Buschenschank-Pop-up: Finca Obskura in Neustift am Walde

Wenn Lukas Valenta Rinner und Yael Svoboda sonst hinter der Kamera stehen, dann meist bei Filmen, die in Berlin, Cannes oder Venedig laufen. Seit ein paar Jahren steht das Duo aber auch zwischen alten Rebstöcken in Neustift am Walde – und ab diesem Sommer sogar hinter dem Schanktisch. Mit einer gepachteten Hütte mitten im eigenen Weingarten wagen sich die beiden Filmschaffenden erstmals an einen waschechten Wiener Buschenschank, wenn auch nur als Pop-up.

Vom Filmset in den Weingarten

Die Geschichte von Finca Obskura beginnt 2023, zunächst noch ohne eigene Rebflächen: Rinner und Svoboda verarbeiteten Mikrochargen von Trauben befreundeter Winzer:innen. Seit 2024 bewirtschaften sie in Neustift am Walde eigene Weingärten – nach biodynamischen Prinzipien und im Sinne der Low-Intervention-Methode. Die Trauben, teils von bis zu achtzig Jahre alten Stöcken der Sorten Grüner Veltliner, Riesling, Chardonnay und Gemischter Satz, werden von Hand gelesen und im Keller mit spontaner Gärung, kleinen Chargen und alten Fässern zu ungefilterten Weinen, Wiener Wermut und Pét Nats verarbeitet – ganz ohne Zusatzstoffe oder nachträgliche Korrekturen.

Den önologischen Rüstzeug dafür holten sich die beiden an der Österreichischen Weinakademie. Die tiefere Inspiration aber stammt aus Svobodas Familiengeschichte: Ihre Urgroßeltern stellten in der argentinischen Weinregion San Juan einst Vino Patero her, Naturwein, gepresst mit bloßen Füßen. Der Name des Weinguts wiederum spielt auf die Camera obscura an – jene Urform der Fotografie, bei der Licht zum Bild wird. Für Rinner und Svoboda ist das eine doppelte Metapher: für die Traubenreifung im Sonnenlicht ebenso wie für ihren bisherigen Hauptberuf als Filmproduzent:innen.

Ein Buschenschank mit Buenos-Aires-Akzent

Neu ist nun der Schritt vor die eigene Tür – im wörtlichen Sinn. Mit der Pacht einer kleinen Hütte inmitten des Weingartens eröffnet sich Finca Obskura erstmals die Möglichkeit, den eigenen Wein dort auszuschenken, wo er wächst. An vier Terminen im Sommer und Herbst 2026 verwandelt sich die Salmannsdorfer Höhe 10 in einen Pop-up-Buschenschank: am 25. Juli, am 29. August sowie am 26. und 27. September – letzterer fällt mit dem Wiener Weinwandertag zusammen.

Kulinarisch wird dabei die klassische Buschenschankjause neu gedacht. Statt Grammelschmalz und Liptauer gibt es eine Brettljause mit spürbarem Buenos-Aires-Aperitivo-Flair: Empanadas, Bondiola, argentinischer Schopfspeck, Käse, Oliven, Pickles und Sándwiches de miga treffen auf Wiener Hauerweine – eine kulinarische Melange, die ebenso wie die Weine selbst zwei Kontinente und zwei Biografien verbindet.

Buschenschank im Weingarten
Termine:
25. Juli und 29. August 2026, 16–21 Uhr
26. und 27. September 2026, 10–18 Uhr

Um Anmeldung wird gebeten
Ort: Finca Obskura


Foto Roman Kasseroller


Wenn Regie und Rebstock zusammenfinden

Dass zwei Quereinsteiger ohne klassischen Winzer:innenhintergrund in Neustift am Walde Naturwein produzieren, war schon bislang eine Geschichte, die für Aufsehen sorgte. Dass sie nun auch noch einen eigenen Ausschank eröffnen, fügt der ungewöhnlichen Karriere ein weiteres Kapitel hinzu – und bringt die Frage mit sich, wie viel Kino eigentlich in einem Glas Wein stecken kann.

Im Hauptberuf sind Rinner und Svoboda mit ihrer Nabis Filmgroup nämlich weiterhin international gefragt. Aktuell läuft mit »Dracula« (RO/AT/LU 2025) von Radu Jude – einem der wichtigsten Regisseure des zeitgenössischen rumänischen Kinos – ein unter maßgeblicher Beteiligung der Nabis Filmgroup produzierter Film in ausgewählten österreichischen Kinos an. Rinner selbst wurde 2017 für seine Regiearbeit »Die Liebhaberin« (AT/KR/AR 2016) mit dem Hauptpreis der Diagonale für den besten Spielfilm ausgezeichnet.

Zwischen Drehbuch und Rebschnitt, zwischen Festivalteppich und Kellergasse: Bei Finca Obskura verschwimmen die Grenzen zwischen den Berufen – und laden im Sommer 2026 erstmals auch das Publikum dazu ein, sich selbst ein Bild zu machen.


Weitere Informationen:
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Finca Obskura


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