Unter alten Bäumen
Bild: Gelebtes Tierwohl. Auf dem Biohof Hofer grasen die Rinder auf weitläufigen Wiesen unter alten Apfel- und Birnbäumen. Foto Ja!Natülich, Reidinger
Von Angelika Kraft
Auf dem Biohof von Matthias Hofer im niederösterreichischen Mostviertel grasen Jungrinder unter 100 Jahre alten Apfel- und Birnenbäumen. Der Hof liefert sowohl das Fleisch der Tiere als auch das Streuobst an „Ja!Natürlich“ – ein starkes Zeichen dafür, dass Qualität, Regionalität und gelebte Werte auch in der großen Lebensmittelwelt ihren Platz haben.
Wenn sich im Frühjahr die Apfel- und Birnbaumblüten über die Hügel des Mostviertels legen, ist Matthias Hofer mittendrin: am Hiesbach in Allhartsberg, wo er mit seiner Familie einen Bio-Bauernhof bewirtschaftet, wie er ursprünglicher nicht sein könnte. Was für andere eine nostalgische Idealvorstellung vom Landleben ist, ist für den gebürtigen Mostviertler Realität – und Verantwortung. Denn der 36-Jährige führt einen echten Mehr-Generationen-Betrieb mit Weidejungrindern, Streuobstwiesen und einer Philosophie, die konsequent auf Nachhaltigkeit und Familienzusammenhalt baut.

Verwurzelte Verantwortung. Matthias Hofer führt den Familienbetrieb bereits in siebter Generation.
Foto Ja!Natülich, Reidinger
Tradition mit Zukunft
„Der Hof ist seit mindestens sieben Generationen in Familienbesitz“, erzählt Hofer, während er über eine Wiese mit blühenden Obstbäumen blickt, auf der zahlreiche Mutterkühe mit ihren Kälbern grasen, „– vermutlich sogar länger.“ Dass er den Betrieb übernimmt, stand für ihn immer außer Frage. Schon früh packte er mit an – erst spielerisch, dann ernsthaft. 2018 übergab ihm sein Vater offiziell den Hof. Die Entscheidung war nicht nur ein Schritt Richtung Zukunft, sondern auch ein Bekenntnis zur Herkunft. „Ich wollte da weiter machen, wo meine Eltern aufgehört haben – nur noch konsequenter“, so der gelernte Maurer.

Die Obstbäume sind zum Teil über 100 Jahre alt. Chemische Düngung oder chemische Spritzmittel gibt es auf dem Bio-Hof nicht.
Foto Mario Witti
Bio aus Überzeugung
Ein bedeutender Wendepunkt war das Jahr 2006. Damals stellte die Familie Hofer den Betrieb von Milchvieh auf Mutterkuhhaltung um. Gleichzeitig fiel die Entscheidung für die biologische Wirtschaftsweise. „Wir wollten die bestmöglichen Bedingungen für die Tiere schaffen“, sagt Hofer. Die Umstellung war aufwendig, aber lohnend: Seit 2008 ist der Betrieb Bio-zertifiziert. Aktuell weiden 28 Mutterkühe, 32 Kälber sowie ein Stier auf den weitläufigen Wiesen. Das Futter stammt vom eigenen Hof: Gras, Heu, Mais und wenn die Tiere Glück haben, ergattern sie noch den einen oder anderen Apfel als Leckerbissen zwischendurch – alles bio, alles regional.
Die Rinder verbringen die meiste Zeit im Freien, nur nachts, bei starkem Regen, großer Hitze oder klirrender Kälte geht es in den Stall. 180 Weidetage lautet die Vorgabe. „Das schaffen wir locker“, winkt der Landwirt ab. Und auch die Kreislaufwirtschaft funktioniert hervorragend: „Die Tiere weiden auf unseren Streuobstwiesen, fressen das Gras ab und sorgen zudem für die natürliche Düngung der Bäume – so schließt sich der Kreis“, ist Hofer überzeugt.
Von Äpfeln & Birnen
Apropos Streuobstwiesen – neben der Rinderhaltung spielen Äpfel und Birnen im Hofer‘schen Betrieb eine zentrale Rolle. Über 100 Jahre alte Obstbäume wachsen hier – ohne künstliche Düngung oder den Einsatz von chemischen Spritzmitteln. „Das bleibt auch so“, stellt Hofer klar, „denn der biologische Obstbau ist nicht nur wirtschaftlich interessant, sondern auch ökologisch wertvoll.“ Die alten Sorten bieten Lebensraum für Insekten, Vögel und andere Wildtiere, tragen zur Biodiversität bei und prägen das typische Landschaftsbild des Mostviertels.
Wenn im September die Haupternte beginnt, wird es am Hof lebendig und alle packen mit an: Eltern, Brüder, die 83-jährige Oma und sogar die drei Töchter sind schon eifrig dabei. Von Hand werden nur die reifen, gesunden Früchte gepflückt, in Kisten geschlichtet und zur Sammelstelle gebracht. Pro Jahr können das schon einmal bis zu 28.000 Kilogramm Obst sein, das dann zu hochwertigem „Ja!Natürlich“-Bio-Direktsaft verarbeitet wird.
Die seit 2008 bestehende Kooperation mit der bekannten Bio-Marke ist für Hofer eine Bestätigung. „Ich bin stolz, dass wir als „Ja!Natürlich“-Lieferant Teil dieser Wertschöpfungskette sind“, betont er. Daneben liefert Hofer seine Produkte an einige Gasthäuser in der Region und auch in der Direktvermarktung ist er aktiv – von Fleischpaketen bis zu saisonalen Spezialitäten. Dabei liegt ihm der persönliche Kontakt zu den Kunden besonders am Herzen: „Viele Menschen wollen heute wissen, woher ihr Essen kommt – und das finde ich gut.“
Nachhaltigkeit als Lebenskonzept
Im Gespräch mit dem Landwirt merkt man sofort: Für Hofer ist Bio kein Trend, sondern ein Lebenskonzept. „Ich möchte meinen Nachkommen einen gesunden Boden hinterlassen. Deshalb wirtschaften wir so, wie wir es tun“, so der dreifache Vater. Dieser langfristige Blick auf die Dinge prägt jede Entscheidung: Von der Futterwahl über die Tierhaltung bis zum Umgang mit Wetterextremen. Denn die Herausforderungen sind da: „Der Klimawandel ist spürbar – mal zu trocken, dann wieder zu nass. Unsere Böden müssen viel aushalten.“
Umso wichtiger ist es für ihn, in Kreisläufen zu denken. Die biologische Landwirtschaft bietet dafür eine solide Grundlage. Was können wir Konsumenten tun, um Biohöfe wie den von Hofer zu unterstützen? „Jeder kann einen Beitrag leisten. Wer saisonal, regional und im Idealfall biologisch kauft, unterstützt Betriebe wie meinen“, appelliert er.

Gemeinsam stark. Auf dem Hof leben vier Generationen und alle packen mit an – bei der Rinderpflege wie bei der Obsternte. Fotos Ja!Natülich, Reidinger
Ein Leben für den Hof
Was man ebenfalls spürt: Der Biohof Hofer ist mehr als ein Arbeitsplatz – er ist ein Lebensmittelpunkt für ganze vier Generationen. Hofer, seine Frau und die drei Töchter leben hier unter einem Dach mit seinen Eltern und der Großmutter – mit all den Chancen und Herausforderungen, die das mit sich bringt. „Natürlich gibt es manchmal Diskussionen“, gesteht Hofer. „Aber man lernt, Kompromisse zu schließen. Am Ende ziehen wir schließlich alle am gleichen Strang.“
Der Familienzusammenhalt ist es auch, der viele Dinge erst möglich macht. Ob bei der täglichen Stallarbeit oder der Obsternte – Teamwork ist am Hof unerlässlich. „Ohne meine Familie ginge das alles nicht“, sagt Hofer mit Überzeugung. Und das merkt man. Der Hof wirkt wie ein kleiner Mikrokosmos, in dem jeder seine Aufgabe hat – von der Oma am Herd bis zu den Töchtern auf der Obstwiese.
Trotz der vielen Arbeit empfindet Hofer seinen Beruf nicht als Belastung, sondern als Geschenk. „Ich kann mir nichts anderes vorstellen. Hier bin ich zu Hause.“ Wenn er nach einem langen Arbeitstag auf der Wiese sitzt und den Kälbern beim Grasen zusieht, dann weiß er: Genau hier ist sein Platz. Zwischen alten Bäumen, saftigem Gras und einer Familie, die zusammenhält.






