FILME
Happyland, Regie: Evi Romen

KUB Sommer Open Air Kino
Tanzt, tanzt, sonst sind wir verloren!
(Pina Bausch)
Foto: Miro Kuzmanovic © Kunsthaus Bregenz
Der diesjährige KUB Open Air Sommer feiert Tanz als universelle Sprache, die uns alle verbindet. Eine Filmauswahl über das Tanzen und die großen Themen des Lebens lockt auf den Karl-Tizian-Platz vor dem Kunsthaus Bregenz.
Vom 24. Juli bis 14. August jeden Donnerstag um 21.15 Uhr, O.m.U.
Eintritt frei, ohne Reservierung – first come, first served!
Pina: 24. Juli
Wim Wenders, 2011, Deutschland, FSK 12, 99 Minuten
Frances Ha: 31. Juli
Noah Baumbach, 2012, USA, FSK 6,
82 Minuten
And Then We Danced: 7. August
Levan Akin, 2019, Schweden/Georgien, FSK 12, 106 Minuten
Last Dance: 14. August
Delphine Lehericey, 2023, Belgien/Schweiz, FSK 6, 84 Minuten
In Kooperation mit dem Filmforum Bregenz
kunsthaus-bregenz.at

Tandem – in welcher Sprache träumst du? (OT: Langue étrangère)
Die 17-jährige Fanny (Lilith Grasmug) kommt als französische Austauschschülerin nach Leipzig. Ein Aufenthalt im Sinne der deutsch-französischen Partnerschaft, aber in Wahrheit will die schüchterne Fanny ihrer überfürsorglichen Mutter und dem Mobbing in der Schule entfliehen. Während Gastmutter Susanne bemüht und aufgeschlossen ist, reagiert Susannes Tochter Lena (Josefa Heinsius) zunächst schroff und abweisend. Lena ist das Gegenteil von Fanny. Selbstbewusst, politisch als Linke engagiert, meinungsstark. Um Lena zu beeindrucken, nimmt es Fanny mit der Wahrheit nicht so genau. Allmählich nähern sich die zwei Teenager an, doch Fannys Netz der Unwahrheiten droht immer undurchdringlicher zu werden, während die innerfamiliären Konflikte in Lenas Familie langsam an die Oberfläche drängen.
Die Mütter sind in Claire Burgers einnehmender „Coming of Age“-Erzählung prominent mit Nina Hoss und Chiara Mastroianni besetzt, aber die großartig spielenden Hauptfiguren Grasmug und Heinsius sind die wahren Stars des Films. In der zweiten Hälfte reist Lena nach Straßburg, doch die angespannte Dynamik spitzt sich weiter zu. Es ist die universale Suche Heranwachsender, ihren Platz in der Welt zu finden, die Burger geschickt in aktuelle globale Krisen und gesellschaftliche Herausforderungen einbettet. (Martin Nguyen)
Regie: Claire Burger
F/D/B 2024, 105 Minuten
(ab 6. Juni im Kino)

Armand
Die exzentrische Schauspielerin Elisabeth (faszinierend: Renate Reinsve) wird kurz vor den Ferien in die Schule ihres sechsjährigen Sohnes Armand zitiert. Anwesend sind Sarah (Ellen Dorrit Petersen) und Anders (Endre Hellestveit), die Eltern von Jon. Die überforderte Lehrerin Sunna stammelt, versucht bemüht, nüchtern der unwissenden Elisabeth die Situation zu erklären: Ihr Sohn Armand habe Jon mutmaßlich sexuell missbraucht.
Was als verschrobener Elternabend beginnt, eskaliert nun allmählich zum mysteriösen Psychodrama, mit jähen Lach- und Weinanfällen, performativem Gruppenkuscheln und neuen Enthüllungen. Die Kinder kommen übrigens nie ins Bild. Elisabeth kämpft um Armands Unschuld, während latente Ressentiments zwischen ihr und Sarah aufbrechen. Die Gespräche kreisen immer wieder um Elisabeths verstorbenen Ehemann Thomas, Sarahs Bruder. Misstrauen macht sich breit, nichts ist, wie es scheint.
Das Spielfilmdebüt von Regisseur Halfdan Ullmann Tøndel (Ingmar Bergmans Enkel) verbleibt dabei komplett innerhalb der Schule. Die leeren Gänge und dunklen Ecken verleihen dem auf körnigem 16-mm-Material gedrehten Film klaustrophobische Züge. Ein ungewöhnliches Schauerlebnis, das sich von konventionellen Narrativen stückweise entfernt und sich zur Leistungsschau von Reinsves schauspielerischem Talent entwickelt. (Martin Nguyen)
Regie: Halfdan Ullmann Tøndel
NOR/NL/SWE/D 2024, 117 Minuten
(ab 13. Juni im Kino)

Happyland
In der titelgebenden Freizeitoase „Happyland“ findet man alles: ein Freibad, Tennisplätze, Kletterhalle. Doch für Helen (Andrea Wenzl) gibt es hier nichts. Die in die Jahre gekommene Sängerin ist aus der Metropole London in ihren Heimatort an der Donau zurückgekehrt. Die Karriere stockt, das Geld ist knapp. So übernimmt sie in Abwesenheit ihrer Mutter, der Chefin von „Happyland“, vorübergehend die Leitung. Doch ihre Rückkehr erzeugt auch Zwist und Grant: Für die Solokarriere hatte sie einst Band und Ex-Freund Tom (Michael Pink) zurückgelassen, der sie nun wortlos ignoriert. Die Tristesse lindert das Techtelmechtel mit dem jungen Joe (Simon Frühwirth), der nicht nur ein Händchen für Pferde hat.
Regisseurin Evi Romen erkundet die Themen Heimat und Zugehörigkeit auch mit metaphorischen Traumsequenzen: Die Kamera von Martin Gschlacht folgt Helen nackt auf Pferden reitend, rückt das Wasser als zentrales Symbol ins Licht. Bis zur Aufdeckung des großen Familiengeheimnisses absolvieren auch Indie-Stars der österreichischen Musikszene wie Oliver Welter von Naked Lunch und Wolfgang Schlögl Gastauftritte, doch so ganz kommt man Helen und den übrigen Figuren nicht nahe. Überhaupt hebt der Film am ehesten ab, wenn Romen den einnehmenden Konzertszenen den Platz überlässt. Musik sagt manchmal doch mehr als tausend Worte. (Martin Nguyen)
Regie: Evi Romen
A 2025, 90 Minuten
(ab 13. Juni im Kino)

Julie bleibt still (OT: Julie zwijgt)
Tennis ist Julies (Tessa Van den Broeck) Leben. Training, Schule, Match – viel Zeit bleibt da nicht mehr. Als aufstrebendes Talent steht die Jugendliche kurz davor, in das Förderprogramm des belgischen Tennisverbands aufgenommen zu werden, als ihr Trainer Jeremy aufgrund fragwürdiger Trainingsmethoden suspendiert wird. Auslöser ist der Selbstmord von Aline, einer Nachwuchsprofispielerin und ehemaligen Schülerin Jeremys. Die Vereinspräsidentin leitet eine Untersuchung ein, alle Spielerinnen werden befragt, doch Julie bleibt still.
Leonardo Van Dijl legt sein Regiedebüt formal ruhig an. Die beobachtende Kamera bleibt auf Distanz, lauscht immer wieder Gesprächen, die sich allmählich zu einem Gesamtbild fügen. Zunächst telefoniert Julie noch heimlich mit Jeremy, willigt sogar zu einem Treffen ein. Einiges wird angedeutet, vieles bleibt im Verborgenen, gerade genug, um die Spannung aufrechtzuerhalten. Julie behält ihre Meinung für sich, doch in einem selbst gewählten Reifeprozess findet sie zu ihrer eigenen Stärke und Haltung und löst sich aus der Umklammerung der Fremdbestimmung. Ein nachdenklicher Film mit der Newcomerin Tessa Van den Broeck als nuancenreiche Julie, der zeigt, wie schwer es ist, das Schweigen im abhängigkeitsgeprägten Spitzensport zu brechen. (Martin Nguyen)
Regie: Leonardo Van Dijl
B/SWE 2024, 100 Minuten
(ab 27. Juni im Kino)






