Auszeit in den Weinbergen
Zwischen Reben, Bäumen und Vogelgezwitscher schmeckt die Jause gleich noch besser. Die „Krughütte“ in den Gumpoldskirchner Weinbergen zeigt, wie aus einer einfachen Idee ein nachhaltiger Lieblingsplatz werden kann.
Von Angelika Kraft
Ein schattiger Platz unter Bäumen, der Blick über die Weingärten, ein Glas gut gekühlten Wein in der Hand und dazu ein frisch belegtes Brot – viel mehr braucht es nicht, um den Alltag für ein paar Stunden hinter sich zu lassen. Genau dieses entschleunigende Erlebnis macht die „Krughütte“ heute für viele Gäste zum Ziel – und für die Betreiberfamilie Krug zu einem Herzensprojekt.
Mehr als eine Jausenstation
Entstanden ist die „Krughütte“ vor rund 20 Jahren als Einkehrmöglichkeit entlang der damals jungen „Genussmeile“, die bis heute an den ersten beiden Septemberwochenenden in die Thermenregion lockt. „Nach der Veranstaltung wurden wir immer wieder von unseren Gästen gefragt, ob wir die Hütte nicht auch darüber hinaus betreiben“, erinnert sich Seniorchef Gustav Krug. Dem Wunsch entsprach die Familie schließlich, und so entwickelte sich an der Kreuzung von Satzinger- und Weingartenweg aus der temporären Schank ein dauerhafter Treffpunkt, der heute weit mehr ist als eine Raststation für Wanderer – nämlich ein beliebter Ort für alle, die Natur, Wein und regionale Kulinarik miteinander verbinden möchten.

Heuer entschied sich die Familie erstmals, sie auch während der Sommermonate zu öffnen – mit überwältigender Resonanz. „Es war wirklich unglaublich, was sich da bei uns abgespielt hat“, freut sich Krug. Neben zahlreichen Stammgästen fanden vor allem neue Besucherinnen und Besucher den Weg zur Hütte. „Interessanterweise kommen viele Leute, die keine klassischen Heurigengäste sind, sondern einfach nur die Natur genießen wollen“, erzählt er.
Genau darin liegt wohl das Erfolgsgeheimnis der „Krughütte“. Sie will kein klassischer Heuriger sein, sondern ein Ort, an dem man zur Ruhe kommt. Statt Sonnenschirmen spenden Birken und Weiden natürlichen Schatten, zwischen den Rebstöcken bleibt der Blick weit und unverstellt. Die Gäste sitzen mitten im Grünen, hören das Rascheln der Blätter, genießen die Aussicht und die Bewirtung. Nur wenn das Wetter einmal umschlägt, sorgt ein Zelt dafür, dass der Genuss nicht ins Wasser fällt.
Nachhaltig aus Überzeugung
Nachhaltigkeit wird bei Familie Krug gelebt – das zeigt sich auch an der Auswahl der Lebensmittel, die von kleinen regionalen Betrieben bezogen werden. Das Brot stammt von der Bäckerei Pichl in Mödling, die eigens für die „Krughütte“ ein Sauerteigbrot mit feiner Fenchelnote backt. Dazu kommen Waldviertler Speck, hochwertiger Emmentaler, hausgemachte Aufstriche und der mittlerweile fast schon legendäre Ribiselkuchen von Sabine Krug, dessen luftiger Eierschaum für viele Stammgäste Grund genug ist, wiederzukommen.
Auch hinter den Kulissen wird mit Weitblick gearbeitet: Weil eine Stromversorgung mitten in den Weinbergen alles andere als selbstverständlich ist, investierte die Familie in eine Photovoltaikanlage mit Batteriespeicher. So werden Getränke, Jause und Kuchen zuverlässig mit Sonnenenergie gekühlt, während das Stromaggregat kaum noch zum Einsatz kommt. Das spart Energie und reduziert gleichzeitig Lärm – ein nicht zu unterschätzender Beitrag zur besonderen Atmosphäre. Mindestens ebenso wichtig sei die innere Haltung: „Was zählt, ist die Liebe – die Liebe zur Natur, die Liebe zum eigenen Betrieb“, ist Krug überzeugt.


Wein mit Herkunft
Was aber wäre ein Platz mitten in den Gumpoldskirchner Weinbergen ohne Wein? Natürlich spielt auch dieser in der „Krughütte“ eine zentrale Rolle. Familie Krug bewirtschaftet rund 28 Hektar Rebfläche und keltert ihre Gutsweine ausschließlich aus den eigenen Trauben. Zugekauft wird nichts. Die vielfach prämierten Weine gelangen zudem bewusst nicht in den Lebensmittelhandel, sondern direkt in die Gastronomie und zu ausgewählten Weinfachhändlerinnen und -händlern.
Am Ende fügt sich alles zu einem stimmigen Gesamtbild: regionale Lieferanten, hochwertige Weine, ressourcenschonende Bewirtschaftung und eine Landschaft, die nicht Kulisse, sondern Mittelpunkt des Erlebnisses ist. Die „Krughütte“ beweist, dass nachhaltiges Wirtschaften oft dort beginnt, wo Menschen mit Leidenschaft das Beste aus ihrer Umgebung machen – und ihre Gäste daran teilhaben lassen.
Krughütte
Satzingerweg/Weingartenweg
2352 Gumpoldskirchen
Krug Gumpoldskirchen
Weingut und Altes Zechhaus
krug.at
Fotos Krug Gumpoldskirchen








