Künstler für den Klimaschutz

Mit gutem Beispiel voran: Das Kabarett-Duo Weinzettl & Rudle, die Singer-Songwriterin Clara Luzia, Schauspielerin Franziska Weisz, Musiker Julian le Play und Bestsellerautor Marc Elsberg verraten, was sie für den Umweltschutz tun.
Von Wolfgang Knabl

Monica Weinzettl und Gerold Rudle

Ein Schnappschuss aus der Künstlergarderobe: Monica Weinzettl genießt gegrilltes Gemüse mit Tofu, Gerold Rudle vegane Teigtaschen mit Kartoffelfüllung.

Was als kurzfristiges Experiment geplant war, hat das Leben des Kabarett-Duos Weinzettl & Rudle langfristig verbessert.

„Zuerst haben wir gesagt: Probieren wir es eine Woche. Nach einer Woche haben wir gesagt: Probieren wir es einen Monat. Jetzt sagen wir nix mehr. Uns geht nichts ab – im Gegenteil“, erzählt Monica Weinzettl. 2019 hätten sie und ihr Partner, Gerold Rudle, den Umstieg auf vegane Ernährung „ausprobiert“. Seither ernähren sich die beiden fleischlos und großteils rein pflanzlich, nur auf Tournee gibt’s, wenn es nicht anders geht, vegetarische Backstage-Klassiker wie Eieraufstrich.

Initialzündung war der Dokumentarfilm „The Game Changers“. Spitzensportler berichten darin über ihre Erfahrungen mit veganer Ernährung. Eine der Protagonistinnen, Dotsie Bausch, stieg als 37-Jährige um. Die US-amerikanische Radrennfahrerin merkte schnell: „Pflanzennahrung ist wie Raketentreibstoff. Und nach harten Workouts ist man viel schneller erholt.“ Mit 39 Jahren gelang ihr der größte sportliche Erfolg: Olympia-Silber in der beinharten Disziplin Mannschaftsverfolgung. Das hatte zuvor noch keine Athletin dieses Alters geschafft.

„Ich bin über 60, Radrennen werd ich keine mehr fahren“, witzelt Gerold Rudle, bestätigt aber die schnellere Regeneration: „Hatsche ich mit dem Hund zwölf Kilometer durch den Wald, bin ich nur mehr einen halben Tag k. o.. Vor zehn Jahren habe ich viel länger zum Erholen gebraucht.“ Die Rückenschmerzen, die ihn vor der Ernährungsumstellung geplagt hätten, seien gänzlich verschwunden – ein Vorteil, auch bei der terminreichen Tour mit dem neuen Programm „5 Sterne Beziehung“. Weinzettl und Rudle treten seit 2006 gemeinsam auf. „Das war zuerst Party, jetzt wird es zunehmend zum Spitzensport“, meint Gerold Rudle. Auch die Liebe zum jeweiligen Auftritt gehe durch den Magen: „Wir essen vor der Vorstellung, früher sind wir öfter recht angepampft aufgetreten“, erzählt Monica Weinzettl. Dieses Völlegefühl kenne jeder, der nach dem Mittagessen an seinen Arbeitsplatz zurückkehrt. „Man ist träger, müder, unkonzentrierter. Mit veganer Ernährung ist man wesentlich frischer, das macht auch mehr Spaß.“

Clara Luzia

Foto Apollonia Theresa Bitzan

Singer-Songwriterin Clara Luzia macht Tempo für den Klimaschutz – und zwar weniger.

Der Aufstieg in den heimischen Musik-Olymp gelang Anfang des Jahrtausends recht rasch – mit dem Tourbus ist Clara Luzia samt Band aber lieber gemächlich unterwegs. „Wir planen immer einen Zeitpolster ein. Langsamer fahren ist entspannter, außerdem sparen wir damit viel Spritgeld“, erzählt die mit einem Amadeus Award und einem Filmmusik-Romy ausgezeichnete Musikerin. Clara Luzia unterstützt eine Initiative zur Senkung der zulässigen Höchstgeschwindigkeiten: 30 Stundenkilometer im Ortsgebiet, 100 auf Autobahnen, 80 auf Freilandstraßen.

Was die Umstellung auf diese Tempolimits bringen würde, zeigt unter anderem eine Studie der Forschungsgesellschaft Straße – Schiene – Verkehr (FSV): Demnach würden der Verbrauch an fossilen Treibstoffen sowie die Treibhausgasemissionen um jeweils zehn Prozent sinken. Bei den besonders schädlichen Stickstoffoxiden käme es zu einer Reduktion um 46 Prozent. Außerdem würde sich die Zahl der Verkehrstoten um 116 Personen pro Jahr reduzieren, Verletzte gäbe es knapp 7.000 weniger.

„Eine Spur langsamer zu fahren, ist wohl eine der einfachsten und kostensparendsten Klimaschutzmethoden“, sagt Clara Luzia. „Privat fahre ich ein E-Auto, da bringt weniger Tempo auch mehr Reichweite.“ Wie viele Hupkonzerte hat die Musikerin wegen ihres umweltschonenden Fahrstils schon abbekommen? „Gar keines. Hat es hinter mir jemand eilig, fahre ich so, dass ich leicht zu überholen bin.“ Das passt zu ihrem Lebensgrundsatz: Die Niederösterreicherin will nicht stören – weder Tiere, noch andere Menschen oder die Umwelt. „Auf Landstraßen fahre ich auch deshalb langsam, damit ich ja kein Tier niederführe“, sagt sie schmunzelnd.

Langsamer fahren ist eine sehr einfache Klimaschutzmaßnahme. Die paar Minuten, die man bei längeren Distanzen ‚verliert‘, sind meistens egal.

Clara Luzia


Für das Tierwohl und den Klimaschutz wurde sie mit 15 Vegetarierin, seit etwa 15 Jahren lebt sie vegan. In ihrem Hit „We are fish“ erzählt sie aus der Fischperspektive von menschengemachten Kontinenten: Den Inseln aus Plastikmüll. Ihre Musik klingt organisch und naturnah, sie verbringt gerne Zeit im Wald, Naturstimmungen fließen ins Songwriting ein. Anfang des Jahres hat Clara Luzia ein Kinderbuch geschrieben. Bemüht sie sich auch für die nachfolgenden Generationen, das Klima zu schützen? „Ja. Aber ich denke bei alldem nicht nur an Menschen, sondern fände es grundsätzlich gut, wenn der Planet in einer ansehnlichen Form weiter besteht.“

Franziska Weisz

Foto Jeanne Degraa

Bildung und wirtschaftliche Maßnahmen sind für Franziska Weisz wichtige Hebel für den Klimaschutz. Privat setzt die Schauspielerin beim Essen und im Bad auf „Klimaschutz-Genuss“.

„Der Strom kommt nicht ursprünglich aus der Steckdose, der CO2-Fußabdruck von einem Schnitzel ist zehnmal so groß wie der von einer Portion Falafel. So etwas sollten alle wissen“, meint Franziska Weisz und fordert: „Nachhaltigkeit sollte in allen Schultypen ein Pflichtfach sein.“

Die Schauspielerin debütierte 2001 in Ulrich Seidls Kultfilm „Hundstage“ auf der Leinwand, mit Filmen wie „Der Räuber“ und Serien wie „Tatort“ erlangte sie große Bekanntheit. Parallel dazu studierte sie in Wien Betriebswirtschaftslehre, in England Entwicklungs- und Umweltpolitik. Im Wirtschaftssystem verortet sie wichtige Hebel, um das Klima zu schützen: „Wir brauchen so hohe Steuern auf fossile Energieträger, damit wir uns endlich mit voller Kraft voraus um Alternativen bemühen!

Der Klimakiller Nummer 1 ist unser tägliches Kauf- und Konsumverhalten. Die großen Veränderungen resultieren aus unseren ‚kleinen’ Entscheidungen Stunde für Stunde, Minute für Minute. Weniger Nachfrage bedeutet weniger Angebot. Da steckt unsere Macht.

Franziska Weisz

Agrarsubventionen sollen vor allem klimafreundlichen Methoden und der Erzeugung von gesunden Lebensmitteln zugute kommen – diese entlasten nämlich auch unser Gesundheitssystem. Erst, wenn die Preise die wahren Kosten widerspiegeln, werden wir nachhaltig konsumieren“, ist Weisz überzeugt.
Für den Klimaschutz ernährt sich die – unter anderem auf der Berlinale und der Diagonale ausgezeichnete – Schauspielerin seit 30 Jahren ohne Fleisch und Kuhmilch.

„Anders als in den 1990er Jahren macht das heute richtig Spaß, weil ständig neue Ideen und Rezepte auftauchen“, erzählt sie. „Das Experimentieren mit Zutaten und Gewürzen ist selbst für eine mäßige Köchin wie mich ein Genuss.“ Die positiven Aspekte dieses Genusses: „Bei pflanzlichen Alternativen fällt viel weniger CO2 an, die Erzeugung von tierischen Nahrungsmitteln verbraucht außerdem gigantische Mengen Trinkwasser.“ Bad- und Haushaltsartikel macht Franziska Weisz selbst und füllt sie anschließend in schöne Gefäße. „So vermeidet man Plastikverpackungen. Selbstgemachte Seifen sind zudem viel billiger und hübsch zu verschenken.“ Worauf die Schauspielerin für den Klimaschutz verzichtet? „Mein größter Verzicht – so dachte ich – ist, kein Auto mehr zu haben. Aber jetzt fehlt es mir nicht mal!“

Julian le Play

Foto Florian Moshammer

Julian le Play hat seinen Songwriting-Hub, die Villa Lala, ausschließlich mit Gebrauchtmöbeln eingerichtet. Beim Musikmachen setzt der einstige „einsame Wolf“ auf unkomplizierte Zusammenarbeit.

„Ich fahr nach Hietzing, wo ich Hits sing!“, rappt Bibiza auf seinem Album „Wiener Schickeria“. Aufgenommen und produziert hat er es in der Hietzinger Villa Lala. In dem historischen, mit Efeu bewachsenen Gebäude residierte einst die Neuseeländische Botschaft, jetzt ist es Wiens erster Songwriting-Hub.

Gründer, Betreiber und „fixe Bewohner“ sind der Musiker Julian le Play sowie die Brüder Matthias und Elias Oldofredi. Die drei haben die Villa komplett leer übernommen und stilvoll eingerichtet – ausschließlich mit gebrauchten Möbeln. „Dahinter stehen zwei Gedanken, die zum Glück miteinander matchen“, erklärt le Play. „Möbel aus den Sixties und Seventies gefallen uns sehr gut. Außerdem ist das viel nachhaltiger, als neu produzierte ‚Fast Furniture‘.“

Die Scheuklappen abwerfen, miteinander tüfteln, das beflügelt die Kreativität und Produktivität enorm.

Julian le Play

Entstanden ist ein heimeliger Rückzugsort, der aus der Zeit gefallen wirkt. „Beim Musikmachen wollen wir keine Massenware produzieren. Das gelingt in einem zeitlos-individuellen Ambiente mit Geschichte einfach besser.“

Eine weitere Besonderheit ist die kollaborative Arbeitsweise: Musiker aus unterschiedlichen Genres und andere Kreative treffen in der Villa aufeinander. „Die Scheuklappen abwerfen, voneinander lernen, miteinander tüfteln anstatt zu fürchten, dass einem jemand Ideen wegnimmt – das beflügelt die Kreativität und Produktivität enorm“, sagt Julian le Play. Auch auf Tour geht der mit fünf Amadeus Awards ausgezeichnete Musiker spezielle Wege, etwa im Backstagebereich.

Der Catering-Rider, ein Dokument mit detaillierten Angaben zu den Catering-Wünschen der Künstler, habe sich bei le Play „um 180 Grad“ verändert. „Seit wir zwei Veganer in der Band haben, essen wir alle gerne vegan.“ Also gibt es Kichererbsen-Curry oder marokkanische Quinoa-Salate statt Schnitzel und Co. Die Getränke sollen von regionalen, möglichst nachhaltig produzierenden Herstellern kommen. „Man muss sich über seine Gewohnheiten drüber trauen, die Alternativen haben oft viele Vorteile“, meint Julian le Play. Demnächst geht er auf Unplugged-Tour. Und er bleibt kulinarisch offen: „Seit Neustem trinke ich meinen Kaffee mit Hafermilch und merke, wie es mir dadurch besser geht.“

Marc Elsberg

Foto Lukas Ilgner

Werbung

Der Schriftsteller Marc Elsberg widmet sich in seinem aktuellen Science-Thriller dem Klimawandel. Beim Klimaschutz sieht er vor allem die Politik gefordert.

Wer das Klima beherrscht, regiert die Welt – so zumindest eine der Thesen und Handlungsstränge in Marc Elsbergs Science-Thriller
„°C – Celsius“. Spricht man mit dem Bestsellerautor über den Klimawandel, zeigt sich schnell sein Background als Kommunikationsprofi. Bevor Elsberg mit Science-Thrillern wie „Blackout“ für Furore sorgte, war er Strategieberater und Kreativdirektor für Werbung. Der Begriff „Klimawandel“ ist für ihn „eine sehr geschickte Wortschöpfung aus Desinformationskampagnen der fossilen Industrien.“ Diese Wortschöpfung solle den Eindruck erwecken, der Mensch sei gar nicht schuld am Klimawandel. „Früher sagte man Treibhauseffekt, da ist alles klar: Treibhäuser werden von Menschen gebaut.“

Nur Politiker wählen, die auch wirklich
etwas für das Klima tun.

Marc Elsberg

Zurück zu „°C – Celsius“: Hier übernimmt eine Allianz von Staaten, zur großen Überraschung Europas, mit Geo-Engineering die Kontrolle über das Klima. Unter Geo-Engineering versteht man bewusste Eingriffe in das Klimasystem, um die Erderwärmung zu mildern. Mögliche Nebenwirkungen: schwer abschätzbar, potenziell gravierend. Marc Elsberg meint, man müsse diese Technologie auf jeden Fall erforschen. Allein schon, um zu wissen, was auf uns zukomme, falls jemand Geo-Engineering einsetzt.

Denn: „Für uns Mitteleuropäer ist Klimawandelanpassung eine Option. Für viele andere Regionen nicht.“ Welche Klimaschutzmaßnamen der Autor und bekennende Nachrichten-, Informations- und Wissensjunkie bevorzugen würde? „CO2-Preise global für alle deutlich erhöhen, massive Förderung der erneuerbaren Energien und des öffentlichen Verkehrs, Beendigung der industriellen Tierhaltung, Gleichberechtigung der Frauen, massiv in Bildung und Gesundheit investieren, vor allem in Entwicklungs- und Schwellenländern.“ Elsberg selbst vermeidet für den Klimaschutz unnötige Autofahrten und isst „praktisch kein Fleisch“, betont aber: „Die Idee, dass vor allem wir Einzelnen etwas tun sollen, stammt aus Kampagnen der fossilen Industrien, die das Konzept des individuellen CO2-Fußabdrucks populär machten und damit die Verantwortung von sich auf uns schoben. Am wirkungsvollen Hebel sitzen aber Politiker.“ Deshalb ist für Marc Elsberg die wichtigste Klimaschutzmaßnahme: „Nur Politiker wählen, die auch wirklich etwas für das Klima tun.“


Teilen auf:
Facebook Twitter
Werbung