Stauraum für unterwegs
Bild: Ucon Acrobatics
Vom klassischen Rollkoffer bis zum „Anti-Rollkoffer“ aus Lkw-Planen, von Taschen aus upgecycelten Fischfutter-Säcken oder Fahrradschläuchen bis hin zum kreislauffähigen Rucksack: Wir stellen Gepäckstücke und andere Begleiter fürs Unterwegssein vor, die das Thema Nachhaltigkeit auf ganz unterschiedliche Weise in Angriff nehmen.
Von Jutta Nachtwey
Wer nachhaltig reisen möchte, hat jede Menge zu bedenken und zu planen – dabei geht es erst mal um Reiseziele und Transportmittel. Meist stellt sich dann zuletzt die Frage: Worin verstaue ich eigentlich alles, was ich unterwegs dabei haben möchte? Falls dann doch noch eine Tasche, ein Koffer, ein Rucksack fehlt, hat man oftmals nicht mehr die Nerven, in aller Ruhe das breite Angebot an nachhaltigen Produkten zu sichten. Also haben wir uns für Sie umgeschaut, denn so ein Gepäckstück kann quasi das i-Tüpfelchen für die Urlaubsvorfreude sein und schon mal für Aufbruchsstimmung sorgen. Die Recherche ergab zudem, dass sich manche der Marken über ihr derzeitiges Angebot hinaus ehrgeizige Ziele gesetzt haben – es lohnt sich, diese Hersteller für zukünftige Anschaffungen im Blick zu behalten.
Wer nachhaltig reisen möchte, hat jede Menge zu bedenken und zu planen – dabei geht es erst mal um Reiseziele und Transportmittel. Meist stellt sich dann zuletzt die Frage: Worin verstaue ich eigentlich alles, was ich unterwegs dabei haben möchte? Falls dann doch noch eine Tasche, ein Koffer, ein Rucksack fehlt, hat man oftmals nicht mehr die Nerven, in aller Ruhe das breite Angebot an nachhaltigen Produkten zu sichten. Also haben wir uns für Sie umgeschaut, denn so ein Gepäckstück kann quasi das i-Tüpfelchen für die Urlaubsvorfreude sein und schon mal für Aufbruchsstimmung sorgen. Die Recherche ergab zudem, dass sich manche der Marken über ihr derzeitiges Angebot hinaus ehrgeizige Ziele gesetzt haben – es lohnt sich, diese Hersteller für zukünftige Anschaffungen im Blick zu behalten.

Dank dem „Freitag Rent“- Services kann man dieses Produkt nun auch mieten.
„Freitag“ aus Zürich ist für seine Taschen- und Rucksackunikate aus gebrauchten Lkw-Planen bekannt. Das Modell „F512 Voyager“ bezeichnet das Unternehmen als „Anti-Rollkoffer“: Dieser Rucksack in Handgepäckgröße hat auch zwei Griffe, mit denen man ihn vertikal oder horizontal wie eine Tasche tragen kann. Dank des neuen „Freitag Rent“-Services kann man dieses Produkt nun auch mieten, statt es zu kaufen – hierfür wird es mit einem herausnehmbaren Innenfutter ausgestattet, das nach der Nutzung jeweils gereinigt wird. Ein dazugehöriges Taschentagebuch erzählt von den Reiseerlebnissen der vorherigen Benutzer und Benutzerinnen.
Im Bereich Kreislauffähigkeit hat „Freitag“ bereits verschiedene Erfahrungen gesammelt. 2024 kam etwa der „Mono[PA6] Rucksack“ auf den Markt, der ganz und gar aus Polyamid 6 (PA6) besteht und sich dank seiner Monomaterialität vollständig wiederverwerten lässt. „Freitag“ arbeitet derzeit zusammen mit Spezialisten aus unterschiedlichen Bereichen an der Entwicklung einer zirkulären Lkw-Plane. Ziel ist, dass die Taschen und Rucksäcke diesem Material nicht nur ein zweites Leben schenken, sondern dass sie sich nach Gebrauch erneut in die Kreisläufe eingliedern lassen. freitag.ch

Horizn Studios
„Horizn Studios“ mit Sitz in Berlin hat im Bereich Rollkoffer beispielsweise die „RE Serie“ im Sortiment: Die Hartschalen bestehen zu 97 Prozent aus recyceltem Polycarbonat, was 72 Prozent CO2-Emissionen einspart, während Futter und Reißverschlüsse zu 100 Prozent auf recyceltem Material basieren. Derzeit ist außerdem das Modell „Circle One“ in der Entwicklung, bei dem für die Hartschale das patentierte Material „BioX“ zum Einsatz kommen soll: ein mehrlagiges Gewebe aus Flachs, das durch eine biobasierte Stützmatrix verstärkt wird und laut „Horizn Studios“ haltbarer als Polycarbonat und leichter als Aluminium ist. Die Handgriffe beinhalten zudem Korn- und Nussschalen, die Stangen bestehen aus Magnesium. Das Konzept mit dem Motto „Always repair. Never replace“ ist so angelegt, dass sich die Koffer, die kommendes Jahr erhältlich sein sollen, stets reparieren lassen, und zwar so, dass sie danach sogar stabiler als vorher sind. horizn-studios.com

Suitsuit
„Suitsuit“ aus Soest in den Niederlanden hat sich als Reisemarke für Frauen positioniert und plädiert dafür, „auf eine Weise zu reisen, die klimafreundlich ist und gleichzeitig das langfristige Wohl der Orte und Gemeinschaften, die wir besuchen, sicherstellt.“ Die Marke bietet beispielsweise die „Natura“-Serie an, die zu 96 Prozent aus recyceltem Polyester (rPET) besteht – davon sind 50 Prozent Post-Consumer rPET und 46 Prozent Pre-Consumer rPET. Auch passende Packwürfel sind aus diesem Material erhältlich. Das Unternehmen spendet jedes Jahr 10 Prozent des Nettogewinns an Initiativen, die weibliches Empowerment und Geschlechtergleichstellung in der Reise- und Tourismusbranche fördern – etwa in Nepal oder Namibia. „Suitsuit“ erhielt das „B Corp“-Zertifikat, mit dem die Non-Profit-Organisation „B Lab“ Unternehmen für ihre sozialen und ökologischen Auswirkungen auszeichnet.
suitsuit.com

Ucon Acrobatics
„Ucon Acrobatics“ aus Berlin hat seit 2016 Taschen aus recycelten PET-Flaschen hergestellt. Inzwischen geht die Marke dazu über, den Müll der Textilindustrie als Materialquelle zu nutzen. Hierfür entwickelte das „B Corp“-zertifizierte Unternehmen das Material „PUrTEX∞“, das auf recycelten Stoffabfällen basiert und mit lösungsmittelfreiem Polyurethan (PU) beschichtet ist. Beim „PETAs Vegan Award“ 2024 wurde der „Hajo Medium Backpack“ aus der „Lotus Infinity“-Serie als „Bester veganer Rucksack“ ausgezeichnet. Um zur Emissionsreduzierung beizutragen, unterstützt „Ucon Acrobatics“ zusätzlich mit dem „Gold-Standard“-Partner „Ecologi“ Klimaprojekte, die dem Planeten, der Artenvielfalt und den lokalen Gemeinschaften zugutekommen. ucon-acrobatics.com

heidenspass
„heidenspass“ in Graz ist eine Upcycling-Designwerkstatt und zugleich ein soziales Arbeitsprojekt für Jugendliche, das auch einen Mittagstisch bietet und ein Café betreibt. Aus verschiedenen ausgedienten Materialien entstehen dort unter anderem Taschen und Rucksäcke, zum Beispiel aus Segeln oder Fahrradschläuchen, die so ein zweites Leben entfalten. Zur Herkunft des Materials erklärt Elfie Pahr, Leitung Sozialarbeit: „Die alten Schläuche sammeln wir mit unserem Lastenfahrrad bei den Grazer Fahrrad-Reparaturwerkstätten ein; die alten Segel sind Spenden von Leuten, die uns kennen.“ Träger des Arbeitsprojekts „heidenspass“ ist der Verein „Fensterplatz“, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, sinnvolle niederschwellige Beschäftigung für benachteiligte junge Menschen anzubieten, und dabei einen Fokus auf Nachhaltigkeit setzt. heidenspass.cc

Refished
„Refished“ mit Sitz in Wien stellt Taschen und Accessoires aus kambodschanischen Fischfutter- und Zementsäcken her. Ein Beispiel: die Tasche „Soulmate“, die etwa für Ausflüge zum Strand oder für Stadtstreifzüge geeignet ist. Gründerin Sissi Vogler entdeckte das ausgediente Verpackungsmaterial mit den plakativen farbigen Grafiken während ihrer Reisen durch Südostasien. Die gebrauchten Säcke kauft „Refished“ auf einem Markt in Phnom Penh. Dort befindet sich auch die soziale Werkstatt, wo die Taschen genäht werden. Sie wurde bereits 1996 gegründet, um Menschen mit körperlicher Behinderung Ausbildung und Arbeit unter Einhaltung aller Fair-Trade-Kriterien zu bieten – viele Beeinträchtigungen sind den Landminen aus der Zeit der Roten Khmer geschuldet. Jeder Näher und jede Näherin unterschreibt auf dem Label der „Refished“-Produkte – im Bereich „People“ werden sie auf der Website vorgestellt. Außerdem spendet das Unternehmen auch regelmäßig Geld an kleine Schulen in ruralen Gegenden. refished.com
Fazit: Ob Sie also der Typ „Alles-irgendwie-reinstopfen“ sind, zur Fraktion „Gebügeltes-akkurat-schichten“ zählen oder sich irgendwo dazwischen positionieren: Erfreulicherweise gibt es für alle Bedürfnisse schöne nachhaltige Lösungen. Wir wünschen frohes Packen und eine gute Reise!






