Warum es konstruktiven Journalismus braucht

Die schwedische Stiftung „Gapminder“ will mit Umfragen und einer Portion Humor Falschwahrnehmungen in der Gesellschaft aufzeigen.
Von Sarah Kleiner

2020 hat „Gapminder“ bei einer Umfrage das Wissen zu Themen rund um die „Sustainable Development Goals“ der Vereinten Nationen, die SDGs, abgefragt. Den
1.186 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus Europa wurden
18 Fragen mit je
3 Antwortmöglichkeiten gestellt. Abgefragt wurden Prozentsätze: Wie viele Menschen leben weltweit in Armut? Wieviel der global verbrauchten Energie wird aus fossilen Energieträgern gewonnen?

Werbung

79 Prozent der Befragten überschätzten den Anteil der Weltbevölkerung, der nicht genug Nahrung für den täglichen Bedarf hat. Damals waren es rund
11 Prozent der Weltbevölkerung, die meisten Menschen schätzten den Anteil auf das Doppelte oder Dreifache.
94 Prozent der Befragten gingen davon aus, dass sich die globale Suizidrate in den vergangenen
20 Jahren erhöht habe oder in etwa gleich geblieben sei. Dabei ist sie in diesem Zeitraum um
25 Prozent gesunken.
82 Prozent der Umfrageteilnehmer gingen davon aus, dass viel weniger Menschen Zugang zu sauberem Trinkwasser haben, als tatsächlich der Fall ist.
Der Anteil des Plastikmülls, der im Endeffekt im Meer landet, wurde stark überschätzt, der Anteil fossiler Energieträger am weltweiten Energieverbrauch unterschätzt.

Im Schnitt konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer nur
3,2 Fragen richtig beantworten. Rein statistisch würde ein völlig uninformierter Mensch – „Gapminder“ spricht von einem „durchschnittlichen Affen” – jedes
3. Mal durch Zufall eine richtige Antwort auswählen und damit
6 Antworten richtig raten. Der Grund, warum Menschen so viel schlechter abschnitten als der Durch- schnittsaffe, ist laut „Gapminder“, dass sie unter systematischen Falschwahrneh- mungen leiden, wahrscheinlich auch aufgrund der negativen Medienberichter- stattung. Das soll nicht die abgefragten Missstände trivialisieren, zeigt aber, warum von Zeit zu Zeit auch gute Nachrichten ihren Weg in die Medien finden sollten.

Quelle: „Sustainable Development Misconception Study 2020” von Gapminder, siehe: gapminder.org


Teilen auf:
Facebook Twitter
Werbung