KOLUMNE

Corona kontra Klimaschutz
Von Rubina Möhring

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2020 – wunderbar rund und in sich ruhend wirkt unsere derzeitige Jahreszahl. Völlig konträr verliefen indes die ersten Monate dieses Jahres: weltweite Corona-Virus-Panik, menschenunwürdige Flüchtlingskrise an der Grenze zwischen der Türkei und dem EU-Land Griechenland, kein absehbares Ende der Kriegssituation in Syrien. Die Welt, so schien es, war in wenigen Wochen total aus den Fugen geraten. Corona-Virus und Flüchtlingskrise dominierten auch den politischen Diskurs. Nicht minder wichtige Themata wie Klimaschutz und Klimawandel waren keine Aufmacher mehr wert.
Warum eigentlich? Klimaschutz und Klimawandel sind brennend heiße Problematiken, die zur Sicherung des Lebens unserer künftigen Generationen gelöst werden müssen. Bisweilen jedoch entstand der Eindruck, dass Corona & Co international die Politikerkasten und die jeweiligen nationalen Medien völlig beherrschten. Zu groß war die Ratlosigkeit angesichts der durch das Virus Covid-19 ausgelösten globalen Pandemie.
Covid 19, born in China, verbreitete sich innerhalb nur weniger Wochen fast überall in unserer globalisierten Welt. Erstmals aufgetaucht war es bereits im Dezember 2019. Jener chinesische Arzt, der darauf hingewiesen hatte und deshalb „von oben“ der Lüge bezichtigt worden war, ist inzwischen an dem Virus gestorben. Was nicht sein durfte, sollte nicht sein. Mitte März meldete China erstmals einen Rückgang der Infizierungen. Ist das tatsächlich so oder soll das sein? Wir können das nicht verifizieren.
Bei uns in Österreich war das Virus im Februar angekommen. Covid-19, ein zunächst primär medizinisches Phänomen, wurde von einem Tag auf den anderen politisch und medial ein Dauerthema. Corona-Panik war angesagt. Sämtliche Medien stiegen auf diesen Info-Zug auf. Sie überschlugen sich mit Sondermeldungen, Sondersendungen, Spezialisten, und Experten-Kommentaren: Ein Virus geht um die Welt, eine Pandemie, für die es noch kein medizinisches Gegenmittel gibt, die sich jedoch in einem rasenden Tempo verbreiten kann. Die WHO rief den globalen Gesundheitsnotstand aus. Politiker sind in medialer Dauerpräsenz, verordnen Vorsichtsmaßnahmen und Ausnahmebestimmungen.
„Gesundheitsexperten rufen zum Medienfasten auf“ titelte schließlich der „Standard“. Untertitel: Arzt nennt Falschangaben im Internet „Krebsgeschwür“, dies angesichts der sich häufenden Fake News. Wissenschaftler in den USA und in Frankreich warnten vor einer Corona-Obsession. Manche Verschwörungstheoretiker wollten sogar einen Konnex zwischen den Flüchtlingen in Griechenland und der Türkei und dem Virus sehen. Eine Untergriffigkeit der übelsten Art.
Spätestens Anfang März begannen die Börsenkurse zu wackeln. Billige Zulieferungen aus China wurden gestoppt, touristische Zentren bleiben wegen Covid-19 unbesucht, Fluglinien und Kreuzfahrtschiffe müssen Linien einstellen – manche gehen pleite. Betriebe führen Kurzarbeit ein, andere stellen auf Arbeit im Homeoffice um, Restaurants, Bars, Geschäfte wurden geschlossen, kulturelle Veranstaltungen bis auf weiteres abgesagt. Unaufhaltsam stieg die Zahl der Kündigungen. Noch ist nicht absehbar wie viel Unternehmungen insgesamt in Konkurs gehen werden. Der Finanzminister konnte schließlich seine vorbereitete Budgetrede in den Papierkorb werfen. Von Nulldefizit ist keine Rede mehr.
Manche Wirtschaftsexperten malen das Gespenst einer Weltwirtschaftskrise an die Wand. Ausgelöst durch Covid-19, diesen übrigens durch mangelnden Umweltschutz und vernachlässigte Hygienemaßnahmen entstandener Virus. Es gilt als wahrscheinlich, dass Covid-19 von Fledermäusen oder Flughunden, die auf manchen Wildtiermärkten verkauft werden, auf die Menschen übertragen wurde. Spannend könnte eines Tages der Kostenvergleich zwischen der Summe der Corona-Folgekosten weltweit und den errechneten Kosten einer rechtzeitigen, leider verabsäumten Klimastrategie sein. Warten wir ab, ob ein solcher Kostenvergleich jemals gefragt sein wird.
Die Natur holt sich nun offenbar manches wieder zurück, was von unseren modernen Gesellschaften auch in Sachen Umwelt beschädigt worden war. In der Wiener Innenstadt ist die Luft wohlriechender geworden, in Venedig das Wasser in den Kanälen wieder klarer, in manchen italienischen Häfen wurden angeblich Delphine gesichtet, in Vorstadtgärten Wildschweinfamilien. Und: Generell ist die Luftverschmutzung über Italien auffallend zurückgegangen.
Österreichs Medien konzentrierten sich primär auf Corona-Warnungen und entsprechende Politiker-Sager. Die englische Tageszeitung „Guardian“ hingegen kümmerte sich nebenbei auch um scheinbar schlichte, jedoch nicht minder wichtige Alltagssorgen: Darf Sex in Zeiten von Corona sein? – Sicher doch, sofern die Partner in einem Haushalt leben und beide nicht infiziert sind. Wunderbar. 

Dr. Rubina Möhring Historikerin, Publizistin. Präsidentin der Menschenrechtsorganisation Reporter ohne Grenzen Österreich. Zuvor ORF-Journalistin und leitende Redakteurin bei ORF 3sat, verantwortlich für Kultur und Wissenschaft. Langjährige Universitätslektorin an den Universitäten Wien, Innsbruck, Krems. Autorin zahlreicher Publikationen und Artikel zu gesellschafts- und medienpolitischen Themen. Ausgezeichnet mit dem goldenen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich.

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