Liebe Leserin, lieber Leser,
Foto Angela Lamprecht
die Sehnsucht nach Freiheit teilen vermutlich viele Menschen – doch wie kann man das wertvolle Gut in das eigene Leben hineinweben? Neben persönlichen Grenzen gilt es zunehmend auch die Auswirkungen der eigenen Entscheidungen auf Ressourcen, Klima und soziale Gerechtigkeit zu berücksichtigen. Dass dies nicht beengend, sondern äußerst bereichernd sein kann, zeigen wir in unserer Sommerausgabe mit dem Schwerpunkt „Frei!“. Wir stellen Ihnen Themen vor, die zu einem freieren Leben mit Verantwortung inspirieren – zum Beispiel neue Formen des Reisens, neue Möglichkeiten, Naturverbundenheit zu erleben und neue Konzepte, die Erholung und Horizonterweiterung verbinden.
Wolfgang Lotter erläutert in seinem Essay, warum Freiheit heute – in einer Zeit voller Unsicherheiten, Existenzfragen, Krisen und Kriege – umso bedeutsamer geworden ist. Er beleuchtet die gesellschaftliche und politische Dimension des Begriffs und empfiehlt, nicht wie ein „Duracell-Häschen“ brav mitzulaufen, sondern das eigene Leben aktiv zu gestalten. Dabei erklärt er, dass sich der persönliche Freiraum nicht ohne den der anderen denken lässt und dass man sich – um seine Freiheit zu schützen – kompromissbereit mit anderen verbünden muss.
Eine besondere Art von Befreiung betreibt der Niederländer Marijn Tinga, der per Surfboard von Oslo bis Rom reiste. Die von ihm gegründete Organisation „Plastic Soup Surfer“ kämpft mit unkonventionellen Mitteln für plastikfreie Ozeane und gegen die Entstehung von Kunststoffabfall.
Wer selbst nachhaltig reisen möchte, findet in unserem Heft vielseitige Anregungen: Wir berichten zum Beispiel vom „Hitchsailing“, bei dem man auf Booten über Gewässer trampen kann, und wir zeigen, wie es sich dank des Reiseveranstalters „FairAway“ per Elektroauto bestens durch Europa touren lässt.
Selbst im Luxussegment gibt es Lichtblicke: Auf dem Atoll Tetiaroa in Französisch-Polynesien verbindet das von Marlon Brando initiierte Luxusresort „The Brando“ exklusiven Rückzug mit wissenschaftlich fundierter Verantwortung. Gemeinsam mit der „Tetiaroa Society“ wird das sensible Ökosystem dort erforscht – von Biodiversität und Korallenökologie bis zu den Folgen des Klimawandels.
Auch der Film „Home Is The Ocean“ erzählt von Freiheit – aber nicht als Sehnsuchtsbild. Unsere Autorin hat Regisseurin Livia Vonaesch im Appenzellerland besucht und mit ihr über ihre Langzeitdokumentation gesprochen, die ein radikales Familienleben ohne Verklärung beobachtet: Seit fast drei Jahrzehnten lebt die Schweizer Familie Schwörer auf ihrem Expeditionsboot „Pachamama“ und macht die Folgen des Klimawandels dort erfahrbar, wo sie besonders sichtbar werden – auf den Ozeanen und in den Polarregionen. Zurück bleibt eine Frage, die weit über den Film hinausreicht: Was bedeutet Freiheit, wenn sie nicht Bequemlichkeit meint, sondern Verantwortung, Verzicht, Nähe zur Natur und den Mut, ein „anderes“ Leben wirklich zu leben?
Wo und wie auch immer Sie Ihren Sommer verbringen, wir wünschen Ihnen schöne Freiheitsgefühle!
Evi Ruescher, Herausgeberin






