Weniger Optimierung, mehr Magic

Von Bibi Rhomberg

Ich habe einmal gelesen, dass Kinder, wenn man sie fragt, was sie an sich verändern würden, von Meerjungfrauenschwänzen, Superkräften oder Flügeln träumen. Erwachsene hingegen wünschen sich weniger Bauch, glatte Haut, mehr Disziplin. Doch kommen diese Wünsche wirklich aus unserem Innersten, oder sind sie das Produkt einer Konsumgesellschaft, die uns täglich zuflüstert, dass wir, so wie wir sind, noch nicht genügen?


Auf dem Weg ins Erwachsenenleben legen wir nach und nach unseren „Magicanzug“ ab, der uns mit Freude und Leichtigkeit durchs Leben gehen lässt. Je länger wir auf der Erde sind, desto mehr scheint uns die Gesellschaft zu lehren, Makel statt Magie zu sehen. Irgendwann hören wir auf zu träumen und fangen an, uns zu optimieren. Wir erledigen immer mehr – oft auch selbst auferlegte – Aufgaben, die uns jedoch nicht wirklich erfüllen.


Was gut gemeint als Selbstfürsorge beginnt – mehr Schlaf, bessere Ernährung, bewussterer Lebensstil – kann sich, online wie offline, schleichend in Leistungsdruck verwandeln. Und plötzlich bewirkt es genau das Gegenteil von dem, was eigentlich beabsichtigt war.


Besonders sichtbar wird das in sozialen Medien. Influencerinnen und Experten teilen täglich detaillierte Protokolle für nahezu jeden Aspekt des Lebens: Schlaf, Licht, Fokus, Hormone, Ernährung. Die Intention dahinter ist meist gut, die Inhalte oft fundiert und trotzdem hat die Kultur, die daraus entstanden ist, etwas Erschöpfendes. Wer nicht um sechs Uhr morgens Sonnenlicht tankt, kalt duscht, zum Gua Sha greift und die Abendroutine penibel durchzieht, hat schnell das Gefühl zurückzuliegen. In einem Wettbewerb, an dem niemand teilnehmen wollte und den auch niemand gewinnt.


Je stärker wir von außen mit Perfektionsansprüchen beschallt werden, desto wichtiger wird es, uns Momente der Stille zu erlauben und Raum zu schaffen, in dem wir nach innen hören können: Was brauche ich gerade wirklich? Und manchmal ist die Antwort genau das Gegenteil dessen, was die Welt da draußen nahelegt. Vielleicht ist es eine unproduktive Stunde auf dem Sofa, einfach ins Leere zu schauen. Oder ein Glas Wein mit einer Freundin anstatt der Fitnesseinheit.

Kleine Einladungen
Nicht als To-do-Liste, sondern als Impulse zum Innehalten:
Welche Gewohnheiten pflegst du wirklich für dich und welche für den Vergleich? Was würde passieren, wenn du heute einfach nichts optimierst? Welches Ritual gibt dir Energie und welches raubt sie dir?
Miste regelmäßig digital aus. Welche Accounts bereichern dich und welche hinterlassen ein leises Gefühl des Nicht-genug-Seins?


Beobachte deinen inneren Dialog. Lassen sich Sätze wie „Ich müsste eigentlich …“ oder „Ich sollte mehr …“ durch positivere ersetzen? Zum Beispiel: „Heute entscheide ich mich bewusst für …“
Wenn wir alle dasselbe tun, denselben Idealen nacheifern und gleich aussehen wollen, geht das Wertvollste verloren: unsere Essenz. Unser ganz persönlicher „Magicanzug“.


Wer nicht ständig optimiert, ist nicht faul, sondern vertraut darauf, im gegenwärtigen Moment genau richtig zu sein. Und schafft damit Raum für ein Wachstum, das individueller ist und auf magischeren Ebenen passieren darf als im Rationalen.

Bibi Rhomberg verbindet Clean Beauty, Make-up und Yoga zu einem ganzheitlichen Konzept: „Beauty Inside Out“ – für innere Schönheit und bewusste Pflege.


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