Through light, we care

Keine Kür, sondern fest in der Unternehmensstrategie verankert, ist nachhaltiges Wirtschaften für den Dornbirner Lichtkonzern Zumtobel Group. Wir waren im Gespräch mit CEO Alfred Felder und Group Sustainability Director Sebastian Gann.
Von Natalie Kreutzer

Schon Gründer Dr. Walter Zumtobel beschäftigte sich vor 70 Jahren erfolgreich damit, hochwertige Beleuchtung mit niedrigem Ressourcenverbrauch in Einklang zu bringen. „Through light, we care“ ist der Leitgedanke, der die Nachhaltigkeitsaktivitäten der Zumtobel Group trägt.
CEO Alfred Felder sagt dazu: „Wir möchten aus unserem Kerngeschäft heraus unseren bestmöglichen Beitrag für eine lebenswerte Zukunft leisten. Mit unseren Lichtlösungen wollen wir unseren Impact auf die Umwelt so gering wie möglich gestalten und wo wir können, eine positive Entwicklung fördern.“

Getroffen haben wir die beiden Herren im Lichtforum in Dornbirn, der ehemaligen Produktionshalle des Unternehmens am Gründungsstandort, „einer Schönheit aus den Sechzigern, wiederhergestellt und neu interpretiert”, so Sebastian Gann. „Durch den Erhalt von Strukturen und Materialien konnten wir bei der Revitalisierung eine Umweltbelastung vermeiden, die rund 1.000 Tonnen CO2 entspricht.“ Die Transformation der alten Halle in ein neues Lichtforum war ein bewusster Verzicht auf die Verbauung von Grünfläche, für den Erhalt der alten Bausubstanz im Herzen von Dornbirn. Alfred Felder: „Als in der Region tief verwurzeltes Unternehmen ist es uns wichtig, mit der Neubelebung der alten Industriehalle einen Beitrag zur nachhaltigen Nutzung vorhandener Bausubstanz wie auch zur Weiterentwicklung des regionalen Wirtschaftsraumes zu leisten.“

Die Präsentation der umfassenden Lichtkompetenz sowie der neuesten Entwicklungen und Technologien der Marken der Zumtobel Group im Lichtforum mischt sich mit dem architektonischen Flair des vormaligen Industriegebäudes – so sind etwa die Betonsäulen in ihrer ursprünglichen Form erhalten geblieben, wurden nicht einmal überstrichen. Entstanden ist ein Ort, an dem Licht erlebbar wird, ein Treffpunkt für alle Lichtenthusiasten und Interessierte.

Sebastian Gann: „Das Prinzip alte Substanz– neu verwertet steht auch für die Kreislaufwirtschaft. Letztere ist ein spannendes Feld, zu dem es im Allgemeinen keine Blaupause gibt. Man muss sich die Kreislaufwirtschaft Projekt für Projekt erschließen. Als Antithese zur Wegwerfkultur versuchen wir Produkte, Komponenten und Materialien optimal zu nutzen und Ressourcen im Idealfall möglichst lang, ökologisch und ökonomisch sinnvoll im Kreislauf zu führen. Langfristig gesehen wollen wir so unter anderem auch externen Materialknappheiten entgegenwirken.”

Dazu ist gemeinsam mit dem Design Studio EOOS und der Agentur EPEA Switzerland ein Innovationstool entstanden, das in der Entwicklung von Neuprodukten zum Einsatz kommt: die sogenannten „Circular Design Rules“ (CDRs). Es geht um recycelte Materialien, einfache Zerlegbarkeit und damit Reparierbarkeit, und die Gestaltung von geeigneten Systemen und Geschäftsmodellen. Beispiele für solche Modelle sind „Refurbishment Kits“, bei denen Leuchtstofflampen durch LED-Technologie ersetzt werden, oder das Aufarbeiten von Leuchten nach ihrem Nutzungsende. Das Kreislaufpotenzial bestehender Projekte wird zusammen mit Kunden und Partnern analysiert. Hier setzt die Zumtobel Group auf das Bündeln von Know-how zusammen mit anderen Unternehmen, wodurch sich Chancen für Innovation ergeben – gleichermaßen für Produkte, wie auch für neue Abläufe und Prozesse.

Über die strategische Ausrichtung der Zumtobel Group in der Nachhaltigkeit entscheidet das intern geformte Sustainability Committee. Gemeinsam werden verbindliche Zie-
le und Maßnahmen definiert. Für den weltweit tätigen Lichtkonzern haben sich drei langfristige Schwerpunktthemen entwickelt: die Prinzipien der Kreislaufwirtschaft zu etablieren, Klimaneutralität bis 2025 zu erreichen und als Partner der Wahl für seine Stakeholder zu stehen.

Sebastian Gann: „Wir möchten für unsere Kunden, Mitarbeiter und Kollaborateure
entlang der gesamten Wertschöpfungskette der Partner der Wahl sein. Dafür arbeiten wir eng in unserem Netzwerk zusammen.”
Alfred Felder: „Wir legen Wert auf Transparenz in der Beschaffung mit den richtigen Lieferanten sowie erfüllende Arbeitsbedingungen im eigenen Unternehmen. Innovative Netzwerkpartner helfen uns, neue Produkte und Geschäftsmodelle – wie etwa im Kontext der Kreislaufwirtschaft – zu erschließen, wovon wiederum unsere Kunden profitieren.”

Bis dato kann die Zumtobel Group mit ihrem Engagement zu einem nachhaltigen Lebensraum wesentliche Erfolge verzeichnen. Unter anderem ist allein im Jahr 2021 der CO2-Ausstoß um 10.000 Tonnen reduziert worden, und zwar durch diverse Maßnahmen zur Verbesserung der Energieeffizienz und die Umstellung der europäischen Produktionsstandorte auf erneuerbare Energien. Das entspricht einer Halbierung des Fußabdrucks in der Produktion im Vergleich zum Vorjahr. Alfred Felder: „Unser Ziel ist es, bis 2025 klimaneutral zu wirtschaften. Dabei liegt der Fokus in einem nächsten Schritt auf der weiteren Reduktion von Emissionen durch eine laufende Optimierung von energieintensiven Prozessen in der Fertigung.” Am Standort Dornbirn wird mit einer Mischung aus Strom aus Wasserkraft, Strom von der am Dach installierten Photovoltaikanlage und dem Einsatz von biogen erzeugter Wärme bereits ein erneuerbarer Energieanteil von 91 Prozent erzielt.

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Der Blick geht weiter, über die eigene Infrastruktur hinaus. Sebastian Gann: „Wir unternehmen Schritte zur Erfassung von Emissionen entlang der gesamten Wertschöpfungskette, vom Fußabdruck der eingekauften Materialien bis hin zu den Emissionen in Verbindung mit dem Energieverbrauch der verkauften Produkte. Als nächstes gilt es nun, gemeinsam mit Lieferanten Strategien zur Reduktion des Material-Fußabdrucks zu entwickeln, um schlussendlich unseren Kunden Lösungen anzubieten, die zur Erreichung ihrer eigenen Nachhaltigkeitsziele beitragen.“

Alfred Felder: „Es braucht Partnerschaft und ein gemeinsames Arbeiten. Nachhaltigkeitsziele erreicht man nicht alleine. Mit unserem Engagement in puncto Nachhaltigkeit und der Vernetzung unserer Aktivitäten mit Lieferanten, Kunden und Partnern wollen wir auch über unser Unternehmen hinaus unterstützend zu einer nachhaltigen Zukunft beitragen – und weiter noch, über unser Kerngeschäft Licht hinaus. Wir haben Ende 2021 zum sechsten Mal den Zumtobel Group Award vergeben, den wir vor fünfzehn Jahren etabliert haben. Unser international ausgerichteter Architekturpreis, den wir alle drei Jahre öffentlich ausschreiben, setzt seinen Fokus auf zukunftsweisende Entwicklungen zur Verbesserung der Lebensqualität in der gebauten Umwelt. Die Gewinnerprojekte – aber auch alle eingereichten – adressieren drängende Themen unserer Zeit wie kollektives Wohnen, bezahlbares Wohneigentum und Zirkularität.“ Ein ganzheitlicher Weg, dem sich die Zumtobel Group verpflichtet fühlt. „Wir müssen langfristig und auf breiter Ebene umdenken, und das gemeinsam.“


Weitere Infos:
z.lighting, zumtobel-group-award.com


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