Von WoodRocks, Urban Mining und neuen Pfaden

Alexander Hilbe und Rupert Grienberger. Fotos Miro Kuzmanovic

Um neue Wege in einer Branche zu schlagen, die für 40 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich zeichnet, braucht es findige Köpfe, Mut zum Experiment und die Bereitschaft, Fehler zu machen. Eine international erfolgreiche Unternehmensgruppe im Rücken zu haben, die sich Experimente leisten kann, ist ebenfalls hilfreich. Von Daniela Egger

Die Rhomberg Bau Gruppe verfügt über Standorte in Österreich, Deutschland und der Schweiz und beschäftigt insgesamt rund 800 Mitarbeitende. Im Geschäftsjahr 2020/21 erwirtschaftete sie 345 Millionen Euro – Investitionen in die Zukunft dieser sich stark wandelnden Wirtschaft sind daher ein wichtiges strategisches Ziel. Im Gespräch beleuchten Rupert Grienberger, in der Geschäftsführung bei Rhomberg Bau für den Bereich „Bau & Ressourcen“ verantwortlich, und Alexander Hilbe, einer der beiden Geschäftsführer der WoodRocks Bau GmbH, die Zukunft des Bauens und erklären, wie eine Kreislaufwirtschaft in dieser Branche realisierbar wird.

Welche Ziele verfolgt das neue Start-up der Unternehmensgruppe?

Alexander Hilbe: Wir wollen mit unserem Start-up WoodRocks neue Wege aufzeigen. Mit dem Anspruch einer zukunftsträchtigen Holz-Hybrid-Bauweise loten wir aus, wie weit wir gehen können, um ganz neue Weichen zu stellen. Gemeinsam mit unserem Partnerbetrieb Schrenk aus Niederösterreich stecken wir derzeit mitten in der Entwicklung, zwei erste Projekte werden derzeit realisiert, eines in Feldkirch unter der Bauherrschaft der Wohnbauselbsthilfe und in Kooperation mit dem „Generalunternehmer Wohnbau“ von Rhomberg Bau. Ich denke, die Kooperation und der Wissensaustausch sind Teil einer zukünftigen Wirtschaftswelt.

Auf dem Gelände von Rhomberg Recycling werden Materialien effizient sortiert und weiterverarbeitet.

Welche Hürden hält diese zukünftige Welt bereit?

Alexander Hilbe: Die angespannte Lage auf dem Wohnungsmarkt dürfte stark vom Facharbeitermangel beeinflusst werden – auch in der nahen Zukunft. Natürlich wird die Klimakrise großen Einfluss nehmen, da werden wir mit Themen konfrontiert, die wir noch gar nicht abschätzen können. Interessant ist auch die Veränderung der jungen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die jetzt in den Arbeitsmarkt einsteigen – junge Menschen wollen verstärkt eine sinnvolle Tätigkeit in ihrem Leben, und sie wollen ihren Tag gestalten. Das ist in der Baubranche durchaus möglich, darauf müssen wir einfach stärker hinweisen, denn: Wir haben das Potenzial, solche zukunftsfähigen Arbeitsplätze anbieten zu können.

„Wir müssen zu Bauweisen finden, die eine sortenreine Demontage ermöglichen – daran arbeiten wir bei Rhomberg intensiv.“

Rupert Grienberger

Rupert Grienberger: Die Frage nach der Work-Life-Balance wird häufig noch vor dem Gehalt gestellt. Das sind aber absolute Leistungsträger, die eine größere Flexibilität einfordern, es geht nie darum, dass jemand weniger arbeiten will. Im Gegenteil. Ich bin sicher, dass davon alle profitieren, wenn wir uns da möglichst weit öffnen. Schon jetzt bieten wir eine große und familienfreundliche Flexibilität im gesamten Unternehmen.

Spielen die „Sustainable Development Goals“ (SDGs) eine Rolle in Ihrem Unternehmen?

Rupert Grienberger: Die SDGs spielen durchaus eine Rolle, manche der Nachhaltigkeitsziele der UN sind für unsere Breiten noch kein großes Thema, auch das kann sich aber ändern. Andere beschäftigen uns stark. Es gibt Punkte, die für uns schwer zu erreichen sind. Da wir uns eine gewisse Klimaneutralität auf die Fahnen schreiben, kommen wir nicht um diese Ziele herum, das fängt beim Einkauf der Baumaterialien an und hört eigentlich nie auf. Wir arbeiten auf vielen Ebenen daran, von den internen Abläufen und der schlichten Frage nach den Einkommensunterschieden angefangen – da stehen wir schon recht gut da. Wir haben eine 30%-ige Präsenz Frauen in der mittleren Führungsetage des Unternehmens, das ist für unsere traditionelle Branche kein schlechter Wert. Aber er lässt sich noch verbessern.

Entstehen durch solche Prozesse auch neue Baustoffe?

Rupert Grienberger: Alternativen für gewisse Bauteile sind da, das wird vermutlich zunehmen. Das Problem beim Beton beispielsweise ist der Zement, das Bindemittel, das den großen CO2-Ausstoß verursacht. Ganz um ihn herumkommen werden wir aus heutiger Sicht nicht. Er hat Eigenschaften, die ihn extrem dauerhaft machen, man schaue nur auf das Pantheon in Rom: 2.000 Jahre alt und komplett mängelfrei, die alten Römer wussten schon damals, wie man baut. Heute nutzen wir ihn in Verbindung mit Stahl, beide Materialien besitzen denselben Wärmeausdehnungskoeffizienten, das macht Stahlbeton so unersetzlich.

„Natürlich wird die Klimakrise großen Einfluss nehmen, da werden wir mit Themen konfrontiert, die wir noch gar nicht abschätzen können.“

Alexander Hilbe

Alexander Hilbe: Wichtiger ist es jetzt, die ganzen Bauten auch kreislauffähig zu machen, die knappen Güter müssen wiederverwertbar werden. Es gibt zahlreiche Materialien, die, über ihre gesamte Lebensdauer hinweg betrachtet, viel schädlicher sind als Beton, etwa Baustoffe, die man nicht mehr recyclen kann, weil sie zum Beispiel bei der Verarbeitung verklebt werden. Da haben wir auch im Holzbau noch einige Herausforderungen vor uns: Wenn ich Holz-Dämmung heute mit relativ viel Energie erzeuge, die dann aber fast 500 Jahre lang wieder verwenden kann, dann ist das weit nachhaltiger als Dämmstoffe, die in der Herstellung zwar CO2-neutraler sind, sich aber eben nicht mehr wiederverwenden lassen.

Rupert Grienberger: Beton lässt sich aufbrechen und wieder verbauen. Dabei hilft uns Technologie immens. Neue Technologien werden es uns auch ermöglichen, die Qualität und die Menge der aufbereiteten Rohstoffe mit weniger Energieverbrauch zu steigern. Bis zur lückenlosen Kreislaufwirtschaft haben wir noch ein paar Wege zu gehen, aber genau das haben wir vor. Wir müssen zu Bauweisen finden, die eine sortenreine Demontage ermöglichen – daran arbeiten wir bei Rhomberg intensiv. Schon heute gewinnen wir bis zu 50 Prozent der Baustoffe aus recycelten Sekundärrohstoffen: Urban Mining. Es bedeutet, dass wir wertvolle Rohstofflager auf den aktuellen und zukünftigen Baustellen haben. Beton, Asphalt, Steine, Metalle, Glas, Papier oder Kunststoffe lassen sich immer wieder neu verwenden. Deshalb verwenden wir viel Zeit in die exakte Planung und Bedarfsberechnung, so dass der sonst übliche Verschnitt vollkommen intakter Materialien auf ein Minimum reduziert wird. Das alleine hat eine enorme Auswirkung und spart überdies Arbeitszeit, weil die Gewerke besser zusammenarbeiten können. Wir sehen in dieser Branche noch sehr viel Potenzial, um zukunftsfähig zu bleiben.

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Vielen Dank für das Gespräch.


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