Mit schneeweißer Weste

Wer den Winter mit Skifahren, Bergurlaub und Genuss verbindet, muss kein schlechtes Gewissen haben. In und um Österreich gibt es zahlreiche Möglichkeiten, den Winter mit allen seinen Freuden auch nachhaltig zu genießen. Von Julia Heuberger-Denkstein

Frischer Pulverschnee, herrliche Bergluft und majestätische Winterlandschaft soweit das Auge reicht. Wenn die Tage kürzer werden und auf den Bergen der erste Schnee fällt, träumen viele von urigen Hütten und verschneiten Abfahrten, die uns einladen zu herzerfrischenden Pisten- und geselligen Einkehrschwüngen. Ein Traum, der in Zeiten des Klimawandels in Verruf geraten ist. Der Vorwurf an den Wintersport mit der dazugehörigen Ski- und Tourismusindustrie lautet: unzeitgemäß, umweltschädigend und rückwärtsgewandt. Allesamt Vorwürfe, die nicht pauschal von der Hand zu weisen sind. Aber auch nicht pauschal gelten. „Schon allein um die Zukunftsfähigkeit zu sichern, verfolgen Urlaubsorte und Betriebe ökologische Prinzipien und sozio-kulturelle Aspekte der Nachhaltigkeit,“ weiß Katrin Erben, Nachhaltigkeits-Beauftragte der Österreich Werbung.

Tatsächlich bemüht man sich im Alpenraum an vielen Orten und mit vereinten Kräften, Urlaub und Sport in den Bergen ressourcenschonender aber keinesfalls weniger lustvoll zu gestalten. Sei es mit energiesparenden Techniken, zertifizierten Hotels, der sanfteren Nutzung der natürlichen Ressourcen, der Wahrung örtlicher Traditionen und regionaler Wertschöpfung. Die gute Nachricht für alle alpinbegeisterten Winterurlauber kommt von Sammy Salm, Geschäftsführer von „Best of the Alps“, einer Vereinigung von zehn Luxus-Destinationen in Österreich, der Schweiz, Frankreich und Italien mit dem Ziel, ein Vorreiter und Kompetenzzentrum für Nachhaltigkeit zu sein: „Luxus, Genuss, Vergnügen und Nachhaltigkeit im Winterurlaub schließen sich keinesfalls aus.“ Dass dabei das Genießen, Innehalten und die ursprünglichen Erlebnisse in den Bergen immer mehr in den Vordergrund rücken, unterstützt den Trend zum achtsamen Umgang mit Mensch und Natur. „Slow-Travel“ lautet die Bewegung, die den nötigen Rückenwind für die Nachhaltigkeitsbemühungen im Alpenraum bietet.

„Alpine Pearls“. Langlaufen am Weissensee. Foto Martin Steinthaler

Vom Mont Blanc bis in die Karawanken können Urlauberinnen und Urlauber den „weißen Rausch“ inklusive Einkehrschwung mit reinem Gewissen erleben. Und zwar überall dort, wo sich Bergbahnen, Gemeinden und lokale Betriebe gemeinsam um Nachhaltigkeit bemühen. In Zürs etwa, wo vor bald 100 Jahren der erste Skilift Österreichs die Pioniere des Skisports die Hänge hinaufzog, fahren die Bergbahnen heute zu fast 100 Prozent mit Energie aus Biomasse. Im Tiroler Paznauntal benützt man das Rohr- und Wassersystem der Kunstschneeanlage auch zur Energiegewinnung. Die Bergbahnen in See produzieren auf diese Weise viermal mehr Energie, als sie selbst verbrauchen. Auch wer sich um die Klima-Bilanz von Schneekanonen und Pistenraupen sorgt, kann zumindest beruhigt werden. Mit Schneemessgeräten werden mittlerweile mehr als zehn Prozent Kunstschnee und damit Energie und Wasser eingespart. Moderne Schneekanonen nutzen zur Produktion des weißen Golds nur noch Luft und Wasser, das in Folge wieder im natürlichen Kreislauf landet.

Wer sich nach einem langen Skitag in der frischen Luft gerne in Sauna oder Schwimmbad erholen möchte, kann auch das auf relativ nachhaltige Weise tun. Die „Bio-Hotels“ und -Restaurants in Österreich, Deutschland und Italien versprechen den sensiblen Umgang mit Wasser, Energie und Rohstoffen, konsequente ökologische Verbesserung und maximale Transparenz inklusive CO2-Bilanz. Die angebotenen Speisen und Getränke müssen regional und in bio-zertifizierter Qualität auf den Tisch. Auch die Umweltzeichen Hotels in Österreich, versprechen ihren Gästen nicht weniger als umfangreiche Verbesserungen für Qualität und Umwelt ohne Verzicht.

Noch einen Schritt weiter gehen die „Alpine Pearls“, ein Zusammenschluss von 28 Alpendestinationen in Deutschland, Österreich, Italien und Slowenien, die auf sanfte Mobilität setzen und sich dem Schutz der sensiblen Ökosysteme verschreiben. In den Perlen wird sogar Großteils auf künstlich präparierte Pisten verzichtet, alle Orte bieten ein Gäste- und Gepäckservice vom Bahnhof bis zur Unterkunft und setzen auf E-Mobilität vor Ort. Auch hier werden regenerative Energien genutzt und oft nur eine bestimmte Menge an Skifahrern auf den Berg gelassen. Der Winter kann kommen! Der nachhaltige Skiurlaub auch.


5 Tipps für einen umweltbewussten Winterurlaub:
1. Anreise: Geht es um Nachhaltigkeit im Wintertourismus, ist der Verkehr der größte Hebel. 75 Prozent der schädlichen Luftschadstoffe werden durch An- und Abreise verursacht. ÖBB, DB und SBB bieten allesamt Kombiangebote mit Bahn- und Skitickets oder Rail&Drive-Angeboten sowie Direktverbindungen aus dem Norden Deutschlands und aus ganz Österreich in viele Skigebiete.

2. Nachhaltige Skidestination: Für Skigebiete gibt es zwar noch keine Zertifizierungen, aber immerhin werden Liftanlagen und Pisten mit erneuerbaren Energien und möglichst ressourceneffizient bewirtschaftet. Die gute Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel – überregional und vor Ort – ist die wichtigste Voraussetzung.

3. Zertifizierte Unterkünfte: Hotels und Restaurants mit Bio- oder Nachhaltigkeits-Zertifikaten, wie dem Österreichischen Umweltzeichen, nutzen nachhaltige Energien, arbeiten ressourcenschonend, setzen auf lokale und regionale Anbieter sorgen für eine gerechte Entlohnung oder setzen andere Anreize für ihre Mitarbeiter.

4. Verhalten vor Ort: Benutzen der markierten Pisten und das Fahren im nicht ausgewiesenen Gelände unterlassen, so schützt man die sensible Alpenflora und stört nicht die Wildtiere in ihrem Wintermodus.

5. Skiausrüstung: Leihe vor Ort ist nachhaltiger als der Kauf einer neuen Skiausrüstung und unterstützt außerdem lokale Dienstleister – ein wichtiges Argument für den Tourismus. Auch die Wahl der Outdoor-Bekleidung kann auf nachhaltige Anbieter wie Patagonia, Vaude oder Alpin Loacker fallen.


Empfehlungen der Redaktion:

Golm Silvretta Lünersee berechnet jährlich ihre Treibhausgase-Emissionen und hat sich zum Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2030 die CO2-Emissionen um 62 Prozent zu verringern. Dort, wo das noch nicht möglich ist, unterstützt das Unternehmen über die Plattform „turn to zero“ diverse Klimaschutzprojekte.


Weissensee, umgeben von der traumhaften Kulisse der Gailtaler Alpen und inmitten eines Naturschutzgebiets, hat sich dem sanften und naturnahen Tourismus verschrieben. Bietet vor allem Familien ein entspanntes und abwechslungsreiches Urlaubsprogramm – Skifahren inklusive.


In Davos Klosters können Gäste bei jedem Einkauf oder Übernachtung freiwillig in den „myclimate Klimafonds Davos“ einzahlen und so gemeinsam mit den örtlichen Betrieben (die den gleichen Betrag drauflegen) dazu beitragen, dass der Skiort tatsächlich bis zum Jahr 2030 „der erste Ferienort der Schweiz mit Netto-Null-Emissionen“ wird.


Den sehr strengen Kriterien des „Good Travel Guide“ entsprechen nur wenige Destinationen weltweit. Von den UNESCO-Welterbe Massiven des Latemar und Rosengarten umgeben, engagieren sich im italienischen Eggental die Bergbahnen, Gemeinden und lokalen Gastgeber mit kostenlosen öffentlichem Verkehr und klimaneutralem Skibetrieb gemeinsam um Nachhaltigkeit.

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Im Bregenzerwald sieht man sich als ganzheitlicher Lebens- und Erholungsraum und setzt auf Regionalität, hohe Angebotsqualität, sanfte Mobilität und Tradition. Für Freeride- und Tourenski-Fans bietet der Bregenzerwald perfekte Bedingungen. Wer den Winter lieber abseits von Pisten genießt, findet zahlreiche Winterwanderwege.


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