„Insel muss Insel bleiben“
Bild: Beachvolleyball – nur eines von vielen Sporthighlights auf der Donauinsel. Foto Franz Kalab, MA 45
Die Donauinsel ist für viele Wiener und Wienerinnen das Naherholungsgebiet mitten in der Großstadt. Besonders im Sommer zieht es täglich Abertausende von ihnen dorthin, um der Hitze zu entfliehen. Und um dort zu radeln, zu schwimmen, zu grillen, zu feiern oder sich einfach die Sonne auf den Bauch scheinen zu lassen. Entstanden ist die Donauinsel aber aus einem ganz anderen Grund: zum Hochwasserschutz.
Von Harald Triebnig
Im Sommer 1996 sitzt ein Mann mit Sonnenbrille, Goldkette und freiem Oberkörper in einem Gastgarten auf der Wiener Donauinsel. Er wird von der Fernsehjournalistin Elizabeth T. Spira interviewt und versucht seine Vorstellung der Donauinsel in Worte zu fassen: „Insel muss Insel bleiben. Insel muss sauber bleiben. Insel muss lebenswert bleiben. Und Insel muss sich auszahlen, dass man herfährt.“ Der Ausschnitt aus der Sendung „Alltagsgeschichten: Die Donauinsulaner“ ist ein Stück österreichische Fernsehgeschichte und zeigt, dass wohl jeder Wiener und jede Wienerin die Donauinsel aus ganz persönlichen Gründen zu schätzen weiß.

Grüne Auszeit im Herzen Wiens.
Foto Christian Fürthner, Stadt Wien
Die Anfänge
Doch der Bau der Donauinsel in den Jahren 1972 bis 1988 hatte ganz pragmatische Gründe. Durch die Aufschüttung wurde ein Entlastungsgerinne als Teil der Donauregulierung geschaffen. Bei Normalstand des Wassers ist es ein stehendes Gewässer, bei Hochwasser kann es geflutet werden und verhindert so Überschwemmungen in Wien. Die Insel selbst bleibt auch bei extremem Hochwasser größtenteils von diesem verschont.
Heute erfüllt die 21,1 Kilometer lange und bis zu 250 Meter breite Donauinsel diesen Zweck noch immer hervorragend. Beim Hochwasser im vergangenen Spätsommer wurde auch Wien getroffen. Der Wienfluss erreichte beispielsweise ein 1.000-jährliches Hochwasser: 440.000 Liter pro Sekunde strömten von dort in den Donaukanal. Bei der Donau waren es in Korneuburg bis zu 10 Millionen Liter pro Sekunde. Dass die Bundeshauptstadt glimpflich davonkam, lag vor allem am Wiener Hochwasserschutz mit dem Herzstück Donauinsel.
Viel mehr
Für die Wiener und Wienerinnen ist die „Insel“ aber viel mehr als reiner Hochwasserschutz: Sie ist das Naherholungsgebiet der Zwei-Millionen-Metropole. Über 15 Zugänge kann sie erreicht werden. Drei U-Bahnlinien sowie eine S-Bahn- und eine Straßenbahnlinie haben Stationen bei der Donauinsel. Viele Menschen nutzen aber das Fahrrad, um vom Zentrum aus in kurzer Zeit zum kühlen Nass zu kommen. „Rad gefahren ist man auf der Donauinsel schon immer“, erzählt Gerald Loew. Er ist der Leiter der Magistratsabteilung 45 (MA 45, Wiener Gewässer), die für die Donauinsel administrativ verantwortlich ist. „Eigentlich noch bevor das Baden auf der Donauinsel ein Thema geworden ist.“ Heutegibt es auf ihr unzählige Sportangebote: Bootsverleihe, Beachvolleyballplätze, Skateboardareale, ein Cyclodrome und sogar einen künstlich angelegten Wildwasserkanal, wo 2014 die Europameisterschaft im Kanuslalom stattfand. Aber nicht alle Menschen auf der Donauinsel wollen sich sportlich betätigen. Viele erholen sich einfach vom Großstadttrubel und sonnen sich. Manche davon auch ganz hüllenlos. Denn zwei der größten in unmittelbarer Nähe einer Großstadt gelegene FKK-Badebereiche befinden sich auf der Donauinsel.

Per U-Bahn, S-Bahn und Straßenbahn direkt erreichbar. Foto Johannes Zinner, Wiener Linien
Natur erleben
Platz ist für alle – auch für die Pflanzen- und Tierwelt. 1,8 Millionen Bäume und Sträucher wurden gepflanzt, um die Donauinsel anfangs zu begrünen. Und auch heute noch wird großer Aufwand betrieben, um der Natur Raum zu geben. Oft bedeutet das auch, nichts zu tun. „Da hat sich der Zugang in den letzten Jahrzehnten stark geändert“, erklärt Gerald Loew. „Wir belassen viele Bereiche so, wie sie sind, mähen Wiesenstücke teilweise nur zwei Mal im Jahr – je nach Nutzung der Areale.“ Übernommen wird das im Norden der Donauinsel von einer Herde Schafe. Sie ersetzen in der Sommersaison die maschinelle Wiesenpflege. Durch das schonende Grasen wird die Vernetzung von Biotopflächen gefördert. Dort wo die Natur es nicht allein schafft, unterstützen die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der MA 45. „Wir sammeln Wiesengräser und versuchen so Blumen hochzubringen. Im Waldbereich wollen wir den Humus verbessern“, so Loew. Denn aufgrund des schotterigen Substrats wachsen keine ganz hohen Baumarten auf der Donauinsel. Überhaupt gibt es in der Pflanzenwelt viele Herausforderungen: „Durch die immer länger werdenden Hitzeperioden und Trockenphasen sterben viele Jungbäume einfach ab. Darum arbeiten wir viel mit Wildaufgehern, die sind resistenter.“ Diese werden von der MA 45 eingegittert und geschützt.Viel Aufwand, um die Donauinsel als das zu erhalten, was sie ist – Hochwasserschutz und Naherholungsgebiet zugleich. Oder um es mit den Worten des „Donauinsulaners“ zu sagen: „Damit man sagen kann: Woah!“

Sanfte Landschaftspfleger: Schafe ersetzen im Sommer die Mäher. Foto VOTAVA, Stadt Wien
TIPP: Zwei Extras für den Sommer auf der Donauinsel
Die „Afrika Tage“ (9.–26.8.) feiern Kultur, Musik und Kulinarik auf der Insel.
afrika-tage.at
Wer es sportlicher mag: Beim „VICC Cyclodrome“ finden regelmäßig spannende Radrennen statt – reinschauen lohnt sich!
vicc.racing/race-days






