Film

Bild: Die noch unbekannten Tage. Foto: © Fahrenheit Films


Mit leiser Stimme
(OT: À voix basse)
Regie: Leyla Bouzid
FR/TN 2026, 112 Minuten
(im Kino)

Foto: © Neue Visionen Filmverleih

Die in Paris lebende Lilia reist in ihr Geburtsland Tunesien, um ihren Onkel Daly zu beerdigen. Begleitet wird sie von ihrer Partnerin Alice, die aber nicht im Familienwohnsitz, sondern in einem nahe gelegenen Hotel unterkommt; denn selbst Lilias Mutter ahnt nichts von der lesbischen Beziehung ihrer Tochter. Als Lilia während der mehrtägigen Trauerfeier erfährt, dass ihr Onkel unter rätselhaften Umständen ums Leben gekommen ist, beginnt sie, eigene Nachforschungen anzustellen, und dringt dabei immer tiefer in die queere Subkultur Tunesiens vor.

Ein ergreifendes und elegant inszeniertes Familiendrama über Identität, Familie und die zerstörerische Kraft des Unausgesprochenen: In „Mit leiser Stimme“ erzählt die tunesisch-französische Regisseurin Leyla Bouzid mit sanfter Kraft davon, wie die Vergangenheit die Gegenwart heimsucht und so einen neuen Weg für die Zukunft weisen kann. Hiam Abbass, eine der großen Schauspielerinnen des Weltkinos, brilliert in diesem meisterhaften Film, der Mut macht und behutsamen Schritts große Gefühle entfesselt.


Gentle Monster
Regie
: Marie Kreutzer
AT/DE/FR 2026, 115 Minuten
(ab 17. September im Kino)

Foto: © Frederic Batier / Film AG

Die Konzertpianistin Lucy zieht mit ihrem Mann Philip und ihrem Sohn aufs Land, wo sich der Filmemacher langsam von einem Burn-out erholt. Eines Tages steht die Polizei vor der Tür: Sonderermittlerin Elsa lässt das Haus durchsuchen und erhebt einen schwerwiegenden Vorwurf gegen Philip. Lucys Welt gerät ins Wanken. Wer ist der Mann, den sie liebt, wirklich?

Vier Jahre nach „Corsage“ kehrt die österreichische Regisseurin Marie Kreutzer mit „Gentle Monster“ ins Kino zurück. Das sensible Drama erzählt von Vertrauen und Täuschung, Liebe und Selbsttäuschung sowie vom Versuch, nach einer erschütternden Enthüllung den eigenen Halt wiederzufinden. Mit einem vielschichtigen, feministischen Blick nähert sich der Film einem brisanten Thema, ohne einfache Antworten zu geben. Im Zentrum stehen zwei faszinierende Frauenfiguren, eindrucksvoll verkörpert von Léa Seydoux (Lucy) und Jella Haase (Elsa). In weiteren Rollen sind Laurence Rupp und Catherine Deneuve zu sehen.

Die Bildgestaltung stammt erneut von Judith Kaufmann, die Montage von Marie Kreutzers langjähriger Weggefährtin Ulrike Kofler, die Musik von der oscarprämierten französischen Komponistin Camille.


Die noch unbekannten Tage
Regie:
Jola Wieczorek
AT 2026, 82 Minuten
(ab 25. September im Kino)

Foto: © Fahrenheit Films

Ein Roadmovie rückwärts durch Europa: Regisseurin Jola Wieczorek begibt sich mit „Die noch unbekannten Tage“ auf eine filmische Reise, um Antworten zu finden – zum Beispiel, warum die Flucht der Familie aus Polen in den 1980er Jahren ausgerechnet ins Salzkammergut geführt hat.

Berührende Gespräche, persönliche Briefe, Home Movies und private Fotos aus der Kindheit dokumentieren den steinigen Weg in die neue Heimat. Mit Mutter, Vater, Bruder und einer Kamera im Gepäck reist Wieczorek in die Vergangenheit, um die eigene Familiengeschichte zu rekonstruieren: von Polen, wo die Familie einst im 13. Stock einer Hochhaussiedlung lebte, über das Flüchtlingslager Traiskirchen, wo sie 1989 auf das neue Leben wartete, bis nach Bad Goisern im idyllischen Alpenpanorama.

Das Hinterfragen des Erinnerungsprozesses zeigt, wie vielschichtig jede Geschichte von Migration ist: durchdrungen von Freude und Schmerz, Hoffnung und Enttäuschung, Fremdsein und Menschlichkeit. Und immer einzigartig und universell zugleich.


Vaterland
Regie:
Paweł Pawlikowski
PL/DE/IT/FR 2026, 82 Minuten
(im Kino)

Foto: © Agata Grzybowska, Neue Visionen

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs begeben sich Literaturnobelpreisträger Thomas Mann (Hanns Zischler) und seine Tochter, die Schauspielerin, Autorin und Kabarettistin Erika (Sandra Hüller), auf eine Reise durch ein Deutschland in Trümmern – von Frankfurt in der amerikanischen Besatzungszone bis ins sowjetisch kontrollierte Weimar. Zum Goethe-Jubiläum wünscht man sich auf beiden Seiten der innerdeutschen Grenze Worte des Trosts, der Zustimmung und der Vergebung vom größten aller Erzähler. Zwischen euphorischen Wagner-Erben und literarisch versierten Generalen wird Deutschlands wichtigster Schriftsteller hofiert und manchmal auch beschimpft, während das Drama seiner eigenen Familie leise eskaliert. Es ist das erste Mal seit dem Krieg, dass Thomas Mann in sein Heimatland zurückkehrt, aus dem er einst ins Exil geflohen war. Eine Reise in die verwundete deutsche Seele, die heilen soll – sie wird für Erika und den Zauberer, wie seine Kinder Thomas Mann oft nannten, zu einer Reise ins Innerste.

Mit zarter Unerbittlichkeit überblendet „Vaterland“ den Nullpunkt der deutschen Geschichte mit dem Finale einer Familiensaga. Eine intensive filmische Erfahrung, getragen von einem überragenden Ensemble.


Atmosphere
Regie:
Erwin Wagenhofer
AT 2026, 100 Minuten
(ab 9. Oktober im Kino)

Foto: © Imagine Film

Die Atmosphäre, die unseren Planeten schützend umhüllt, ist die Grundlage unseres Lebens. Sie versorgt uns mit Luft, Wasser und Nahrung und definiert uns zugleich als soziale Wesen. Wie die Luft zum Atmen brauchen wir eine schützende Atmosphäre des Miteinanders, um zu überleben.

Filmemacher Erwin Wagenhofer kennt die Krisen unserer Gegenwart genau und setzt sich auch in seinem neuen Film „Atmosphere“ mit ihren Ursachen auseinander. Vor allem aber fragt er, wie wir ihnen begegnen können. Dafür begleitet er Menschen, die neue Wege eingeschlagen haben: eine Künstlerin aus Berlin-Brandenburg, die Landwirtin wurde und ausgelaugte Böden wieder zum Blühen bringt; ein Team führender Lehmbauexpertinnen und -experten, das den traditionellen Werkstoff zum Baustoff der Zukunft weiterentwickelt; sowie einen visionären Schweizer Forscher und Agronomen, der mit einem neu aufgeforsteten Regenwald in Brasilien nicht nur zerstörtes Land, sondern eine ganze Region zu neuem Leben erweckt.

„Atmosphere“ erzählt von Menschen, die zeigen, dass Veränderung möglich ist, und macht Mut, Zukunft neu zu denken.


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