Vom feministischen Herzensprojekt zum selbstständigen Business
Foto Angela Lamprecht
Schon als Radiojournalistin bemerkte Luca Martina Huber, dass die Expertise von Frauen weit weniger sichtbar ist als jene von Männern. 2022 startete sie daher den Podcast „Sunsch no was.“, um Expertinnen eine Plattform zu geben. Mit Anfang 2026 hat sie den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt.
Von Matthias Köb
Luca Martina Huber ist erst 26 Jahre alt. Dennoch hat sie in ihrer beruflichen Karriere schon einige Neuanfänge gewagt. Auf den ersten Blick scheint es also verwunderlich, wenn sie sagt: „Dieses ‚Mach einfach‘, das man oft hört, finde ich nicht immer zielführend. Meinen Podcast habe ich zwar auch ‚einfach gemacht‘ – aber wenn es beispielsweise darum geht, ein Unternehmen zu gründen, sollte man das nicht leichtfertig tun.“
Huber weiß, wovon sie spricht. Anfang 2026 hat sie den Schritt in die Selbstständigkeit vollzogen und ihr „SNW.-Studio“ gegründet. Sie bietet Moderation, Podcast-Coaching und -Produktion an und sieht sich in ihrer Rolle als Speakerin und Podcasterin als „Stimme der Gen Z im Hinblick auf feministische Fragen, soziale Dynamiken und den Wandel von Werten in der Arbeitswelt“, so Huber. Über diese Themen spricht sie seit vier Jahren auch in ihrem Podcast „Sunsch no was.“ – die Langversion ihres Studio-Namens und die Abschlussfrage in jeder einzelnen Episode. Das Ziel des Podcasts: Expertinnen sichtbar machen.
Über die Begeisterung zum richtigen Job
Begonnen hat ihr Weg mit einem kurzen Wien-Abenteuer. Eingeschrieben als Jus-Studentin, hat sie schnell gemerkt: „Die anderen haben richtig gebrannt für das Studium. Das konnte ich bei mir überhaupt nicht feststellen.“ Gleichzeitig war da die Erkenntnis: Es braucht einen Plan B. „Auch meinen Eltern gegenüber. Die hatten mir knapp ein halbes Jahr davor noch geholfen, in Wien alles einzurichten. Da konnte ich nicht ohne Alternative schon wieder heimkommen“, lacht Huber und ergänzt: „Dabei waren sie eh stolz auf mich, dass ich so schnell zu der Erkenntnis gekommen bin.“
Sie stellte sich also erst einmal selbst die Frage, wofür sie eigentlich brennt. „Bühne, sprechen, präsentieren – das hat mich immer begeistert. Das konnte ich auch irgendwie schon immer.“ Also bewarb sie sich – noch in Wien wohnhaft – bei Antenne Vorarlberg und einer Schauspielschule in München. Ersteres kristallisierte sich rasch als spannende Option heraus. Ein paar Wochen später startete das Volontariat beim Radiosender, wiederum wenige Monate später war Huber mit den Nachrichten das erste Mal „on air“.
Wer – in Anbetracht des weiteren Berufswegs– jetzt denkt, beim „On-air-Sein“ wäre sofort klar gewesen, dass das das Richtige ist, der irrt. Rückblickend sagt Huber: „Ich war schon stolz, dass man mich im Radio hört. Aber wirklich sicher und wohl habe ich mich in meiner Rolle nie gefühlt.“ Die eigene Stimme und die eigene Art zu sprechen, waren ihr irgendwie fremd. Ebenso kam die Erkenntnis, dass sie eigentlich tiefer in Themen eintauchen möchte, nicht nur in Form von zweiminütigen Nachrichtenbeiträgen.
Auf die Kündigung folgte ein Studium an der FH Vorarlberg. Und damit auch die intensive Auseinandersetzung mit Themen, die sie – nicht nur in ihrem Podcast – bis heute begleiten. „Feminismus, Gleichberechtigung, Gender Pay Gap – da habe ich sofort gespürt, dass ich mich zu diesen Themen einbringen und sie verstehen möchte.“ Im Zuge ihrer wissenschaftlichen Auseinandersetzung damit begegneten ihr immer wieder der Begriff der „Sichtbarkeit“ und die Tatsache, dass Frauen im öffentlichen Diskurs, insbesondere in der Medienlandschaft, noch immer unterrepräsentiert sind.
Aus ihrer Zeit im Journalismus wusste sie, dass dort oft hoher Zeitdruck herrscht. Das wiederum führt dazu, dass man – wenn man Expertise für ein Interview benötigt – oftmals die altbekannten Nummern wählt und somit jene Stimmen zu Wort kommen lässt, die im öffentlichen Diskurs auch in der Vergangenheit schon öfters zu hören waren. „Zudem sind immer noch deutlich weniger Frauen in entsprechenden Funktionen zu finden: Wer vertritt denn die Wirtschaftskammer? Wer steht bei Konzernen an der Spitze? Ich hatte in meiner Zeit als Journalistin oft Gespräche mit Frauen, die fachlich absolut sattelfest waren – aber wenn ich dann gefragt habe, ob wir nicht ein Interview machen könnten, kam die Antwort: ‚Nein, das muss der Chef machen‘.“
Frauen vors Mikro
Aus diesen Erfahrungen und Recherchen heraus entwickelte Huber 2022 das Konzept für ihren Podcast. Zu „Sunsch no was.“ lädt sie spannende Frauen und Expertinnen aus unterschiedlichen Bereichen ein und spricht mit ihnen über gesellschaftsrelevante Themen – darunter etwa die Konflikt- und Friedensforscherin Lisa Hämmerle, die Direktorin des Landesrechnungshofs Brigitte Eggler-Bargehr, Dirigentin Verena Giesinger oder Berufssoldatin Angelica Moser. Worum es ihr dezidiert nicht geht: ihren Gästinnen reißerische Aussagen zu entlocken, um damit Reichweite zu generieren. „Ich will, dass die Menschen zuhören und reflektieren – und keine künstliche Aufmerksamkeit erzeugen.“
Huber weiß mittlerweile aus Erfahrung, dass sie mit ihrem Podcast dazu beiträgt, dass Frauen auch für andere Sendungen und Formate interessant werden. „Bei mir waren einige Frauen zu Gast, die zum ersten Mal vor einem Mikrofon gesessen sind und somit erstmals öffentlich ihre Expertise zeigen konnten – und danach plötzlich auch mehr in der Öffentlichkeit waren“, so Huber und ergänzt: „Für Journalistinnen und Journalisten ist das eben auch ein bisschen eine Absicherung, wenn man weiß: Die Person kann gut reden und hat etwas zu sagen.“
Darüber hinaus sind für Huber die Frauen in ihrem Podcast auch Vorbilder. Ihr ist wichtig zu zeigen, dass Frauen Expertise in Bereichen haben, in denen sie gesellschaftlich unterrepräsentiert sind – beispielsweise in der Finanzwelt. „Wenn da nie eine Frau steht und zu Wort kommt, dann weißt du als Frau gar nicht, dass es all diese Möglichkeiten auch für dich gibt.“ Zudem gibt es jährliche Netzwerktreffen, bei denen sich die Expertinnen auch untereinander austauschen und kennenlernen können.
Auch privat ist es Huber wichtig, ihren Standpunkt als Feministin zu vertreten. Doch auch in dieser Rolle ist ihr Zugang, die Menschen eher zum Nachdenken zu bringen, anstatt sie zurechtzuweisen: „Ich habe mal von einem Vater den Satz gehört: ‚Also ich würde keine Frau einstellen, denn die wird dann ja eh schwanger‘.“ Hubers Reaktion darauf: „Ist dir eigentlich klar, dass du gerade deine Töchter ausgrenzt?“ Wenn am Fußballplatz Eltern rufen, jemand solle nicht „wie ein Mädchen“ spielen, erwidert sie: „Wie spielen denn Mädchen?“
Während der zweiten Staffel ihres Podcasts wurde der ORF Vorarlberg auf Huber aufmerksam, worauf sie während ihres letzten Semesters an der FH beim öffentlichen Rundfunk zu arbeiten begann. „Eigentlich wäre es für mich der logische Schritt gewesen, nach dem Studium in die Selbstständigkeit zu starten. Aber dann kam die Möglichkeit, beim ORF zu moderieren, und das wollte ich ausprobieren“, erinnert sie sich.
Zwei Jahre später ist der Schritt nun erfolgt – und fühlt sich irgendwie größer an, als er es unmittelbar nach dem Studium tat. „Wenn du in der Komfortzone einer Fixanstellung bist, dann ist das Thema Selbstständigkeit weit weg. Dadurch war es jetzt für mich kein logischer nächster Schritt mehr, sondern ein intensiver Prozess.“ Womit wir wieder beim eingangs erwähnten „Mach einfach“ wären. „So ein Schritt ist nicht einfach, und ich finde, man sollte das auch nicht romantisieren“, so Huber. Dennoch will sie – insbesondere auch anderen Frauen – nicht grundsätzlich vom Schritt in die Selbstständigkeit abraten. „Es bringt einfach nichts, wenn dir alle anderen sagen: ‚Mach es einfach‘, wenn du dir selbst noch nicht zu 100 Prozent im Klaren bist.“ Ihr Ratschlag fällt dementsprechend differenziert aus: „Überleg dir genau, wie dein Angebot und deine Honorarstruktur aussehen und welche Infrastruktur du brauchst. Dann startest du nicht nur mutig, sondern auch strategisch durch. Kurz gesagt: Mach es, aber mit Plan.“
Weitere Informationen: lucamartinahuber.com






