Liebe Leserin, lieber Leser,
für die meisten von uns bedeuten Ferien: raus aus dem Alltag, abschalten, Energie tanken. Aber vielleicht lohnt es sich, hier genauer hinzusehen: Welche Eindrücke nehmen wir mit? Und welche Spuren hinterlassen wir?
Diese Sommerausgabe lädt ein, klassische Urlaubsklischees hinter sich zu lassen. Statt To-do-Listen und Fotos für die sozialen Medien, stehen Erfahrungen im Mittelpunkt, die bleiben. Wandern etwa – nicht aus sportlichem Ehrgeiz, sondern als Einladung, Tempo rauszunehmen und sich selbst wieder näherzukommen. Ulrich Grober erzählt, wie das geht – und warum das Gehen selbst ein Akt des Widerstands gegen die Beschleunigung des Alltags sein kann.
Auch die Berge Österreichs sind in unserer Fotostrecke mehr als nur eine Kulisse für Sehnsucht. Sie sind Landschaften, die geprägt haben – und die uns auffordern, unser Verhältnis zu Natur und Heimat zu hinterfragen. Gerade in Zeiten, in denen globale Krisen lokale Räume verändern, wird dieser Blick relevant.
Dazu passt der Beitrag über Slow Travel, das bewusste Reisen, das nicht Quantität, sondern Tiefe sucht. Wir zeigen, wie Begegnung, Staunen und die Kunst des Verweilens das Reisen verändern – und warum gerade Umwege und Ungeplantes oft zu den eindrücklichsten Erlebnissen führen. Slow Travel ist eine Haltung, die es uns ermöglicht, Orte wirklich zu erleben – und uns selbst vielleicht gleich mit.
Manche Beiträge in dieser Ausgabe spielen sich abseits der touristischen Pfade ab. Sie erzählen etwa von Verlust. Wie in Apulien, wo Menschen um das Überleben ihrer Olivenbäume kämpfen – und damit um kulturelles Erbe, Identität und Zukunft. Solche Geschichten führen uns vor Augen, wie eng Landschaft, Kultur und Existenz verbunden sind – und dass der Sommer nicht für alle Leichtigkeit bedeutet.
Reisen heißt auch Verantwortung. Wir stellen Initiativen vor, die Jugendlichen aus benachteiligten Familien ermöglichen, neue Horizonte zu entdecken – und damit soziale Gräben zu überbrücken. Oder ein Projekt, das Mobilität in die Regionen bringt, in denen das nächste Krankenhaus, die Schule oder der Markt nur durch stundenlange Fußmärsche erreichbar ist.
Ferien – das zeigen diese Geschichten – können mehr sein als Erholung. Sie können Denkräume öffnen und Perspektiven verändern. Und fordern uns heraus, Gewohntes zu hinterfragen. Vielleicht ist genau das der wahre Luxus dieser Zeit: sich zu erlauben, die eigene Komfortzone zu verlassen – um offener, achtsamer, neugieriger zurückzukehren.
In diesem Sinne wünschen wir Ihnen eine inspirierende Lektüre. Und vielleicht einen Sommer, der uns allen neue Blicke auf die Welt eröffnet.
Evi Ruescher, Herausgeberin






