Vertrauen, Austausch, Innovation
Bild: Plattform V, Cyber Intelligence Konferenz. Foto Matthias Rhomberg
Wie eine Idee die Vorarlberger Wirtschaft verändert
Der gemeinnützige Verein „Plattform V“, beheimatet im Rhomberg-Areal in Dornbirn, vernetzt Vorarlberger Unternehmen. Das „V“ steht auch für Vertrauen – darauf baut die Plattform: im offenen Austausch über Themen wie Cybersecurity oder künstliche Intelligenz. Von Daniel Furxer
In einer Welt, die wirtschaftlich immer globaler vernetzt ist, braucht es einen starken lokalen Zusammenhalt und Austausch. Davon ist Jakob Sieber, Community Manager der „Plattform V“, überzeugt. 2018 gegründet, ist ihr Ziel, kleine, mittlere und große Unternehmen an einen Tisch zu bekommen und die Vernetzung zu fördern. „Regionaler Austausch ist immens wichtig, weil man in einem gewissen Vertrauensverhältnis steht. Die Nähe, die durch die räumliche Zusammenarbeit entsteht, bietet die Möglichkeit, gemeinsam Innovatives zu schaffen“, so Sieber. Es ist ein Austausch auf Augenhöhe, egal ob kleine oder große Firmen miteinander an dem Tisch sitzen oder stehen. „Bring ideas into action“ („Setz die Ideen in Taten um!“) ist der Claim der „Plattform V“, den die Akteurinnen und Akteure sehr ernst nehmen.
Vertrauen ist die Grundlage
„In einer globalisierten Welt ist vieles über Remote-Calls möglich, aber im intimen Rahmen Face-to-Face erzählt man oft Dinge, die man auf einer Hochglanzpräsentation nicht nach außen tragen würde.“ Was die „Plattform V“ besonders macht, ist die Kultur des Vertrauens. Zwar gibt es keine formale Verschwiegenheitspflicht, aber die Werte sind klar: Wer teilnimmt, geht verantwortungsvoll mit Informationen um. Diese Offenheit ist gerade in Zeiten von Krisen, Kriegen und KI ein entscheidender Vorteil. „Wir stehen vor riesigen Herausforderungen, die kann niemand allein lösen. Die Geschwindigkeit, mit der sich alles verändert, ist enorm. Der Austausch hilft uns dabei, dranzubleiben“, so Jakob Sieber.

Wir stehen vor riesigen Herausforderungen, die kann niemand allein lösen.
Jakob Sieber, Community Manager der „Plattform V“
Foto Thomas Ebner
Das Ziel der Plattform ist, auf einer Metaebene Themen anzusprechen, die viele Vorarlberger Firmen betreffen. „Viele Unternehmen merkten sehr schnell: ‚Hey, anderen geht es ähnlich, hier können wir gemeinsam einen Schritt machen, für den wir allein viel länger brauchen.‘ Der Bereich Konkurrenz fällt dadurch weg, weil Unternehmen unterschiedlichster Branchen gemeinsam Lösungen zum Beispiel für Cybersecurity suchen.“
In Workshops und Austauschrunden werden mit einer Expertin oder einem Experten verschiedenste Fragen in zwei, drei Stunden aufs Tapet gebracht. Die Anliegen, die besprochen werden, sind breit gefächert und reichen von KI, Diversity Management über Kreislaufwirtschaft bis hin zu Prozessmanagement. Ein ungezwungener, aber wichtiger Ort ist dabei das „Frühstück“, bei dem in lockerer Atmosphäre Verschiedenes angesprochen werden kann.

Die Firmen bringen sich selbst mit ihrem Wissen ein und nehmen auf der anderen Seite wichtige Informationen mit.
Tanja Wolters, Geschäftsführerin von „TOWA digital“
Foto Studio Fasching
„Das Frühstück ist für uns ein super Format, weil man da in kurzer Zeit zwei bis drei spannende Inputs bekommt“, so Tanja Wolters, Geschäftsführerin von „TOWA digital“ und Mitglied des Boards von „Plattform V“. „Wir haben dort einen niederschwelligen Zugang zu Themen, die dann in Kursen und Workshops vertieft werden können. Wir leben die offene Kultur und das schätzen die Unternehmen sehr. Es ist ein Geben und Nehmen. Die Firmen bringen sich selbst mit ihrem Wissen ein und nehmen auf der anderen Seite wichtige Informationen mit.“
KI, Diversity, Cybersecurity
Ein zentrales Anliegen der Plattform ist es, neue Felder frühzeitig zu erkennen und gemeinsam daran zu arbeiten. Schon bevor KI in aller Munde war, beschäftigten sich Arbeitsgruppen mit diesem Potenzial. Tanja Wolters dazu: „Es geht nicht darum, jedes Buzzword zu bedienen, sondern gemeinsam zu verstehen: Ist das ein Trend oder ein Hype?“ Das Gleiche gilt für Fragestellungen zu Diversity und Inklusion, die durch Mitglieder an die Plattform herangetragen wurden. „Gerade Themen, die intern oft schwer zu platzieren sind, lassen sich durch den Austausch besser begründen“, erklärt sie. „Wenn ich dem Management sagen kann: ‚Schau, das machen andere auch‘, ist das eine starke Argumentationshilfe.“ Dabei gehe es nicht nur um Geschlecht oder Herkunft, sondern auch um Alter, Behinderung und faire Bezahlung. „Vorarlberg hat da gewiss noch Aufholbedarf, gerade in der Industrie. Aber wir merken, dass sich etwas bewegt, weil der Austausch Mut macht.“
Ähnlich verhält es sich im Bereich der Cybersecurity. Besonders kleinere Unternehmen schätzen den offenen Erfahrungsaustausch mit den größeren und profitieren von deren Lösungsansätzen. „Die Vorstellung, dass Cyberkriminalität in Vorarlberg kein Thema ist, entspricht einfach nicht der Realität. Sie betrifft längst nicht mehr nur Großunternehmen oder große Länder, sondern auch viele kleinere Betriebe in Vorarlberg“, betont Jakob Sieber. Beim jüngsten „Security V“-Treffen kamen 25 Teilnehmende aus 20 Unternehmen zusammen, ein deutliches Zeichen für das wachsende Interesse an diesem Feld. „Es sind keineswegs nur die großen Player vertreten. Gerade kleinere Firmen, die sich mit diesem komplexen Sachverhalt noch schwertun, nutzen das Format, um sich auszutauschen und weiterzubilden.“ Aufgrund der hohen Relevanz wurde eine eigene Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, die sich regelmäßig trifft. „Die Bereitschaft, sich hier aktiv einzubringen, ist enorm, denn diese Aufgabe geht uns alle an.“
Tiefe statt Breite: Qualität vor Quantität
Aktuell zählt die „Plattform V“ rund 55 Mitglieder, und das ohne großes Werbebudget. „Wir wollen nicht unendlich wachsen. Höher, schneller, weiter ist nicht unbedingt unser Motto. Uns ist wichtig, dass die Leute, die dabei sind, auch wirklich etwas bewegen wollen. Wir sind ein gemeinnütziger Verein, der nicht auf Profit ausgerichtet ist“, betont Sieber.
In einem kürzlich gestarteten Strategieprozess hat sich das Team deshalb auf zwei Ziele fokussiert: Vertiefung der Themen und Stärkung der Mitgestaltung. Die Plattform will Unternehmen nicht nur punktuell Impulse geben, sondern langfristig begleiten: durch Formate wie Schulungen, Circle-Treffen oder strategische Kooperationen mit Hochschulen. Dafür ist sie auch mit der „FHV –
Vorarlberg University of Applied Sciences“ und wissenschaftlichen Netzwerken rund um den Bodensee stark verbunden, wie etwa mit dem „Wissenschaftsverbund Bodensee“. Die Zusammenarbeit mit der Forschung bringt so die Vorarlberger Wirtschaft weiter und umgekehrt. „Bei einem Interreg-Projekt zum Beispiel, bei dem es um das Thema Mobilität geht, können wir wichtige Inputs geben und den Forschungslabs zurückspiegeln, was für die Wirtschaft wichtig ist“, so Jakob Sieber. Vertrauen, Austausch, Innovation – das ist das Erfolgsrezept, das die „Plattform V“ antreibt und sie so zu einer wichtigen Informationsdrehscheibe für Betriebe in Vorarlberg macht.
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