Mehr Europa auf dem Smartphone

Sie übersetzen Texte, erkennen Berge, schützen die Privatsphäre oder retten Lebensmittel vor dem Müll. Diese sieben Apps wurden in Europa entwickelt – und zeigen, dass gute Ideen nicht nur aus dem Silicon Valley kommen.
Von Babette Karner

Ob Navigation, Übersetzungen oder Onlinesuche – viele Apps, die wir täglich nutzen, stammen aus den USA. Entsprechend groß ist Europas Abhängigkeit von amerikanischen Tech-Konzernen. Dabei entstehen auch in Europa leistungsfähige digitale Angebote, die den Vergleich nicht scheuen müssen. Viele Anwendungen setzen auf Datenschutz und Nachhaltigkeit oder lösen ganz konkrete Alltagsprobleme. Sie sind vielleicht weniger bekannt und haben teilweise weniger Nutzende oder einen geringeren Funktionsumfang als die amerikanischen Marktführer, aber wer ihnen eine Chance gibt, entdeckt überraschend leistungsfähige Alternativen – „made in Europe“.


DeepL (Deutschland)
Wer regelmäßig Texte übersetzt, kommt an „DeepL“ fast nicht vorbei. Entwickelt vom Kölner Unternehmen „DeepL SE“, zählt die App zu den besten Übersetzungsdiensten weltweit – insbesondere für europäische Sprachen. Ich selbst nutze die Website von „DeepL“ seit vielen Jahren und sehe gerade im natürlich klingenden Tonfall einen Vorteil gegenüber anderen Übersetzungstools wie „Google Translate“. Ein Bonus ist die integrierte Schreib- und Stilprüfung („DeepL Write“), die Texte ebenfalls in mehreren Sprachen kontrollieren kann. Einige Premiumfunktionen sind kostenpflichtig, die Gratisversion reicht für die meisten Anliegen jedoch völlig aus.
Verfügbar für iOS, Android, Windows, macOS und im Web. Die Basisversion ist kostenlos, DeepL Pro ist ab rund 8,99 Euro pro Monat erhältlich.


Privatsphäre zuerst: Proton (Schweiz)
Die „Proton AG“, ein Schweizer Technologieunternehmen, bietet stark verschlüsselte und datenschutzfreundliche Online-Dienste an. Gegründet wurde es im Jahr 2014 von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern am CERN („Europäische Organisation für Kernforschung“), mit dem Ziel, ein sicheres und privates Internet als Alternative zu den US-Tech-Giganten zu schaffen. Aus einem verschlüsselten E-Mail-Dienst ist mittlerweile ein umfassendes Datenschutz-Ökosystem entstanden. Neben E-Mail-Diensten hat „Proton“ auch einen Kalender, Cloud-Speicher, ein VPN und einen Passwortmanager im Angebot. Viele Grundfunktionen sind kostenlos, um jedoch alle Funktionen nutzen zu können, ist ein kostenpflichtiges Abo erforderlich.
Verfügbar für iOS, Android, Windows, macOS, Linux und im Web. Die Basisversion ist kostenlos, kostenpflichtige Abonnements gibt es je nach Dienst ab etwa 4 Euro pro Monat.


Verschlüsselt kommunizieren: Threema (Schweiz)
Der Schweizer Messenger „Threema“ ist einer der datenschutzfreundlichsten Kommunikationsdienste Europas. Alle Nachrichten sind standardmäßig Ende-zu-Ende verschlüsselt. Anders als etwa bei „WhatsApp“ muss man weder eine Telefonnummer noch eine E-Mail-Adresse angeben, um die Anwendung zu nutzen. Stattdessen erhält man eine eigene, zufällig erzeugte „Threema-ID“. Einziger Nachteil: Da viele Menschen andere Messengerdienste verwenden, führt im Alltag zumeist kein Weg an einer zweiten Messenger-App vorbei.
Verfügbar für iOS, Android und im Web. Die App kostet einmalig rund 5,99 Euro.


Retten statt wegwerfen: Too Good To Go (Dänemark)
„Too Good To Go“, 2015 in Kopenhagen gegründet, ist eine Anwendung, die Konsumentinnen und Konsumenten mit Restaurants und Geschäften verbindet, die unverkaufte, überschüssige Lebensmittel vergünstigt zur Selbstabholung anbieten, um Food Waste zu reduzieren. In der App ist sichtbar, welche Betriebe in der Umgebung gerade „Too Good To Go“-Überraschungstüten anbieten. Nach Eingabe der erforderlichen Daten kann man direkt über die App bezahlen und die Lebensmittel dann zur festgelegten Zeit persönlich abholen. Welche Produkte man erhält, bleibt allerdings bis zur Abholung eine Überraschung, und das Angebot hängt stark vom jeweiligen Standort ab.
Verfügbar für iOS und Android. Die App ist kostenlos; bezahlt wird nur für die jeweils reservierten Lebensmitteltüten.


Raus in die Natur: komoot (Deutschland)
Die Potsdamer Firma „komoot“ hat eine der beliebtesten Outdoor-Apps Europas entwickelt. Ob Wandern, Radfahren oder Mountainbiken – die App bietet Tourenvorschläge, Navigation und Offline-Karten. Gerade wenn man eine Region noch nicht kennt, ist die Vielzahl an Tourenvorschlägen anderer Nutzerinnen und Nutzer sehr praktisch. Einige Kartenpakete und Zusatzfunktionen sind jedoch kostenpflichtig.
Verfügbar für iOS, Android, Apple Watch, Wear OS und im Web. Die App ist kostenlos, das Weltkartenpaket kostet einmalig 29,99 Euro. Die Premiumversion ist ab 59,99 Euro pro Jahr erhältlich.


Welcher Gipfel ist das? PeakFinder (Schweiz)
Wer in den Bergen unterwegs ist, bekommt mit „PeakFinder“ einen beeindruckenden Überblick über die umliegenden Gipfel. Entwickelt wurde die App vom Schweizer Fabio Soldati. Mithilfe des Standorts und der Handykamera erkennt sie Berge und blendet ihre Namen direkt ins Kamerabild ein – auch ohne Internetverbindung. Die Anwendung funktioniert weltweit und verzeichnet mehr als eine Million Berge – ganz gleich, ob Alpen, Anden, Pyrenäen oder Himalaja. Ich selbst nutze „PeakFinder“ seit vielen Jahren und werde auf Wanderungen immer wieder gefragt, was das für eine App sei. „PeakFinder“ ist kostenpflichtig, dafür aber komplett werbefrei.
Verfügbar für iOS und Android. Die App kostet einmalig rund 5,99 Euro (je nach App-Store kann der Preis leicht variieren).


Ein Multitool für Wetterbegeisterte: Windy (Tschechien)
Ob Wanderung, Skitour, Segeltörn oder einfach der Blick auf die Wetterentwicklung der nächsten Tage – „Windy“ gehört zu den umfassendsten Wetter-Apps Europas. Die Anwendung aus Prag bietet hochauflösende Wetterkarten, Wind-, Regen- und Temperaturprognosen sowie verschiedene Wettermodelle zum Vergleich. Hinzu kommen zahlreiche Spezialkarten, etwa zur Luftqualität, Pollenbelastung, Dürre, Waldbrandgefahr, Wellenhöhe oder Wolkenentwicklung. Für Wetterbegeisterte, Hobby-Meteorologinnen und -Meteorologen sowie Outdoor-Fans dürfte „Windy“ kaum Wünsche offenlassen. Die Fülle an Informationen mag anfangs etwas überwältigend sein – wer sich jedoch etwas einarbeitet, findet dort nahezu alles, was das Wetter betrifft. Die Basisversion ist kostenlos, „Windy“-Premium bietet zusätzliche Funktionen.
Verfügbar für iOS, Android und im Web. Die Premiumversion kostet rund 30 Euro pro Jahr.


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