Liebe Leserin, lieber Leser,

Jung sein. Das ist das große, alles überragende Ideal, nach dem wir streben. Möglichst lange jung aussehen, möglichst lange mit der Zeit gehen, möglichst jung aussehende Körper, wenig Falten, möglichst viel Lebenserfahrung in möglichst kurzer Zeit. Jung sein bedeutet heute auch: Sorgen haben. Wie die Miete zahlen, wie den Klimawandel stoppen, wie individuell sein, in einer digitalen Welt, in der alles schon mal war und alles dokumentiert ist?

Vieles wird den jungen Menschen nachgesagt, allem voran, dass sie sich zu viel beschweren und alles immer gleich so ernst nehmen. Alles ist heute gleich ein Diskurs, ein Drama, ein wütendes Posting wert. Die damit adressierte Generation Z wird unterschiedlich definiert. Grob gesagt, umfasst sie die Gruppe Menschen, die mit dem Internet groß geworden ist. Wir haben für den Schwerpunkt dieser Ausgabe nicht über, sondern mit dieser Generation gesprochen. Wir haben junge Menschen gefragt, wo sie arbeiten und warum, wo sie sich zu Hause fühlen und worauf sie hoffen. Wir sind dabei auf engagierte Architektinnen gestoßen, die die Bauwirtschaft umkrempeln wollen, und auf nigrische Musiker, die in einem Land der Extreme Gedichte und Geschichte schreiben. Wir haben viel Mut gefunden, viel Tatendrang, der die Gleichgültigkeit mancher älterer Semester als das enttarnt, was sie ist: Zynismus.

Wer oder was ist also die Generation Z? Fest steht, sie fußt in verschiedenen Kulturen, ist divers und achtsam ob persönlicher Befindlichkeiten. Sie bringt sich zum großen Teil autodidaktisch ein Umweltbewusstsein bei, das vorher nur in Randgruppen vertreten war. Sie ist digital, an ein Leben „wie damals“, ohne Handy und Computer, kann sie sich nicht erinnern. Im Gegensatz zur Vorgängergeneration sind ihre Social Media Profile nicht auf „privat“ gestellt oder mit Platzhalterfotos als Profilbilder versehen. Sie inszeniert sich im Netz. Dort kann man sein, wer man gerne wäre, und muss weniger rechtfertigen, wer man nun mal ist. Sie denkt global, denn das, was am anderen Ende der Welt passiert, beeinflusst ihr Leben genau so, wie das, was um sie herum geschieht. Sie ist mobil und bereist den ganzen Planeten, stets mit einer inneren Zerrissenheit: Trage ich eine Schuld, wenn ich mein Leben so bedenkenlos genieße, wie meine Eltern? Oder habe ich ein Recht auf die selben Freiheiten?

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Die junge Generation, die wir in dieser Ausgabe in den Fokus rücken, kann sich Gleichgültigkeit nicht leisten, weder jene gegenüber dem Umweltschutz, noch die Gleichgültigkeit gegenüber menschenrechtlichen Brennpunkten. Wir haben in den vergangenen Wochen eine Gen Z kennengelernt, die selbst gar nicht so viel auszusetzen hat an den Generationen vor ihr. Und die auch gerne selbst anpackt.

Passend zum vorliegenden Schwerpunkt starten wir mit dieser Ausgabe das ORIGINAL-Mentoring-Programm. Immer wieder be-
reichern junge Autorinnen und Autoren unsere Hefte mit Ideen, Texten, Energie. Wir laden deshalb nun ganz offiziell angehende Journalistinnen und Journalisten ein, ihre Ideen mit uns auszuarbeiten und im ORIGINAL zu publizieren. Mehr Informationen finden Sie auf Seite 47 oder – ganz im Sinne der Gen Z – auf unserem Instagram-Account @original_magazin. Für TikTok sind wir schon zu alt.

Wir wünschen Ihnen eine smarte und spannende Lektüre,
Evi Ruescher, Herausgeberin


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