Mit der App durch die Stadt

Foto Louis Paulin

Die Pandemie liegt fürs Erste hinter uns: Städtereisen sind wieder da! Und wie im „richtigen Leben“ zuhause, so spart auch in vielen europäischen Großstädten die richtige App für den öffentlichen Nahverkehr Zeit und Nerven.

Von Babette Karner

Kein Anstehen vor dem Ticketautomaten, keine undurchsichtigen Angaben zu Preisen und Zonengrenzen in fremden Sprachen und kein Kleingeld notwendig: Wer schon vor der Reise die entsprechende Öffi-App installiert und konfiguriert, findet in einer fremden Großstadt entspannt vom Bahnhof oder Flughafen zum Hotel. In Nahverkehrs-Apps findet man Pläne für U-Bahn, Bus und Tram und alle Abfahrtszeiten. Die meisten Apps gibt es auch in englischer Sprache, und in vielen Städten können darin auch E-Tickets direkt erworben werden.

Um Öffi-Apps in fremden Städten zu nutzen, empfiehlt es sich, diese schon vor der Reise zu Hause herunterzuladen, sich ein Konto einzurichten und sich mit dem Layout und den jeweiligen Besonderheiten vertraut zu machen. So kann man Username und Passwort, die wichtigsten Urlaubsadressen und die jeweilige Bezahlmöglichkeit gemütlich vom Sofa aus und im eigenen WLAN eingeben – und steht nicht später schwitzend, frierend oder gar nass an einer Haltestelle herum und versucht verzweifelt, sich an seine Kreditkartennummer zu erinnern.

Allgemeine Tipps

– Eine App für den öffentlichen Nahverkehr am Urlaubsort zu nutzen, bedeutet auch, sich im Vorfeld über die Roaming-Bedingungen seines jeweiligen Mobiltelefonanbieters zu informieren, vor allem, was die Datennutzung anbelangt. In der Europäischen Union können dank Abkommen die eigenen Datenpakete inzwischen zumeist kostenlos verwendet werden. In Großbritannien oder der Schweiz hingegen kann schon der geringste Datendownload hunderte Euros an Gebühren verursachen.

– Am besten überprüft man schon vorher – also noch im stabilen WLAN des Hotels oder der Ferienwohnung – ob man tatsächlich in der App eingeloggt ist und ein entsprechendes Zahlungsmittel hinterlegt hat. Wenn man schon in U-Bahn, Bus oder Tram sitzt, wird’s sonst stressig.

– Die meisten Apps bieten heute auch die Möglichkeit zum Onlinekauf von E-Tickets – aber nicht alle. Auch das sollte man sich ansehen, bevor man spontan in einen Bus hüpft.

– Ortungsdienste müssen für die jeweilige App aktiviert sein, um viele praktische Funktionen nutzen zu können.

– Wie für alle Onlinedienste gilt auch hier: Wer seine Daten schützen und nicht Namen, Ort, Adresse, Handynummer und Kreditkartendaten in einer App hinterlegen möchte, sollte auch weiterhin mit Plänen, Ticketschalter und Fahrkartenautomaten vorliebnehmen.

1) Internationale Apps

Die unten erwähnten Apps funktionieren nicht in allen europäischen Großstädten, aber schon in sehr vielen. Hier steht nicht der Ticketkauf im Vordergrund, sondern Fahrpläne und Navigation.

MOOVIT. Moovit ist eine internationale App für urbane Mobilität und den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV). Die Anwendungen zeigen Optionen für Bus, Bahn, U-Bahn, Fahrrad, Roller und mehr an. Sie ist in vielen Städten weltweit nutzbar und führt auf die einfachste und beste Weise von A nach B. Moovit beinhaltet Karten und Fahrpläne in Echtzeit und liefert Schritt-für-Schritt-Wegangaben für die optimale Route. moovitapp.com (Android/iPhone)

CITYMAPPER. Diese übersichtliche und leicht zu bedienende App ist ebenfalls für viele Großstädte weltweit verfügbar. Ihre Hauptfunktion besteht darin, die besten Möglichkeiten aufzuzeigen, um mit Metro, Bus, Zug, Fahrrad, zu Fuß oder einer Kombination aus allem ans Ziel zu kommen. Wichtige Orte (Hotel, Bahnhof) können eingespeichert und der Weg dorthin mit einem Klick aufgerufen werden. citymapper.com (Android/iPhone)

2) Regionale Apps in Europa

WIEN. WienMobil, die offizielle App der Wiener Linien, hat nicht nur einen Routenplaner, Abfahrtsinfos in Echtzeit und die Möglichkeit, Tickets zu kaufen, sondern bietet zusätzlich auch Mobilitätsservices wie Bikesharing, Carsharing und Taxibuchungen an. Zusatzinformationen wie Preis und Umweltfreundlichkeit einer gewählten Route ergänzen die Ergebnisse. wienerlinien.at/wienmobil-app
(Android/iPhone)

BERLIN. Die BVG-Fahrinfo-App der Berliner Verkehrsgesellschaft ist sehr einfach zu bedienen, und egal ob Fahrplan, Netzplan, Einzelfahrt, Tages-oder Wochenticket: Hier gibt es alles! Übrigens: Mit ihrem Werbespruch „Weil wir Dich lieben“ und ihrem sehr trockenen Humor in der Werbung haben die Berliner Verkehrsbetriebe in den vergangenen Jahren Kultstatus erreicht. bvg.de (Android/iPhone)

MÜNCHEN. Auch die MVG-Fahrinfo-App der Münchner Verkehrsbetriebe bietet alles, was Nutzerinnen und Nutzer von öffentlichen Verkehrsmitteln in und um München brauchen, um gut von A nach B zu kommen. mvg.de (Android/iPhone)

PRAG. Die pid-App des Prager Verkehrsverbunds ist auch in Englisch verfügbar und erleichtert die Suche nach Verbindungen mit U-Bahn, Straßenbahn, Bussen, Zügen, Fähren und Seilbahnen. Es gibt Fahrpläne sowie Informationen zu aktuellen Abfahrten. E-Tickets können online erworben werden, es gibt aber auch eine Karte mit Fahrkartenverkaufsstellen. pid.cz/en/mobile-app (Android/iPhone)

PARIS. Die Bonjour-RATP-App bietet auf Englisch Routen, Fahrpläne und Verkehrsinformationen für U-Bahn, Bus oder zu Fuß. Es gibt eine Live-Karte, auf der man die Route verfolgen kann, während man unterwegs ist. E-Tickets können ebenso erworben werden, mit der RATP-App kann man aber auch Fahrräder und Autos mieten. bonjour-ratp.fr
(Android/iPhone)

LONDON. Mit der offiziellen TfL-Go-App von „Transport for London“ findet man den schnellsten und einfachsten Weg mit Öffis oder zu Fuß. Fahrpläne für Bus und U-Bahn („Tube“ genannt) gibt es ebenso. Eine sogenannte „Step-Free“-Version in der App zeigt die beste Route für Menschen an, die auf einen Rollstuhl angewiesen sind.
Nur eines kann man mit der TfL-Go-App nicht: Tickets buchen. Denn das Ticketing läuft in London schon seit vielen Jahren über die sogenannten „Oyster Cards“: wiederaufladbare elektronische Fahrkarten, deren Guthaben man für Fahrten mit fast allen öffentlichen Verkehrsmitteln nutzen kann. Für Reisende gibt es die „Oyster Card Visitor“, die man sich in einem „TfL Visitor Centre“, bei Bahnstationen oder in einem Oyster-Ticket-Shop für 5 Pfund Aktivierungsgebühr besorgen kann. tfl.gov.uk (Android/iPhone)

AMSTERDAM. Die kostenlose GVB-App kann für alle Fahrten mit der Straßenbahn, dem Bus, dem Nachtbus, der U-Bahn und der Fähre in Amsterdam und den gesamten Niederlanden verwendet werden. Tickets können in der App gekauft und aktiviert werden. Mit dem sogenannten „Touch Swipe Planer“ kann man außerdem in Sekundenschnelle von seinem aktuellen Standort zu den wichtigsten Zielen in Amsterdam navigieren.
gvb.nl (Android/iPhone)

KOPENHAGEN. DOT ist die Abkürzung für „Din Offentlige Transport“ und ist ein Zusammenschluss im ÖPNV von Kopenhagen zwischen den öffentlichen Verkehrsunternehmen DSB, Movia und The Copenhagen Metro. Dieser Verkehrsverbund bietet ein gemeinsames Tarifsystem im öffentlichen Verkehr auf Seeland, Lolland, Falster und Møn. Reisende haben mit der DOT-App auf Englisch somit einen einzigen Anbieter für die Benutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln mit Fahrplänen, Infos und Ticket-Buchungsmöglichkeit für Bus, Bahn und U-Bahn. dinoffentligetransport.dk/en (Android/iPhone)

STOCKHOLM. Die SL-App bietet auf Englisch einen intuitiven Routenplaner, zudem gibt es eine interaktive Karte mit allen Haltestellen und den nächsten Verbindungen in Echtzeit. Die Karte ist zudem sehr hilfreich, um die Anlegestellen der Fähren zu finden, die in Stockholm zum Netz des ÖPNV gehören. Außerdem kann man Tickets kaufen und die nächsten Abfahrtszeiten von Haltestellen in der Umgebung abrufen. sl.se (Android/iPhone)

MAILAND. Mit der App der Mailänder Verkehrsbetriebe (ATM) hat man nicht nur Verbindungen, Fahrpläne und Karten in englischer Sprache auf dem Mobiltelefon, sondern kann auch online Tickets für Metro und Bus kaufen.
atm.it (Android/iPhone)

MADRID. In Madrid wird der öffentliche Verkehr von zwei Unternehmen betrieben: Die englischsprachige App des Madrider Verkehrsunternehmens EMT ist zwar auf Busse beschränkt und bietet keine Möglichkeit, Tickets zu lösen. Dennoch ist sie sehr nützlich, denn sie enthält alle Buslinien in Form von übersichtlichen Diagrammen. Eine „Stop Map“ zeigt auf der Karte Bushaltestellen in der Umgebung an (Ortungsdienste müssen dafür aktiviert sein). emtmadrid.es (Android/iPhone)

Die „Metro de Madrid“ betreibt das U-Bahnnetz der spanischen Hauptstadt und die gleichnamige App hat
alles, was man zum U-Bahnfahren braucht. Sie ist sehr übersichtlich gestaltet und sogar in einer deutschen Version erhältlich. Allerdings gibt es auch in dieser Madrid-App keine Möglichkeit, Tickets zu erwerben.
metromadrid.es (Android/iPhone)

LISSABON. In Lissabon gibt es zwei große Gesellschaften, die den Nahverkehr betreiben: Die Companhia de Carris de Ferro de Lisboa (kurz: Carris) ist Betreiberin der meisten Buslinien, Straßenbahnen und der Aufzüge. Die Gesellschaft Metropolitano de Lisboa EPE betreibt die Metro. Leider verfügt keines der beiden Unternehmen über eine brauchbare App. Dafür sind die Mobiltelefon-Versionen der beiden Websites sehr übersichtlich und einfach gestaltet, sodass es kein Problem sein sollte, seinen Weg auf diese Weise zu finden.
carris.pt/en (englische Website)
metrolisboa.pt/en (englische Website)


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