ratings haben jedoch nicht annähernd die Qualität von Credit Ratings, da Einschätzungen der unterschiedlichen Anbieter nur eine geringe Korrelation haben, d.h. je nachdem welches Rating man wählt, kann man eine relativ positive oder negative ESG-Einschätzung erhalten.

Auch im Bereich der ESG-Ratings mischen österreichische Start-ups mit innovativen Ansätzen mit. So stellt die aus dem WWF Österreich entstandene ESG Plus mit cleanvest.org eine Plattform zur Verfügung, auf der man Fonds nach ihren Nachhaltigkeitskriterien auswählen und vergleichen kann und berät institutionelle Investoren bei ihren ESG-Strategien. Oaze.io misst und visualisiert die Emissionsdaten von Unternehmen. Das Ergebnis kann in die Nachhaltigkeitsberichterstattung integriert werden.

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Insgesamt ist ein ESG-Rating ein komplexer Prozess mit leider geringer Transparenz. Die Europäische Union weist beispielsweise darauf hin, dass es weltweit „hunderte“ Referenzwerte für den CO₂-Verbrauch gibt, auf deren Basis Unternehmen ihren CO₂-Fußabdruck messen können. Dies führt zu Herausforderungen für die berichtenden Unternehmen sowie die Finanzanalysten und zu einer Vielzahl an unterschiedlichen Ansätzen, aus denen sich erst Marktstandards herauskristallisieren müssen. Deshalb versucht die EU durch den „Aktionsplan zur Finanzierung nachhaltigen Wachstums“ Vorgaben für die Offenlegung von Informationen, eine einheitliche Taxonomie sowie Vorgaben betreffend der nachhaltigen Referenzwerte (Benchmarks) einen einheitlichen Markstandard vorzugeben. Sollte dies gelingen, kann die EU einen wichtigen Beitrag für weiteres Marktwachstum nachhaltiger Veranlagungen sowie die Verhinderung von „Greenwashing“ im Sinne des Anlegerschutzes leisten. Gleichzeitig wird dadurch die Lenkung der Kapitalströme zur Erreichung der ambitionierten umwelt- und sozialpolitischen Ziele der EU ermöglicht. Eine von Raiffeisen KAG beauftragte und im Januar 2020 durchgeführte Umfrage in Österreich hat gezeigt, dass das Thema nachhaltige Veranlagung noch sehr viel Potenzial birgt. Denn nur 4 von 10 Befragten gaben an, dass Nachhaltigkeit in der Veranlagung wichtig für sie ist. Die mit Abstand bekannteste nachhaltige Veranlagungsform sind Fonds (65%), gefolgt von grünen Anleihen (40 %). Besonders wichtig ist den Befragten bei nachhaltiger Geldanlage, dass ihr Geld nur in Unternehmen veranlagt wird, die besonders umwelt- und klimaschonend handeln (55 Prozent) sowie faire Arbeitsbedingungen vorweisen (53 Prozent). Wie wir gezeigt haben, ist der Markt für nachhaltige Veranlagung dagegen noch deutlich kleiner; je nach Definition von Nachhaltigkeit bewegt er sich zwischen 1% und 16% des globalen Aktien- und Anleihenmarktes. Um einen wirklichen Impact zu generieren, müssen daher die hohen Wachstumsraten grüner Investments beibehalten werden und mehr Kapital in Richtung Unternehmen fließen, deren Geschäftsmodelle eine inhärente positive Wirkung auf Umwelt und Gesellschaft haben

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