Man fährt wieder Rad
Das Hobby-Eliminator-Rennen: Schnell und spektakulär. Fotos buero balanka, Matak Studios
Das Programm der „Dornbirner Radtage“ ist enorm vielseitig: Es wird getestet, gefeiert und diskutiert, es gibt Rennen für Profis, Hobbyfahrer und -fahrerinnen und Kids. Das Ziel der Radtage ist klar: Menschen mit einer Leidenschaft fürs Radfahren zusammenzubringen und noch mehr Menschen dafür zu begeistern. Von Christian Dittmann
Am 25. August 2024 zeigte sich der Dornbirner Marktplatz nicht von seiner schönsten Seite. Besser gesagt: Der anhaltende und starke Regen sorgte für etwas ungemütliche Sonntags-Stimmung. Es war der zweite Tag der „Dornbirner Radtage“ 2024. „Als wir am Sonntag in der Früh mit dem Aufbau begonnen haben, dachten wir: Okay, bei dem Wetter wird das ein kleines Starterfeld beim Kids-Race“, erinnert sich Organisator Matthias Köb vom „buero balanka“. Und lag mit der Einschätzung ziemlich falsch. Denn trotz des trüben Wetters trudelten am Marktplatz mehr als 60 Kinder ein – ausgestattet mit Fahrrädern, Regenbekleidung und einem Lachen im Gesicht. Und bereit für das Kids-Race. „Letztendlich sind sogar mehr gekommen, als vorab angemeldet waren. Besser kann man die Begeisterung fürs Radfahren wohl gar nicht vermitteln“, sagt Köb.

Vom 1. bis zum 4. Mai finden die „Dornbirner Radtage“ nun zum zweiten Mal statt. Die Intention hinter der Veranstaltung hat sich nicht geändert. Es geht darum, das Fahrrad in all seinen Facetten zu feiern, Begeisterung für das Radfahren zu vermitteln und die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten zu zeigen – vom Sportgerät über das Fortbewegungsmittel im Alltag bis hin zum Spielgerät für Kinder. Entsprechend umfangreich ist das Programm: Kids-Race, Diskussionsrunde, Gruppenfahrten, Lastenrad-Probefahrten, Kinder-Parcours, Eliminator-Rennen (Hobby und Lizenzfahrer und -fahrerinnen) und vieles mehr. Dazu präsentieren „Simplon“ und die lokalen Radgeschäfte ihr Sortiment und stellen unterschiedlichste Bikes für Testfahrten zur Verfügung. An den Abenden wird dann bei Livemusik von Cordoba 78 und DJ Set gefeiert. „Der Marktplatz wird zum Treffpunkt für Radbegeisterte aus dem ganzen Land. Wir wollen zeigen, wie vielfältig das Radfahren ist und wie das Fahrrad das Leben verbessern kann – individuell und im Hinblick auf das Zusammenleben in der Stadt“, so Köb.
Dass das Fahrrad als Fortbewegungsmittel gerade im städtischen Raum enorme Vorteile bringt, lässt sich durchaus mit Fakten belegen: Es ist bei Distanzen bis zu fünf Kilometern nachweislich das schnellste Verkehrsmittel. Zudem verursacht es keine Emissionen und Lärm, was sich positiv auf die Atmosphäre einer Stadt auswirkt. Darüber hinaus ist es äußerst platzsparend, auch im geparkten Zustand. Studien zeigen außerdem, dass bereits eine halbe Stunde Radfahren täglich – also beispielsweise die Arbeitswege mit dem Rad zurückzulegen – das Krankheitsrisiko deutlich senkt.


Neben dem Mobilitätsaspekt wird bei der zweiten Auflage der Radtage das Rad auch als Sportgerät noch mehr in den Fokus gerückt – unter anderem durch die Kooperation mit dem Dornbirner Radfahrerverein. Während am 1. Mai die Hobbyfahrer und -fahrerinnen um den 1. Platz beim spektakulären Eliminator-Rennen um die Kirche kämpfen, sind am 2. Mai dann die Profis am Start. Das heißt: Mitten in der größten Stadt Vorarlbergs finden die Österreichischen Meisterschaften im Eliminator-Modus statt – inklusive Steilkurven, Rampen und Sprüngen. „Mit dem Format holen wir eine actiongeladene und hochkarätige Wettkampfserie ins urbane Umfeld und machen den Mountainbike-Sport einem breiten Publikum zugänglich“, so Martin Salzmann, Obmann des RV Dornbirn. „Dieses Format schafft eine einzigartige Atmosphäre: Die Zuschauer erleben packende Sprintduelle hautnah, die Rennstrecke wird zur Eventfläche und der Sport wird für alle greifbar, auch für jene, die bisher wenig Berührungspunkte mit dem Radsport hatten.“ Am Samstag und Sonntag geht es dann mit den traditionellen MTB-Rennen am Zanzenberg weiter.
Gerade in Zeiten, in denen sich mehr und mehr Menschen nachweislich zu wenig bewegen, haben natürlich auch die Rennen mehr als nur Event-Charakter. „Die Dornbirner Radtage“ sind eine großartige Möglichkeit, den Radsport zu präsentieren, ein unvergessliches Erlebnis für Athleten und Athletinnen und Fans zu schaffen und noch mehr Menschen für Bewegung und Wettbewerb zu begeistern“, so Salzmann.
Die Voraussetzungen für ein begeisterndes Wochenende ganz im Zeichen des Radfahrens sind also gegeben. Man kann den Organisatoren also nur wünschen, dass das Wetter sich von einer besseren Seite präsentiert als am Sonntag im vergangenen Jahr. Und falls dieser Wunsch nicht in Erfüllung geht, so dürfen sich alle ein Beispiel an der kindlichen Unbekümmertheit und Freude vom letzten Jahr nehmen.

Im Gespräch mit dem Original spricht Organisator Matthias Köb vom „buero balanka“ darüber, wie das Radfahren sein Leben besser macht und warum das „Konkurrenzdenken“ zwischen Auto und Fahrrad der falsche Ansatz ist.
Foto Janine Brugger
Bei den „Dornbirner Radtagen“ wird das Fahrrad „in all seinen Facetten“ gefeiert. Welche Rolle spielt das Rad in deinem Leben?
Matthias Köb: Bei uns im Büro sind alle begeisterte Radfans. Das Rad ist für uns einerseits ein Sportgerät, vor allem aber auch das Hauptfortbewegungsmittel im Alltag. Wir beschäftigen uns also aus persönlichem Interesse seit vielen Jahren mit dem Thema. Dadurch haben wir ein bisschen Ahnung davon. Dass wir uns mittlerweile auch beruflich als Kommunikations- und Veranstaltungsagentur intensiv damit beschäftigen können, ist natürlich eine erfreuliche Entwicklung.
Stichwort Fortbewegungsmittel: Manchmal hat man das Gefühl, im Straßenverkehr geht es immer um Auto gegen Fahrrad – wie siehst du das?
Der Zugang kann nicht sein, das eine gegen das andere auszuspielen. Natürlich sind wir der Meinung, dass das Rad – gerade im urbanen Umfeld – das beste Verkehrsmittel ist, für einen selbst und für die Umwelt. Aber mehr Akzeptanz für das Radfahren erreicht man nicht dadurch, dass man auf die Autos schimpft. Vielmehr braucht es gegenseitigen Respekt und Rücksichtnahme. Mit den „Dornbirner Rad-tagen“ wollen wir einfach die vielen positiven Seiten des Radfahrens zeigen und vermitteln, wie jeder und jede davon profitieren kann. Ohne dass wir etwas anderes schlecht machen.
Wie macht das Fahrrad deinen Alltag besser?
Wie schon erwähnt, lege ich eigentlich alle Alltagswege mit dem Rad zurück. Das hat den direkt messbaren Vorteil, dass ich mir täglich ungefähr eine halbe Stunde Fahrzeit spare im Vergleich zu anderen Verkehrsmitteln. Zudem komme ich mit einer ganz anderen Stimmung im Büro an, wenn ich mich davor an der frischen Luft bewegt habe. Am Heimweg hilft es, dass man den Arbeitsstress nicht mit nach Hause schleppt. Die zahlreichen gesundheitlichen Vorteile von regelmäßiger Bewegung – auch wenn es nur kurz und mit moderater Anstrengung ist – sind ohnehin ausreichend belegt.
Was wünscht ihr euch für die „Dornbirner Radtage“?
Wenn es gelingt, dass sich am Marktplatz viele radbegeisterte Menschen treffen und ihre Leidenschaft teilen, ist das schon wunderbar. Das Programm ist ja abwechslungsreich, es ist für alle Radfans etwas dabei – von Jung bis Alt. Idealerweise locken wir auch ein paar Menschen an, für die das Rad (noch) kein so großes Thema ist und die von der Begeisterung angesteckt werden.
Dornbirner Radtage 1. bis 4. Mai 2025
Weitere Informationen: dornbirner-radtage.com






