Plattform für Fair Fashion

Die „NEONYT“ Düsseldorf, eine Messe für nachhaltige, fair produzierte Mode, öffnet ihre Türen im Juli an einem neuen Standort und erstmals auch für Konsumentinnen und Konsumenten. Auch dieses Jahr ist das ORIGINAL Magazin als Medienpartner mit an Bord.
Von Jutta Nachtwey

Nachhaltigkeit ist bekanntlich ein äußerst dehnbarer Begriff. Was Firmen in blumigen Worten behaupten, verrät nicht unbedingt, wie weit deren Umweltengagement tatsächlich reicht. Umso erfreulicher ist es, dass die „NEONYT“ Düsseldorf, die sich auf nachhaltige, fair produzierte Kleidung fokussiert, die Fashionlabels kritisch unter die Lupe nimmt, bevor sie diese als Aussteller zulässt. Diese Überprüfung führt Lavinia Muth für den Veranstalter der Messe, die Igedo Exhibitions, durch. Sie ist Beraterin und Dozentin für Nachhaltigkeit, ethische Geschäftspraktiken und soziale Gerechtigkeit. Beim „NEONYT“-Check bewertet sie neben Materialien, Logistik und Verpackungskonzept der potenziellen Teilnehmer zum Beispiel auch die Transparenz und Rückverfolgbarkeit sowie die Menschenrechtsstandards im jeweiligen Unternehmen und dessen Lieferketten.

Die letzte „NEONYT“ Düsseldorf fand im Januar im Areal Böhler statt. Dort waren zahlreiche Marken aus dem In- und Ausland vertreten, darunter zum Beispiel das niederländische Label „MUD Jeans“. Es wurde 2012 von Bert van Son gegründet und bietet Denim-Basics aus Biobaumwolle und recycelter Baumwolle an – zum Beispiel Hosen, Röcke, Hemden und Westen. Im Sinne der Kreislaufwirtschaft wird jedes Paar „MUD“ Jeans zu einer neuen Jeans recycelt, sodass kein Abfall entsteht und der Wasserverbrauch im Vergleich zur Herstellung einer durchschnittlichen Baumwoll-Jeans um 92 Prozent niedriger liegt. „MUD Jeans“ bietet auch ein „Lease-a-Jeans“-Konzept: Man zahlt für eine Hose ein Jahr lang monatlich rund zehn Euro und kann diese beliebig lange behalten, bis man sie zwecks Recycling zurücksendet. Während des Leasings bietet die Marke auch einen kostenfreien Reparaturservice an.

Ein weiteres Highlight der letzten Messe war die Schuhmarke „nat-2“ aus München, die sich als „luxury state of the art sustainable footwear brand“ bezeichnet. Gegründet wurde sie von Sebastian Thies, der aus einer Familie stammt, die seit 1856 – nun in sechster Generation – Schuhe herstellt. Angesichts eines solchen Stammbaums könnte man geneigt sein, traditionelle Modelle zu erwarten – aber weit gefehlt. Die Marke „nat-2“ stellt innovative Sneakers her und verarbeitet dabei viele Materialien, die früher im Schuhwerk nichts zu suchen hatten, darunter Kaffeesatz, Heu, Mais, Kork, Pilze, Blumen, Cannabis, roten Pfeffer, Moos und vieles mehr.

Im Juli findet die NEONYT im Bilker Bunker in Düsseldorf statt und öffnet nicht nur für die B2B-Klientel, sondern auch für alle anderen, die sich für nachhaltige Mode interessieren

Im Januar 2024 fand die „NEONYT“ als reines B2B-Event zusammen mit der Modemesse „FASHN ROOMS“ statt. Beim nächsten Mal, am 27. und 28. Juli, will der Ver­anstalter die „NEONYT“ jedoch von der „FASHN ROOMS“ separieren und unter dem Motto „Where change becomes reality“ im Bilker Bunker einem breiteren Publikum zugänglich machen. Nachmittags können auch Konsumentinnen und Konsumenten die Messe erkunden, nach neuen Trends Ausschau halten und sich über die Marken informieren. Neben interaktiven Workshops und Panel-Talks gibt es die Möglichkeit, Samples oder auch B-Ware der ausstellenden Labels direkt am Stand oder in der Boutique-Ecke zu kaufen. Mit dem veränderten Konzept möchte die „NEONYT“ Düsseldorf die Interessen von Marken, Händlerinnen und Händlern sowie Endverbraucherinnen und -verbrauchern bündeln. Man darf gespannt sein, wie sich die Neuausrichtung der Sustainability-Plattform in der Praxis bewährt.


Lavinia Muth im Interview

Lavinia Muth, Beraterin und Dozentin für Nachhaltigkeit, ethische Geschäftspraktiken und soziale Gerechtigkeit, führt für die Messe „NEONYT“ Nachhaltigkeitsüberprüfungen durch. Foto Anna-Maria Langer

Wie groß ist der Anteil der sich bewerbenden Marken, die bei der Nachhaltigkeitsüberprüfung aussortiert werden?

Die „NEONYT“ zeichnet sich durch ihre klare und transparente Kommunikation der sehr ambitionierten Nachhaltigkeitskriterien aus, wodurch lediglich ein kleiner Anteil der Aussteller:innen und Bewerber:innen aussortiert wird. Diese Kriterien sind entscheidend für die Ausrichtung der Messe als führende Plattform für nachhaltige Mode und dienen als Leitfaden für Unternehmen, die sich diesem wichtigen Thema verpflichtet fühlen.

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In welchen Bereichen hapert es bei diesen Bewerberinnen und Bewerbern?

Bei ihnen besteht häufig ein Mangel an transparenten Lieferketten, zertifizierten Materialien und einer ganzheitlichen Nachhaltigkeitsstrategie. Das zeigt sich in verschiedenen Bereichen, darunter
Materialien und Verpackungskonzepte sowie Arbeitsbedingungen und Rückverfolgbarkeit der Produkte. Trotz der wachsenden Sensibilisierung für nachhaltige Praktiken in der Modebranche gibt es noch viele Unternehmen, die diese Aspekte nicht ausreichend berücksichtigen oder nicht in der Lage sind, sie umzusetzen. Diese Herausforderungen verdeutlichen die Notwendigkeit einer stärkeren Unterstützung und Förderung von nachhaltigen Initiativen und einer verstärkten Zusammenarbeit innerhalb der Branche.

Gab es Bewerberinnen und Bewerber, die als besonders engagiert aufgefallen sind?

Ja, es gab Aussteller:innen und Bewerber:innen, die sich durch herausragende Transparenz, innovative Nachhaltigkeitsmaßnahmen und vorbildliche soziale Verantwortung besonders positiv von anderen abgehoben haben. Unternehmen wie „MELA Wear“, „Genesis Footwear“, „Kuyichi“ und „JAN ’N JUNE“ wurden aufgrund ihres hohen Anteils an nachhaltigen Materialien und ihres verbesserten Verständnisses der Kernarbeitsnormen der „International Labour Organization“ positiv hervorgehoben. Diese Unternehmen setzen Maßstäbe für die gesamte Branche und zeigen, dass es möglich ist, nachhaltige Praktiken erfolgreich umzusetzen und gleichzeitig wirtschaftlichen Erfolg zu erzielen.

Inwiefern unterscheidet sich die „NEONYT“ von anderen Messen mit Schwerpunkt im Bereich Nachhaltigkeit?

Die „NEONYT“ unterscheidet sich durch ihre umfassende Integration von Nachhaltigkeit in alle Aspekte der Veranstaltung, einschließlich des breiten Spektrums an nachhaltigen Modemarken und -initiativen sowie der Fokussierung auf Bildung, Innovation und Austausch. Sie hebt sich außerdem durch ihre jährliche Anpassung und Überprüfung der Nachhaltigkeitskriterien sowie die intensive Prüfung und Nachverfolgung der Evidenz hervor. Diese kontinuierliche Weiterentwicklung ermöglicht es der „NEONYT“, stets an vorderster Front der nachhaltigen Modebewegung zu stehen und die Branche auf ihrem Weg zu einer nachhaltigeren Zukunft zu unterstützen.


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