Bierbrauen neu gedacht

Wenn Regionalität, Bio-Landwirtschaft und Braukunst zusammenfinden, entsteht mehr als Bier – nämlich eine Erfolgsgeschichte in Sachen Nachhaltigkeit. Von Monika Bischof

Das Bio-Kellerbier der „Brauerei Frastanz“ ist eine Erfolgsgeschichte – und dies gleich auf mehreren Ebenen: von durchgehend transparenten Produktionsketten über die Verwendung von ausschließlich regionalen Bio-Rohstoffen bis hin zu einer äußerst gut funktionierenden Kooperative. Diese setzt sich aus der „Brauerei Frastanz“, „BIO Vorarlberg“ und acht Biohöfen, koordiniert durch den Biobauern und Pädagogen Christoph Weißenbach, zusammen.

Erfolgreiche Pionierarbeit
Die 1902 gegründete „Brauerei Frastanz“ ist von Anfang an ein eigenständiges und tief in der Region verwurzeltes Unternehmen, das aktuell im Besitz von rund 3.700 Vorarlberger Genossenschaftsmitgliedern ist. „Als Mitglied ist man ein echter Miteigentümer in einer echten Brauerei“, sagt Braumeister Laurin Bernhart. Trotz aller Traditionen ist die „Brauerei Frastanz“ sehr zukunftsorientiert. Für zielgerichtete und nachhaltige Innovationen stets offen, leistete sie bereits vor 15 Jahren erfolgreiche Pionierarbeit, indem erstmals gebraute Bio-Biere in Vorarlberg produziert wurden. „Der Gedanke, Rohstoffe einzusetzen, die so nah an der Natur wie möglich sind, war ein Antreiber. Damals war es aber vor allem eine Haltungsfrage“, führt Laurin Bernhart weiter aus und ergänzt: „Heute ist Bio für uns zusätzlich ein strategischer Qualitäts- und Regionalitätsanker mit verlässlichen Partnerschaften, transparenten Lieferketten und einem klaren Mehrwert für Kundinnen und Kunden, die bewusster einkaufen.“ Inzwischen zählt die „Brauerei Frastanz“ zu den größten Bio-Brauereien in Österreich, in Vorarlberg ist sie Marktführer. Aber auch in die Infrastruktur der Brauerei wurde kräftig investiert. „Wir haben schon sehr früh auf Photovoltaik gesetzt und die Anlagen kontinuierlich erweitert, sodass heute bereits ein wesentlicher Teil unseres Stromverbrauchs dadurch gedeckt wird. Finanziert wurde das Ganze genossenschaftlich durch unsere Mitglieder. Allein schon unsere Gesellschaftsform ist auf Nachhaltigkeit ausgelegt. Wir sind eine 100-prozentige Genossenschaft, die nicht auf Gewinnmaximierung ausgerichtet ist, sondern auf hochwertige Biere und die Förderung der Region“, betont Laurin Bernhart. Es wurde zudem der gesamte Stapler- sowie der Pkw-Fuhrpark nahezu vollständig auf Elektroantrieb umgestellt. Durch die Modernisierung der Anlagen werde langfristig ein nachhaltiges, effizienteres und ressourcenschonenderes Produzieren gewährleistet.

Der Gedanke, Rohstoffe einzusetzen, die so nah an der Natur wie möglich sind, war ein Antreiber.
Laurin Bernhart, Braumeister

Foto Brauerei Frastanz

Gelungene Kooperation
„Es braucht natürlich immer eine gewisse Vorlaufzeit, um ein so hochwertiges Produkt zu entwickeln. Das geschieht nicht von heute auf morgen“, erklärt Manuel Kirisits-Steinparzer, Geschäftsführer von „BIO Vorarlberg Produktion & Handel reg. Gen. mbH.“ Erste Gespräche zwischen den einzelnen Proponenten fanden vor rund zweieinhalb Jahren statt, die Markteinführung des Bio-Kellerbiers heuer im Sommer – das sofort auf positive Resonanz bei den Kundinnen und Kunden stieß. „Die geografische Nähe der Biobäuerinnen und Biobauern und die daraus resultierenden kurzen Transportwege bieten einen ganz wesentlichen Vorteil“, sagt Manuel Kirisits-Steinparzer. Er tausche sich regelmäßig mit Laurin Bernhart und Christoph Weißenbach aus: „Wir vertreten unterschiedliche Herangehensweisen, haben aber ein gemeinsames Ziel, nämlich ein wirklich gutes Bio-Qualitätsprodukt herzustellen. Dazu brauchen wir eben auch einen Braumeister wie Laurin, der auf Zack ist, und engagierte Biobäuerinnen und Biobauern wie Christoph.“ Der Qualitätsbegriff müsse vielschichtig gesehen werden, nur durch eine hohe Prozessqualität erhalte man eine hohe Produktqualität in Form von mehr sekundären Pflanzeninhaltsstoffen, mehr ungesättigten Fettsäuren, ausgeprägterem Geschmack und geringerer Belastung mit Schadstoffen.

Die geografische Nähe der Biobäuerinnen und Biobauern und die daraus resultierenden kurzen Transportwege bieten einen ganz wesentlichen Vorteil.
Manuel Kirisits-Steinparzer,
Geschäftsführer von BIO Vorarlberg

Foto BIO Vorarlberg

Sorgsame Produktion
In Vorarlberg spielt Gerste aufgrund der Topografie und des Klimas eine eher untergeordnete Rolle. Speziell der Anbau von Braugerste in Verbindung mit hohen Qualitätsanforderungen des Braugewerbes ist eine herausfordernde Aufgabe.

„Die Braugerste gedeiht in eher trockenen Regionen wie im Süden Europas besser. Ein heißer und trockener Sommer wie letztes Jahr bedeutet ein gutes Erntejahr“, sagt Christoph Weißenbach. Sein Biohof befindet sich in Götzis. Auch er ist ein ausgewiesener Experte in Sachen Agrarökonomie, neben seinem Betrieb unterrichtet er am Bäuerlichen Schul- und Bildungszentrum in Hohenems. „Die Produktion des Bio-Kellerbiers ist ein gläserner Prozess – vom Samenkorn bis zur Abfüllung in die Flaschen. Es gibt keine Lücke, die unbeobachtet bleibt. Jeder Produktionsschritt wird mehrfach kontrolliert.“ Die Zusammenarbeit mit weiteren sieben Bio-Partnerbetrieben aus der Region lobt er: „Unser Anbau unterscheidet sich von der herkömmlichen Landwirtschaft durch einen ökologischen Pflanzenschutz. Die Düngung erfolgt ausschließlich mit Wirtschaftsdünger von unseren Partnerbetrieben. Während Kunstdünger punktgenau eingesetzt wird und dadurch wie ein Energy-drink funktioniert, hat unser Naturdünger keine genau definierte Wirkung.“ Es werde viel Wert auf Auswahl eines möglichst resistenten Saatguts, die richtige Fruchtfolge, auf den Einsatz von Nützlingen und biologischen Pflanzenschutz gelegt: „Wir nehmen Rücksicht auf den Boden und versuchen, bei nassen und kalten Böden bessere Bedingungen durch die entsprechende Mineralisation zu schaffen, damit mehr Mikroorganismen in der Erde entstehen können. Außerdem verwenden wir keine Pestizide wie etwa gegen Pilze. Wir müssen lernen, mit Pilzbefall bei Vorarlberger Gerste zu leben.“

Unser Anbau unterscheidet sich von der herkömmlichen Landwirtschaft durch einen ökologischen Pflanzenschutz.

Christoph Weißenbach


Foto BIO Vorarlberg

Handschlagqualität
Ein weiterer Vorteil der Kooperation liegt darin, dass es sich um eine Vertragslandwirtschaft mit der „Brauerei Frastanz“ handelt. „Dadurch gibt es eine gemeinsame fixe Mengen- und Anbauplanung jeweils schon im Vorjahr, was einer guten Plan- und Kalkulierbarkeit dient. Bei uns herrscht Handschlagqualität. Wir diskutieren viel“, so Christoph Weißenbach. „Beim Kauf eines Lebensmittels wird vom Kunden bzw. der Kundin jedes Mal eine Entscheidung gefällt. Bei scheinbar ‚billigen‘ Produkten wird oftmals nicht ehrlich gerechnet, indem beispielsweise die Produktionsbedingungen und deren Auswirkungen auf die Natur nicht berücksichtigt werden. Bio-Produkte obliegen einer strengen Qualitätskontrolle“, sagt Manuel Kirisits-Steinparzer. Und Christoph Weißenbach ergänzt: „Das Bio-Kellerbier ist ein dezidiert regionales Produkt. Es wird in Vorarlberg produziert und auch vorwiegend hier getrunken.“


Weitere Informationen:
frastanzer.at, biovorarlberg.at


VORARLBERG Ausgabe


Teilen auf:
Facebook