Schlüssel aus dem Elend

Was früher ein McDonald‘s in einem Sozialviertel Marseilles war, ist heute ein gemeinschaftliches Projekt. „L’Après M“ will sich der Armut des Viertels entgegenstellen: während der Pandemie geben Freiwillige dort Essen aus. Doch die Geschichte der Fast-Food-Revolte beginnt viel früher. Von Eva Wackenreuther

Das goldene „M“ ist geblieben. Ansonsten erinnert nicht viel an den McDonald‘s, der an einem Kreisverkehr im betongrauen Norden Marseilles lag. Die Wände des Gebäudes im Viertel Saint-Barthélemy und das Dach sind violett, blau und zartrosa gestrichen. Statt des berühmten Fast-Food-Logos prangt der Schriftzug „L’Après M“ am Giebel des Hauses. „Nach dem M“ heißt das auf Deutsch. Das „M“ steht aber noch für viel mehr als nur McDonald‘s: Für die Misere, die hier für viele das Leben bestimmt. Für ein System nach der Globalisierung, die auf Französisch „mondalisation“ heißt, und für eine Vision für die bessere Nachwelt, die „après monde“, erklärt Kamel Guémari. Und für Marseille, die Heimat, die vielen Jungen keine Zukunft bietet.

Ausbruch aus dem Teufelskreislauf
Guémari, groß, schlank, dichter, schwarzer Vollbart, ist so etwas wie das Gesicht von „L’Après M“. Er ist ein Kind der Misere, die er heute lautstark kritisiert. Geboren 1981 wuchs er im Marseiller Brennpunktviertel auf. Die nördlichen Viertel von Marseille haben wenig mit den Gässchen rund um den Hafen zu tun, durch die sich das ganze Jahr über Touristen drängen. Gibt man die Namen der nördlichen Viertel auf Google ein, schlägt die Suchfunktion „gefährlich“ und „Drogen“ vor. Auch Guémari selbst vertickte als Jugendlicher Drogen.

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