Liebe Leserinnen und Leser,
Schnee ist ein weißer Zauber: Er legt sich leise über die Welt, verwandelt sie auf magische Weise und verleiht ihr oft atemberaubende Schönheit. Plötzlich klingt alles anders: Die Geräusche sind gedämmt und die verlangsamten Bewegungen erzeugen ein vielstimmiges Knirschen. War der Schnee einst das selbstverständliche Gewand des Winters, ist sein stetiges Schwinden nun ein präziser Indikator für die steigenden Temperaturen. In einer Zeit, in der uns Klimadaten nüchtern vor Augen führen, wie kostbar eisige Landschaften geworden sind, gewinnt dieses Naturphänomen neue Bedeutung. Deshalb fokussieren wir diesmal auf das Thema Schnee als Heftschwerpunkt und beleuchten es aus unterschiedlichsten Perspektiven.
Wir berichten etwa über samische Rentierhirtinnen und -hirten, die ein uraltes Wissen über Schnee in sich tragen: Ihre Sprache birgt zahlreiche Wörter, mit denen sie die vielfältigen Schneestrukturen differenziert benennen können. Diese detaillierten Beobachtungen und Bezeichnungen helfen nun auch der Wissenschaft dabei, Schneeschmelze und Permafrostveränderungen zu verstehen.
Auch für uns in Österreich hat der schwindende Schnee deutliche Folgen, wie wir in unserem Beitrag über die Zukunft des Skifahrens verdeutlichen. Zwar halten Schneilanzen und Propellermaschinen den Wintersport weiter am Laufen, aber der Zeitraum, in dem sich Skigebiete beschneien lassen, wird enger. Wie sich ein nachhaltiger Wandel im alpinen Tourismus vorantreiben lässt, stellen wir im Interview mit Dr. Christoph Pachucki dar.
Einen ganz anderen Blick auf den Schnee bietet uns die Kulturjournalistin Susanne Leuenberger, die in einer flockenwirbelnden Nacht als Tochter eines Lawinenexperten zur Welt kam. In ihrem sehr persönlichen Essay beschreibt sie ihre hellen und dunklen Erinnerungen an das kalte Weiß ihrer Kindheit und Jugend – und verleiht dem Schnee dabei metaphorische Facetten.
Aber auch jenseits des Schwerpunkts präsentieren wir spannende Themen, etwa ein Interview mit Othmar Schmiderer, der in seinem neuen Dokumentarfilm „Elements Of(f) Balance“ zeigt, wie sich die Natur Kooperationen zunutze macht und was der Mensch daraus lernen kann. Außerdem erläutern wir das Potenzial von KI für Ressourceneffizienz und Kreislaufwirtschaft und gehen der Frage nach, wie digitale Technologien dazu beitragen, ökologische und soziale Herausforderungen zu bewältigen. Darüber hinaus veranschaulichen wir, wie William McDonough, Mitbegründer des „Cradle to Cradle“-Konzepts, neue Maßstäbe im Bereich zirkuläre Architektur setzt. Und schließlich erzählt der Nino aus Wien im Interview, wie die schönsten Liederschnipsel unter der Dusche oder im Halbschlaf entstehen – kostbare Töne, die sich allerdings „auf Nimmerwiederhören“ verflüchtigen. Wir wünschen eine inspirierende Lektüre!
Evi Ruescher, Herausgeberin

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