Editorial
Liebe Leserin, lieber Leser,
Potenziale zeigen sich manchmal erst, wenn wir Gewohntes anders als sonst betrachten. Sie schlummern zunächst in losen Ideen und entfalten sich dank Menschen mit Weitblick. Aus visionären Konzepten entstehen Lösungen für den Alltag, die zeigen, dass Zukunft nicht einfach geschieht, sondern aktiv gestaltet werden kann. Im Heftschwerpunkt „Potenziale“ erzählen wir von Möglichkeiten – und von einer Nachhaltigkeit, die nicht mit Verzicht beginnt, sondern mit der Frage, was unser Leben besser, sinnvoller und zukunftsfähiger macht.
Wir berichten über das „Debüt“-Format der „Vienna Design Week“, das Designstudierende und ihre Ausbildungsstätten in den Fokus rückt. Im „Regenerative Design Lab“ der Universität für angewandte Kunst Wien etwa entwickeln Studierende unter der Leitung von Harald Gründl Visionen für eine regenerative Zukunft. In Kurzfilmen zum Jahr 2100 fragen sie unter anderem, ob wir in einer Zukunft des Überflusses leben möchten oder ob es mehr darauf ankommt, Zugang zu allem zu haben, was wir brauchen.
Wir beleuchten außerdem das Potenzial von Gebäuden, die mit absoluter Konsequenz auf Nachhaltigkeit ausgerichtet sind. Ein wegweisendes Beispiel ist der Bau „Hortus“ im Schweizer Allschwil, bei dem alle Bauteile von vornherein für die Wiederverwendung katalogisiert wurden, sodass sie in neuen Gebäuden weiterverwendet werden können.
Darüber hinaus thematisieren wir das Potenzial von E-Autos als Stromspeicher der Zukunft: Ihre Batterien lassen sich als dezentrale Zwischenspeicher für überschüssigen Strom nutzen, der je nach Bedarf zurück ins Netz fließt. Das sogenannte „Vehicle-to-Grid“-Konzept könnte zum Gamechanger für die flexible Nutzung erneuerbarer Energien werden.
Weitere Beiträge widmen sich ganz unterschiedlichen Potenzialen: Das WWF-Fotoprojekt „The Face of Change“ porträtiert kenianische Frauen, die sich für Naturschutz engagieren – darunter eine Imkerin, eine Mangrovenwächterin und eine Schildkrötenretterin.
Um die Magie der Musik geht es im Interview mit der Ausnahme-Perkussionistin Vivi Vassileva. Sie erklärt, wie Rhythmus uns hilft, das Gedankenkarussell auszubremsen und stattdessen ganz im Moment zu leben. Einen besonderen Ansatz verfolgt auch die Künstlerin Agnes Meyer-Brandis, Gründerin des „Office for Tree Migration“. Sie dokumentiert, wie Baumpopulationen vor der Erderwärmung fliehen – etwa anhand von Kiefern, die in Finnland immer weiter in ein Moor hineinwachsen. Ihr Forschungsprojekt verbindet Wissenschaft, Technologie und Kunst und ermöglicht damit eine neue Sicht auf den Klimawandel.
Wir wünschen Ihnen eine inspirierende Lektüre – und einen frischen Blick auf die eigenen Potenziale!
Evi Ruescher, Herausgeberin






