„Made in“ – Apps

Digitale Herkunftssuche zwischen Anspruch und Realität

Woher kommt mein T-Shirt? Wer hat meinen Kaffee angebaut? „Made in“-Apps wollen solche Fragen beantworten – schnell und digital. In der Praxis bleibt das Ergebnis bislang hinter dem Anspruch zurück. Von Babette Karner

„Made in“-Apps: Gute Ideen, noch nicht ganz ausgereift
Digitale Lösungen für mehr Transparenz entlang der Lieferketten gibt es längst – viele Apps und Plattformen verfolgen genau dieses Ziel. Doch der Blick auf drei konkrete Beispiele zeigt: Zwischen Anspruch und Realität klafft noch eine Lücke. Was bleibt, sind gute Ansätze, die in der Praxis bislang nur begrenzt alltagstauglich sind.


Die App „Made in“ von „Computing & Dreams BVBA“ etwa möchte Verbraucherinnen und Verbrauchern auf einen Blick zeigen, aus welchem Land ein Produkt stammt – indem der Barcode gescannt wird. Das Prinzip klingt simpel und hilfreich, entpuppt sich in der Verwendung aber oft als ungenau: Statt des tatsächlichen Produktionslandes zeigt die App meist nur das Land, in dem das Markenunternehmen registriert ist – was in vielen Fällen irreführend ist. Zudem sorgen Werbevideos vor jeder Anzeige für Frust.
Auch die App „Made Here“ hat sich zum Ziel gesetzt, die vollständige Wertschöpfungskette von Produkten transparent aufzulisten. Eine vielversprechende Idee – allerdings steckt die App noch in der Beta-Phase und ist bislang nur eingeschränkt nutzbar.
Ähnlich auch die Plattform „OpenSC.org“: Mithilfe der Blockchain-Technologie, die wie ein digitales Kassenbuch funktioniert (jede Station eines Produkts wird fälschungssicher und transparent dokumentiert, ohne dass nachträglich etwas unbemerkt verändert werden kann), möchte sie den Weg von Produkten von der Rohstoffquelle bis zur Kundschaft nachvollziehbar machen. Erste große Partner wie Nespresso oder Nestlé wurden bereits eingebunden. Auch hier ist der Nutzen für Endverbraucherinnen und -verbraucher derzeit noch sehr begrenzt, denn ohne flächendeckende Kennzeichnung oder einen einfachen Zugang via App fehlt es an praktischer Relevanz im Alltag.

Good On You: Fashion mit Fakten
Die App „Good On You“ bewertet Modemarken nach ethischen und ökologischen Faktoren. Von „H&M“ bis „Veja“ – über 3.000 Marken sind bereits analysiert. Fashion-Liebhabende, die Trends mit gutem Gewissen folgen wollen, finden hier klare Informationen, wie umweltfreundlich, fair und transparent ein Label arbeitet oder was es für Alternativen gibt.


Verfügbarkeit & Preis:
Erhältlich für iOS und Android, kostenlos. Einnahmen entstehen über Affiliate-Links zu nachhaltigen Brands, was offen kommuniziert wird.


GrünZeit: Saisonal einkaufen
Die App „GrünZeit“ der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein ist ein übersichtlicher Saisonkalender für heimische Lebensmittel wie Obst, Gemüse, Salate und Kräuter. Per Monatsansicht zeigt sie, welche Sorten aktuell im Freiland wachsen – farblich markiert nach Klimabilanz: grün für Frischware vom Feld, gelb für Lagerware oder unbeheiztes Gewächshaus, rot für energieintensive Anzucht. Exoten und Importware werden bewusst ausgeklammert.

Verfügbarkeit & Preis:
Erhältlich für iOS und Android, kostenlos und speicherleicht (ca. 10 MB).


CodeCheck: Barcodescanner für Inhaltsstoffe
„CodeCheck“ gehört zu den etablierten Klassikern unter den Transparenz-Apps: Einfach den Barcode eines Produkts – ob Kosmetik, Lebens- oder Reinigungsmittel – scannen und schon zeigt die App, was drinsteckt. Mikroplastik, Palmöl, hormonaktive Substanzen – sie listet nicht nur Inhaltsstoffe, sondern auch, wie kritisch diese bewertet werden, etwa von Umwelt- oder Verbraucherschutzorganisationen.

Verfügbarkeit & Preis:
Erhältlich für iOS und Android. Die Basisversion ist kostenlos, mit Werbung und bis zu fünf Scans pro Woche. „CodeCheck Plus“ bietet unbegrenzte Nutzung für 1,99 €/Monat oder 11,99 €/Jahr.


RegioApp: Vom Acker in die App
Die „RegioApp“ zeigt auf einer interaktiven Karte, wo man in der Umgebung Lebensmittel direkt vom Erzeuger bekommt – vom Biohof über Hofläden bis hin zu Wochenmärkten und regionalen Verarbeitungsbetrieben. Man kann gezielt nach Produkten (z. B. Äpfel, Käse, Wein) oder nach bestimmten Vertriebsformen (Direktverkauf, Markt, Automat) suchen und filtern. Hinter der App steht der Bundesverband der Regionalbewegung – also echte Profis in Sachen Nahversorgung

Verfügbarkeit & Preis:
Erhältlich für iOS und Android. Die App ist kostenlos und werbefrei, weil sie durch öffentliche Fördermittel und Partnerbetriebe finanziert wird.
Wichtig: Leider gibt es die „RegioApp“ derzeit nur für Deutschland. Sie sei hier dennoch vorgestellt – in der Hoffnung, dass dieses Konzept auch in Österreich Schule macht.


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