Der Weg zum eigenen Kräutergarten
Ihr Aroma verführt die Sinne, ganz nonchalant fördern sie die Gesundheit – und gut aussehend sind sie noch dazu. Kräuter sind pflegeleicht, vielseitig und leicht anzubauen.
Von Ulrike Waldbach
Kräuter, die wahren Multitalente
Sie verfeinern Speisen, bereichern Tees und Erfrischungsgetränke, finden Verwendung in Naturkosmetik und Hausapotheke. Zudem locken sie Insekten an, duften wunderbar und sind in jedem Garten ein Hingucker.
Die Gestaltungsmöglichkeiten sind ebenso vielfältig wie ihre Aromen und Inhaltsstoffe. Das eigene Kräuterparadies anzulegen, ist leicht und lohnt sich schon auf kleinem Raum.


Den richtigen Platz finden
Die meisten Kräuter mögen es sonnig und geräumig. Mediterrane Sorten wie Rosmarin, Lavendel, Thymian brauchen sehr viel Sonne und schätzen Steine oder Wände als Wärmespeicher. Heimische Küchenkräuter wie Schnittlauch, Petersilie, Dill und Brunnenkresse fühlen sich im Halbschatten wohler.
Viele Formen sind möglich
Die Kräuterspirale ist wohl die ökonomischste Lösung, sie bietet in verschiedenen Zonen jeder Kräuterart das passende Milieu. Ränder von Gemüsebeeten eignen sich auch hervorragend, weil Kräuter mit ihren ätherischen Ölen das Wachstum der Pflanzen anregen oder wie die Ringelblume den Boden als Gründünger nähren. Wird der Garten mit Vierbeinern geteilt, ist ein Hochbeet ratsam, da freut sich der Gärtnerrücken gleich mit.
Obstkisten oder Weidenkörbe bieten Kräutern ein hübsches Outfit. Bei Wannen und Kübeln sollte man vor dem Pflanzen überprüfen, ob eine Drainage möglich ist, ansonsten müssen Löcher in die Behälter gebohrt werden. Pflanzen mögen keine Staunässe. An Orten mit wenig Platz sind vertikale Lösungen wie an Paletten befestigte Hängetaschen oder Pyramiden mit Tontöpfen schick.
Tipp: Für größere Projekte wie Kräuterspiralen, runde, eckige Beete oder Hochbeete legt man zuerst mit Sägespänen oder Ästen die gewünschte Form auf den Boden und bekommt so einen ersten Eindruck.
Die Wahl der Erde ist besonders wichtig
Die meisten Kräuter brauchen einen kargen und durchlässigen Boden.
Für die Pflanzen aus dem Süden können Kalkschotter, Kieselsteine und gemahlene Tonscherben unter die Gartenerde gemischt werden. Ist der Boden zu lehmig, arbeitet man etwas Sand ein. Viele Küchenkräuter, wie Petersilie, Schnittlauch, Liebstöckel und Ringelblume, begnügen sich mit gängiger Gartenerde. Feucht und nahrhaft hingegen mögen es Brunnenkresse und die Minzen.
Gut zu wissen
Kapuzinerkresse, Basilikum, Ringelblume, Kamille, Kornblume sind einjährig, sie bilden Samen und blühen bis zum Frost. Beim Kauf auf samenfeste Sorten achten. So kann man im Herbst eine eigene Samenbank anlegen und hat auch stets Geschenke für Gartenfreunde parat. Dafür die Samen im Dunkeln und Trockenen lagern und auf die Beschriftung nicht vergessen.


Petersilie, Kümmel und Fenchel sind zweijährig. Frauenmantel, Zitronenmelisse, Minzen, alle Artemisia-Arten, Goldnessel, Liebstöckel, Eisenkraut und Malven sind mehrjährige Stauden. Sie ziehen im Herbst ihre Speicherstoffe in die Wurzeln zurück und treiben im Frühling neu aus.


Worauf sollte man beim Einpflanzen achten?
Wenn möglich, pflanzt man früh morgens oder abends, nie während der Mittagshitze.
Zuerst die Erde aufhacken, dann pro Pflanze passende Mulden formen und diese großzügig mit Wasser füllen. Das Kraut vorsichtig aus dem Topf lösen und dafür sorgen, dass die Sonne nicht auf die Wurzeln scheint. Für ein schnelles Anwurzeln die Wurzeln als auch die Pflanze etwas stutzen. So fällt auch die erste kleine Ernte ab. Die Pflanze in die Mulde setzen und gut mit Erde bedecken. Nach dem Einpflanzen sofort großzügig gießen.
Zu beachten: Pflanzen brauchen genügend Abstand zueinander, um gut anwachsen zu können. Und was anfangs verloren wirkt, wird sich in wenigen Wochen mit prachtvoller Fülle und wunderbarem Aroma zu einer grünen Decke verweben.
Sie sind gekommen, um zu bleiben
Manche Pflanzen fühlen sich rasch so wohl, dass sie sich breitmachen. Beispielsweise Kamille, Mohn oder Zitronenmelisse säen sich sehr selbstbewusst in jeder freien Ecke aus. Auch Minzen fahren gerne ihre Wurzeln über den für sie vorgesehenen Bereich aus. Einmal kurz umgedreht, liegt vor einem ein Minze-Teppich, wo man keinen wollte. Um das zu verhindern, einfach die Pflanze mit einem Tontopf eingraben. Auch diese Methode sollte man im Auge behalten, weil sich gerne mal eine Wurzelfaser über den Rand verirrt. Wer das vermeiden möchte, sollte Minzen besser separat in breite Töpfe oder Wannen pflanzen.


Die Riesen im Garten
Hochwachsende Pflanzen wie Wermut, Beifuß, Estragon, Fenchel, Baldrian und Liebstöckel nehmen besonders viel Raum ein. Diese Sorten sollten auf keinen Fall in die Kräuterspirale oder in ein knapp bemessenes Hochbeet kommen, weil sie dort kleinere Kräuter verdrängen oder ihnen die Sonne nehmen. An Gartenzäunen oder an Mauern stehen sie niemandem im Weg. Früher wurde am Garteneingang die Echte Engelwurz gepflanzt, wo sie symbolisch für den Schutz des Gartens und dessen Bewohner sorgte. Die zweijährige Pflanze kann über zwei Meter hoch werden.
Drauf fliegen Insekten
Wer Bienen und Schmetterlinge in den Garten locken will, pflanzt blaublühende Kräuter wie Drachenkopf, Borretsch, Ysop und Lavendel.


Probieren, pflanzen, genießen
Durch Beobachten und Probieren lernt man von einer Saison auf die andere dazu. Ein Gartentagebuch kann helfen, Erfahrungen festzuhalten. Die meisten Kräuter sind jedoch pflegeleicht und belohnen mit Duft, Geschmack und Schönheit.






