Saubere Sache

Seit über vierzig Jahren setzt die Firma Sonett als Pionier in ökologischem Waschen und Reinigen Standards in der Biobranche. Ausgangspunkt ist dabei die Sorge und die Verantwortung für das Wasser als Träger alles Lebendigen. Nun wurde Sonett mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis 2022 ausgezeichnet. Von Monika Bischof

Die Geschichte des ökologischen Waschmittel- und Reinigungsherstellers Sonett reicht weit zurück. Im Rahmen des Aufkommens der Naturkostbewegung in den 1970er Jahren wurde die Firma als einer der ersten Hersteller ökologischer Wasch- und Putzmittel gegründet. Ein Impulsgeber war zweifelsohne der deutsche Naturwissenschaftler Johannes Schnorr. Dieser stellte bereits einige Jahre zuvor mittels Tropfbildmethode, einem anthroposophischen Verfahren zur Untersuchung und Qualitätsbewertung von Wasser oder wässrigen Lösungen, eine starke Verunreinigung des Trinkwassers durch die damals neu entwickelten Waschmitteltenside fest. Letztere sind waschaktive Substanzen, mit denen die Selbstreinigungskräfte der Natur überfordert sind. Aus diesem Grund entstand die Idee des ökologischen und sparsamen Waschens im Baukastensystem. Denn nur wenn Waschmittel, Wasserenthärter und Bleichmittel getrennt dosiert werden, können die Waschsubstanzen optimal genutzt werden.

Sonett verwendet ausschließlich vollständig abbaubare Rohstoffe wie rein pflanzliche Seifen und Mineralien wie Soda und Silikate. „Es wird vollkommen auf Petrochemie, Gentechnik, Nanotechnologie, Mikroplastik und künstliche Duftstoffe verzichtet. Dadurch unterstützt Sonett das Wasser in seiner Reinigungskraft und fördert damit gleichzeitig die rasche Rückführung und Wiedereingliederung in den Naturkreislauf. Durch rhythmisierte Waschmittelpräparate werden der Natur wieder Lebenskräfte zugeführt. Wir wollen der Natur mehr zurückgeben als wir von ihr nehmen“, betont Rebecca Kramer, Mitglied der Geschäftsführung des Unternehmens mit Sitz in Baden-Württemberg.

Permanent steigende Nachfrage
Die Nachfrage nach den ökologischen Wasch- und Reinigungsprodukten kam bald nach der Gründung auch aus anderen europäischen Ländern, sodass sich Sonett rasch als internationaler Vorreiter auf diesem Gebiet etablieren konnte. Nach einem Abwärtstrend in den 1980er Jahren gelang mit der Übernahme der Geschäftsführung durch Beate Oberdorfer und Gerhard Heid im Jahr 1992 eine Trendumkehr. Seither verzeichnet das Unternehmen ein kontinuierliches Umsatzwachstum, wodurch der Betrieb ständig erweitert und modernisiert werden konnte. Neben 31 europäischen Ländern werden aktuell zwölf außereuropäische Länder beliefert und Produkte in 15 Sprachen etikettiert. „Waschen und Reinigen ist eine Kulturerrungenschaft, die, indem sie dem Menschen zugutekommt, zugleich aber auch das Wasser belastet. Waschen und Reinigen in aufbauender Weise – im Einklang mit der Natur und insbesondere dem Wasser – verstehen wir als unsere Hauptaufgabe“, erläutert Gerhard Heid, welcher heuer nach dreißig Jahren aus der Geschäftsführung der Firma Sonett ausgeschieden ist. Er verbleibt jedoch in der erweiterten Geschäftsführung sowie im Vorstand der Stiftung Sonett.

Sonett präsentiert sich sowohl bei der Verpackung als auch deren Rückführung, wie etwa mit dem neuen Sonett Recycling-System für Kanister und Flaschen, als ausgesprochen innovativ. Das Unternehmen wird außerdem partnerschaftlich geführt und wurde vor einigen Jahren der gemeinnützigen Stiftung Sonett übertragen.


Unterstützung einer gesellschaftlichen Transformation
„Nicht nur in Bezug auf Effizienz und Sparsamkeit der Produkte, sondern auch in der sozialen Gestaltung des Unternehmens verstehen wir uns als Pioniere“, führt Gerhard Heid weiter aus. Eine ganze Reihe von Sonett-Produkten wird von Menschen mit Assistenzbedarf bei den angrenzenden Camphill Werkstätten Lehenhof abgefüllt und etikettiert, zudem erfolgt eine Zusammenarbeit mit weiteren sonderpädagogischen Einrichtungen sowie der Drogenheilstätte „Sieben Zwerge“.
Die Jury des Deutschen Nachhaltigkeitspreises würdigte die vielfältigen Bestrebungen von Sonett für eine gesellschaftliche Transformation hin zu mehr Nachhaltigkeit: „Das Unternehmen setzt sich für soziale beziehungsweise gesellschaftliche Inklusion von Menschen ein, die es auf dem regulären Arbeitsmarkt schwer haben und die somit eine neue Perspektive erhalten.“ Es wurde ebenso positiv vermerkt, dass die gemeinnützige Stiftung Sonett jährlich rund 200.000 Euro für soziale und kulturelle Initiativen zur Verfügung stellt. „Bei der Auswahl der Initiativen gehen wir jedoch nicht nach dem Gießkannen-Prinzip vor. Wir suchen bewusst Kooperationen, die über das bloße Mäzenatentum hinausgehen“, so Gerhard Heid.

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Neue Unternehmensrechtsform
Eine weitere Entscheidungsgrundlage der Jury basiert auf einer politischen Ebene, denn Sonett fordert die Etablierung einer neuen Unternehmensrechtsform, nämlich der „Gesellschaft mit gebundenem Vermögen“. Durch diese soll eine Abkehr von bloßer Profitorientierung hin zu einer Gemeinwohlökonomie erfolgen. „Dänemark ist in dieser Hinsicht Vorreiter. Die Idee breitet sich aus, sie bietet viele Möglichkeiten, insbesondere jungen Start-ups soll die Möglichkeit gegeben werden, ihre Unternehmen in eine Gesellschaft mit gebundenem Kapital zu verändern“, sagt Rebecca Kramer.

Sonett wurde außerdem für ein modernes Rollenverständnis gewürdigt. Bei Sonett herrscht ein nahezu paritätischer Anteil von Frauen und Männern in der Mitarbeiterschaft. Von 120 Arbeitsstellen sind 50 Prozent von Frauen besetzt. Das Unternehmen wird gleichberechtigt von einer männlich-weiblichen Viererspitze geführt. Aber auch die Abteilungsleitungen werden konsequent von jeweils zwei Personen besetzt, um Kooperationen und vor allem auch Synergien aus individuellen Begabungen zu fördern. „Zeitgemäße Unternehmungsführung heißt für uns partnerschaftliches Zusammenwirken im Geist des Unternehmens. Dazu gehört, dass wir eine intensive Besprechungskultur pflegen, Entscheidungen im Konsens fällen und generell nicht hierarchisch bestimmt, sondern aus Einsicht gehandelt wird“, verdeutlicht Gerhard Heid die Firmenphilosophie.

sonett.eu


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