Wenn die Sonne in den Keller zieht
Foto Wesley Tingey
Die Energiewende ist in vollem Gange und Batteriespeicher spielen dabei eine zentrale Rolle. Dieter Bischof, Berater für erneuerbare Energiesysteme beim Energieinstitut Vorarlberg, zeigt die Möglichkeiten und Limitierungen dieses Speichermediums auf.
Von Daniel Furxer

Bis vor wenigen Jahren wäre eine Installation eines Batteriespeichers völlig unrentabel gewesen. Heute liegen die Kosten für ein fertig installiertes System bei etwa 500 Euro pro Kilowattstunde.
Dieter Bischof, Energieinstitut
Immer mehr Privathaushalte haben in den letzten Jahren ihre Energieversorgung auf Photovoltaik umgerüstet. Gleichzeitig entsteht bei vielen der Wunsch, die Sonnenenergie noch effizienter zu nutzen. Immer mehr Hausbesitzerinnen und Hausbesitzer installieren neben Solarmodulen auf dem Dach daher auch einen Batteriespeicher im Keller. Die Idee dahinter ist simpel: Wer Strom selbst erzeugt, möchte möglichst viel davon auch selbst nutzen. Der große Vorteil dabei: In den letzten zwei, drei Jahren sind die Batteriespeicher wesentlich günstiger geworden. „Bis vor wenigen Jahren wäre eine Installation eines Batteriespeichers völlig unrentabel gewesen. Heute liegen die Kosten für ein fertig installiertes System bei etwa 500 Euro pro Kilowattstunde, die Hälfte dessen, was noch vor kurzem verlangt wurde“, erklärt Dieter Bischof. Eine Batteriespeicher mit 10 kWh kosten momentan rund 5.000 Euro. Bei 5 Kilowatt Peak (kWp) auf dem Dach erzeugt eine Photovoltaikanlage übers Jahr etwa 5.000 kWh. Das entspricht dem Verbrauch eines durchschnittlichen Privathaushalts. Doch Produktion und Verbrauch fallen zeitlich nicht zusammen. Mittags scheint die Sonne, der Strombedarf ist zu der Zeit im Haushalt jedoch oft gering. „Die typische Spitze zur Mittagszeit gibt es nicht mehr. Heute wird am Morgen und am Abend am meisten Strom verbraucht. Plakativ gesagt also dann, wenn man am Abend mit dem E-Auto heimkommt und es ansteckt, kocht und den Staubsauger einschaltet.“
Mit einer Photovoltaik kann der Eigenbedarf zu 30 % gedeckt werden, nimmt man einen Batteriespeicher dazu, kann dieser auf 60 % oder mehr gesteigert werden. „Das Verhältnis des Batteriespeichers zur kWp Leistung der Photovoltaikanlage sollte 1:1 bis 1:2 sein. Mit 5 kWp auf dem Dach ist ein 5 bis 10 kWh Batteriespeicher gut dimensioniert.“
Jede weitere kWh Batteriespeicher erhöht den Nutzen nur unwesentlich. Im Winter wird der Batteriespeicher nie richtig voll, im Sommer ist er zwar voll, man braucht aber weniger Energie und nutzt dann nur das obere Drittel des vollen Speichers.“ Die richtige Dimensionierung des Batteriespeichers ist also entscheidend.
Das Elektroauto als Energiespeicher
Ein Konzept, bei dem Bischof immer wieder Anfragen bekommt, ist das sogenannte bidirektionale Laden. Dabei kann die Batterie eines Elektroautos nicht nur Strom aufnehmen, sondern ihn auch wieder abgeben – etwa für das eigene Haus. Technisch sei das längst möglich, sagt Bischof. „Im Prinzip braucht man nur eine Wallbox, die den Gleichstrom aus der Autobatterie wieder in Wechselstrom für das Haus umwandelt.“ Warum es bisher nicht angewendet wird, liegt vor allem an regulatorischen Fragen. Hersteller müssen entsprechende Funktionen freischalten, Wallboxen und Fahrzeuge müssen miteinander kommunizieren können und auch Fragen der Stromherkunft oder steuerliche Aspekte sind noch nicht abschließend geklärt. Die Technik ist nicht das Problem. „Wenn solche Modelle umgesetzt werden, wird es zunehmend schwierig nachzuvollziehen, woher der eingespeiste Strom ursprünglich stammt. Bislang kommt der Strom, den Privathaushalte ins Netz einspeisen, praktisch vollständig aus Photovoltaikanlagen. Das würde sich jedoch ändern: Elektroautos könnten etwa an öffentlichen Ladestationen mit Strom geladen werden, der aus Kohlekraftwerken stammt, und diesen später in den eigenen Haushalt oder ins Netz zurückspeisen.“
Enegiespeicher als Blackoutvorsorge?
„Abgesehen davon, dass ein Blackout in Vorarlberg recht unwahrscheinlich ist und schnell wieder behoben wäre, eignet sich ein Batteriespeicher nur bedingt als Notstrom.“ Der gespeicherte Strom würde, je nach Speichergröße und Verbrauch, in wenigen Stunden aufgebraucht sein. Ob danach die Photovoltaikanlage genug Strom nachproduziert, ist sehr wetterabhängig, also ungewiss. Während des Notstrombetriebs muss das Gebäude vom öffentlichen Netz getrennt sein. Das kann manuell passieren oder automatisch.
Die Nachteile des Batteriespeichers
Ein großer Nachteil ist nach wie vor, dass der Batteriespeicher nur etwa die Hälfte der Lebensdauer einer Photovoltaikanlage hat. Bei einer Lebensdauer von 25 bis 30 Jahren für eine Photovoltaik hält der Batteriespeichern nur 15 bis 20 Jahre. „Viele Batterien werden derzeit noch großteils thermisch vernichtet, also verbrannt, und keiner Kreislaufwirtschaft zugeführt. Die Batterien werden in Zukunft wichtige Rohstoffquellen sein“, sagt Bischof. „Deshalb wird das Recycling auch stark ausgebaut werden. Hier stecken die Entwicklungen jedoch erst in den Kinderschuhen.“
Dynamische Strompreise steuern in Zukunft den Markt
Die VKW setzt seit Anfang 2026 auf dynamische Strompreise und reagiert damit darauf, dass sehr viele Haushalte bei sonnenreichen Tagen Strom ins Netz einspeisen. „Moderne Wechselrichter und Energiemanagementsysteme können sich dem anpassen und den Strom vom Dach dann speichern, wenn Einspeisungsvergütung gering ist. Künstliche Intelligenz ist dazu nicht notwendig. Der Strompreis ist am Vortrag ab 16 Uhr bekannt und das System kann sich danach richten. Das bringt die Stromerzeugung und den Verbrauch näher an ein Gleichgewicht und entlastet dadurch auch das Stromnetz. Darum werden netzdienliche Energiespeicher auch von der VKW mit bis zu 500 Euro pro kWh gefördert. Der Bund wiederum fördert, in Kombination mit einer Photovoltaikerrichtung, drei Mal im Jahr Batteriespeicher mit bis zu 150 Euro pro kWh.
„Bei aller Euphorie um die Batteriespeicher muss man aber auch ehrlich sagen, dass der Speicher in diesem Zusammenhang nie eine Cashcow sein wird.“ Neben oben genanntem Effekt ist das Energietrading, also dass ohne den PV-Strom zu berücksichtigen, der Batteriespeicher bei niedrigen Strompreisen aus dem Netz geladen wird und bei hohen Strompreisen ins Netz entladen wird, nicht lohnend. Da auch eine Netzwerkgebühr zu entrichten ist, werden so mögliche Gewinne aufgehoben.
Großspeicher im Containerformat, Pumpspeicherkraftwerke oder flexible Verbraucher könnten künftig helfen, Angebot und Nachfrage besser auszugleichen. Gleichzeitig entstehen neue Marktmodelle mit dynamischen Strompreisen, bei denen Strom je nach Tageszeit unterschiedlich teuer ist. Batteriespeicher werden für viele Haushalte so zu einer sinnvollen Ergänzung zur Photovoltaikanlage: Sie erhöhen den Eigenverbrauch deutlich und sind in den letzten Jahren wesentlich günstiger geworden. Gleichzeitig zeigen sich klare Grenzen, etwa bei Lebensdauer, Wintererträgen oder als Notstromlösung. Entscheidend bleibt die richtige Dimensionierung des Batteriespeichers.
Energieautonomie Vorarlberg 2026–2030
Beschluss:
Vorarlberger Landtag beschloss am 11.03.2026 einstimmig neue Strategieschwerpunkte.
Ziel:
Energieunabhängigkeit bis 2050 durch heimische erneuerbare Energien.
Kernmaßnahmen:
Energiesparen, Energieeffizienz, Ausbau erneuerbarer Energieträger.
Schwerpunkte bis 2030:
100 % erneuerbarer Strom, erneuerbare Wärme & Prozessenergie, nachhaltige Mobilität, Vorbildrolle der öffentlichen Hand.
Bedeutung:
Mehr Versorgungssicherheit, stabile Energiepreise und stärkere regionale Wirtschaft.






