Im digitalen Dorf

Foto: Die App „Direkt Regional“

Nicht jede gute App braucht das große internationale Rampenlicht. In Vorarlberg sind digitale Werkzeuge entstanden, die Mobilität, Regionalität und Dorfleben effizienter organisieren. Die Apps sind ein wenig wie Vorarlberg selbst: unaufgeregt, aber verlässlich, wenn es darauf ankommt.

Von Babette Karner

Manchmal besteht die beste Idee darin, das Naheliegende klug zu verbinden. In Vorarlberg gelingt genau das mit regionalen und praktischen Apps, die den Alltag zwischen Arlberg und Bodensee erleichtern. Das Smartphone wird so zur digitalen Brücke – zum Hofladen ums Eck, zu einer freien Mitfahrgelegenheit oder zum eigenen Rathaus. Alle vorgestellten Apps sind für iOS und Android verfügbar und kostenlos.

Xibee: Regionale Produkte rund um die Uhr

Wer am Sonntagabend in der Küche steht und merkt, dass die Eier für den Kuchen fehlen oder der Bergkäse für die Kässpätzle nicht reicht, hat in Vorarlberg oft ein Problem. Hier hilft „Xibee“. Die App aus Hohenems macht sichtbar, was man im Vorbeifahren leicht übersieht: Selbstbedienungsautomaten, Hofläden und kleine Verkaufsstellen bei bäuerlichen Betrieben, die meist rund um die Uhr zugänglich sind. Eine praktische Karte zeigt an, wo Eier, Fleisch, Käse oder frische Blumen in Automaten verfügbar sind. So findet man unkompliziert, was man braucht, und unterstützt gleichzeitig Produzentinnen und Produzenten in der Nachbarschaft. Ein simples Konzept, das funktioniert.

Direkt Regional: Vom Hof direkt zum Menschen

Die App „Direkt Regional“ geht einen Schritt weiter: Als digitaler Marktplatz macht sie die Menschen hinter den Produkten sichtbar. Vorarlberger Betriebe präsentieren hier ihr Sortiment, das von Bio-Gemüse über Blütenhonig bis zu selbst gemachten Nudeln reicht. „Direkt Regional“ bringt Lebensmittelherstellende mit Verbraucherinnen und Verbrauchern zusammen, die wissen wollen, woher ihr Essen kommt. Die App ermöglicht Vorbestellung, Abholung und Austausch – ohne Zwischenhandel und unnötigen Verpackungsmüll.

vlow: Mitfahren statt alleine fahren

„Im Bregenzerwald ist der Bus zwar verlässlich, aber er fährt nicht immer dann, wenn man ihn braucht. Genau hier setzt „vlow“ an: eine Mitfahr-App mit regionalem Fokus. Sie ist in Kooperation mit der „Regio Bregenzerwald“ entstanden, und das Prinzip ist simpel: Jemand fährt ohnehin von Egg nach Dornbirn oder von Schoppernau nach Bezau und hat noch einen Platz frei. Über die App kann dieser vermittelt oder gebucht werden.

Im Gegensatz zu großen internationalen Mitfahrbörsen funktioniert „vlow“ auf der Kurzstrecke – auf dem Weg zur Arbeit, zum Einkaufen oder zum Bahnhof. So wird nicht nur der Individualverkehr reduziert: Im besten Fall fördert die App auch zwischenmenschliche Begegnungen. Dahinter steht kein globaler Konzern, der Daten sammelt, sondern ein regionales Netzwerk, das Lücken im öffentlichen Verkehr schließt.

GEM2GO: Die Gemeinde in der Hosentasche

Es gibt Apps, die braucht man selten, aber wenn, dann sind sie goldwert. GEM2GO ist so ein Fall. Die vom Vorarlberger Gemeindeverband unterstützte Anwendung bündelt alles, was im eigenen Ort wichtig ist: Termine und Öffnungszeiten, amtliche Mitteilungen, Veranstaltungen, Notrufnummern oder aktuelle Straßensperren. Wie ein digitales schwarzes Brett zeigt GEM2GO, wie Verwaltung niederschwellig funktionieren kann. Das Highlight für viele ist der Abfallkalender mit Push-Benachrichtigung. Wer schon einmal frühmorgens panisch den Gelben Sack auf die Straße gezerrt hat, nur weil er bei den Nachbarn schon draußen stand, möchte dieses Stück digitale Lebensqualität nicht mehr missen.

Vorarlberg >>bewegt: Bewegung als Gemeinschaftsprojekt

Die App „Vorarlberg >>bewegt“ ist inzwischen weit mehr als eine Werbekampagne des Landes für körperliche Betätigung. Sie ermöglicht es, Sport auf digitalem Weg gemeinsam zu erleben. Das Angebot richtet sich an alle Altersgruppen und setzt auf Motivation durch regionale Verbundenheit. Es geht ums Mitmachen, nicht um Bestzeiten. Bei der „Radius-Challenge“ oder dem „Gemeinde Bättl“ sammeln die Vorarlbergerinnen und Vorarlberger beispielsweise Schritte und Kilometer für ihren Wohnort oder ihren Verein. Ob beim Wandern im Montafon oder beim Abendspaziergang am Bodensee – die App macht die eigene Bewegung sichtbar, ganz ohne Leistungsdruck. Projekte wie die „Rückenreise“ wecken spielerisch die Freude an der Bewegung.


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