„Mode soll Spaß machen“

Maiken Klosers Designs sind verspielt, jung und frisch.

Das Atelier Maiken K. in der Bregenzer Innenstadt kleidet Frauen nach Maß und von der Stange. Nachhaltig – im Sinne von Qualität und Langlebigkeit – sind hier nicht nur Material und Ware, sondern auch die Zusammenarbeit mit Lieferanten und die Kundinnenbeziehung.

Text Magdalena Venier, Fotos Alexandra Serra

Wer die Designerin Maiken Kloser in der Kasper-Hagen-Straße in Bregenz sucht, findet ein historisches Gebäude, in dessen Erdgeschoss sich ein nachhaltiges Bekleidungsgeschäft und ein Atelier in einem befindet. Durch die großen Fenster sehen Neugierige opulente bodenlange Kleider, ein Fenster weiter Jeans, Pullover und Bluse. „Ich habe mir immer ein Bekleidungsgeschäft gewünscht, in dem ich genau das finde, was mir gefällt“, erzählt die Schneidermeisterin über die Idee zum Mischkonzept. Während Kundinnen im vorderen Teil, im „House of Sunshine“ von Geschäftspartnerin Eva Heerdegen, sorgfältig kuratierte nachhaltige Labels finden, entstehen im hinteren Teil individuelle Maßanfertigungen von Maiken Kloser. Ihr Spezialgebiet ist Braut- und Anlassmode, ihr Anspruch ist Kleidung für alle Frauen(-typen), die sitzt und gut aussieht. Denn: „In Kleidung von guter Qualität und Passform fühlt man sich einfach wohler.“

Die Anfänge

Die gebürtige Harderin absolvierte die HTL Dornbirn mit Schwerpunkt Textil und arbeitete dann als Schneiderin in Wiener Ateliers. Nach der Meisterklasse für Bühnenkostüme studierte sie an der Akademie der Bildenden Künste. Ihr Label „Maiken K.“ gründete sie 2014 während ihrer Studienzeit aufgrund eines Wettbewerbs.

Maiken Kloser vor ihrem Atelier-Geschäft
in Bregenz.

Neben ihrer Lehrtätigkeit an der Modeschule wuchs die Nachfrage nach handgefertigter Kleidung stetig, bis sie während Corona beschloss, sich auf das Label zu konzentrieren – in Vorarlberg: 2020 bezog die Designerin ein Geschäftslokal in der revitalisierten Innenstadt von Hohenems. Drei Jahre später folgte der Umzug in die Landeshauptstadt. „Mein Atelier soll ein offener, nahbarer Ort sein. Mir ist klar, dass heute ganz anders eingekauft wird und meine Mode ihren Preis hat. Aber dafür ist sie von Hand gemacht, langlebig und nicht überall zu kaufen.“

Passgenau und individuell

Im Showroom hängen Braut- und Abendkleider unterschiedlichster Stilrichtungen: von schlichten, fließenden Silhouetten bis hin zu aufwendig gearbeiteten Roben mit Spitze aus Vorarlberg, Tüll und feinen Details. Die ausgestellten Stücke zeigen, was alles möglich ist – jedes Kleid entsteht in enger Abstimmung mit den Kundinnen. Für Maiken Kloser zählt vor allem der gemeinsame Prozess: „Es ist ein Wagnis, weil das Kleid erst entsteht – aber genau das macht es besonders.“ Bis zu 100 Arbeitsstunden können in eine Maßanfertigung fließen. Was kostenintensiv klingt, ist am Ende fair und transparent gehalten: Die Preise starten bei solchen, die auch für Kleider in Brautmodengeschäften verlangt werden. „Natürlich gibt es nach oben hin keine Grenze“, schmunzelt die Designerin.

Ihre Kundinnen kommen aus dem Bodenseeraum, aus Ostösterreich und darüber hinaus. „Eine Braut kommt extra aus Denver zur Anprobe. Sie hat mich über Instagram gefunden – hier ist Social Media nützlich.“ 2025 stattete Maiken Kloser die Organisatorin des Wiener Opernballs, Susanne Athanasiadis, aus, das Jahr davor die Ballerinas des Wiener Staatsopernballetts. „Das war eine tolle Gelegenheit – bei solchen Events kann man zeigen, was man kann und macht.“

Bei der Wahl der Stoffe zählt vor allem Qualität. „Aus diesem Grund ist nicht jeder Stoff biozertifiziert – es ist ein Abwägen. Ein Seidenkleid ist natürlich möglich, allerdings heikel. Der Anspruch ist oft, dass das Kleid robust sein soll. Dann darf auch eine gute Kunstfaser dabei sein.“

Auch was nach der Hochzeit aus dem maßgefertigten Brautkleid entstehen kann, wird überlegt: „Die Möglichkeiten sind vielfältig: ein schöner Rock, ein kurzes Kleid oder eine Veränderung im Schnitt, sodass daraus ein schönes Kleid für einen besonderen Anlass wird.“ Ein Angebot, das gern angenommen wird.

Chic und bequem

Neben der maßgefertigten Anlassmode erscheint zweimal im Jahr eine „Ready-to-wear“-Kollektion: Die Stücke – etwa locker geschnittene Blusen, bequeme Hosen oder farbenfrohe Basics – sind zeitlos und vielseitig kombinierbar. Auffällige Details wie Muster, Falten oder farbige Reißverschlüsse verleihen ihnen einen verspielten Charakter. „Wir haben eigentlich nichts, das eng geschnitten ist. Zum klassischen Schnitt kommt immer etwas Besonderes dazu – Mode soll auch Spaß machen.“

Produziert wird die Kollektion in geringer Stückzahl von einem kleinen Schneiderunternehmen in der Slowakei. Entwürfe, Prototypen und Stoffauswahl entstehen im Atelier, die Fertigung wird aus Zeitgründen ausgelagert. „Ich hätte gern in Österreich produziert, aber hier gibt es nur begrenzte Möglichkeiten.“ Verarbeitet werden nur kleine Stoffchargen, „dann kommen wieder andere Muster.“ Klassiker wie das Ringelshirt gibt es aber immer.

Verwendet werden zum großen Teil Naturfasern. „Bei manchen Teilen macht aber ein geringer Anteil Kunstfaser absolut Sinn, wie gerade bei Hosen mit Falten – dadurch sind sie bügelfrei und langlebig. Ein Mischgewebe hält einfach viel länger.“ Die Stoffe kauft Maiken Kloser bei europäischen Händlern ein, die meisten sind biozertifiziert. „Unser Fokus liegt auf der Zusammensetzung des Materials, der Qualität, die meist mit einem nachhaltigen Label einhergeht.“

House of Sunshine

Die einzelnen Teile der Kollektion können über den Online-Shop gekauft werden und hängen im „House of Sunshine“ zwischen anderen Fair-Fashion-Labels und kleinen Nischen-Brands. Entstanden ist dieses besondere Shop-Konzept aus guter Nachbarschaft: Eva Heerdegen startete ihr Geschäft zugleich mit Maiken Kloser in Hohenems – aus Nachbarinnen wurden Freundinnen und dann Partnerinnen. Und daraus entwickelte sich die Idee eines gemeinsamen Mischkonzepts, das mehr Vielfalt verspricht und in Vorarlberg einzigartig ist. Kundinnen können nicht nur neue nachhaltige Kleidung entdecken – viele kommen regelmäßig vorbei, lassen sich beraten oder genießen einfach die Atmosphäre. „Teilweise kennen wir schon die Kleiderkästen unserer Kundinnen und wissen genau, was dazu passt.“

Die Zusammenarbeit als Unternehmerinnen tragen die beiden auch nach außen. So ist etwa der Abverkauf als mehrtägiges Event gemeinsam mit anderen Geschäften gestaltet, das Einkaufen mit Unterhaltung und Begegnung verbindet. Denn: „Wir freuen uns über jede Kundin, die hinausgeht und glücklich ist.“

Weitere Informationen: maiken-k.at, houseofsunshine.at


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