Mit Brummi von Paul

Von Matthias Köb

Ein Roadtrip mit Campingbus ist eine besondere Art des Reisens – und erlebt (wieder einmal) einen Boom. Noch nie waren in Österreich so viele Wohnmobile angemeldet wie derzeit. Und auch wer keinen eigenen Camper besitzt, kann sich damit auf den Weg machen.

Ein guter Freund von uns hat sich kürzlich einen Campingbus gekauft. Damit ist er nicht allein. Von 2023 auf 2024 ist die Anzahl der in Österreich zugelassenen Wohnmobile um fast 15 Prozent gestiegen. Urlaub mit dem Campingbus oder Wohnmobil liegt also im Trend, das bestätigt auch Zukunftsforscher Andreas Reiter, der sich intensiv mit touristischen Entwicklungen beschäftigt: „Es ist eine Form des Reisens, die sehr stark individualisiert ist. Zudem ist man oft nahe an der Natur. Und auch das vermeintlich ‚einfache Leben‘ passt gut in den Zeitgeist.“ Ähnlich klingt auch besagter Freund: „Du packst einfach alles Nötige ein und fährst los. Ohne großen Plan, du bleibst mal hier und mal da stehen, und wo es dir gefällt, bleibst du ein wenig länger.“

Das klingt nach einer Art von Urlaub, die uns auch gefallen könnte. Das Problem ist: Wir haben keinen Bus. Und die Anschaffungskosten für einen solchen haben es durchaus in sich: Der gebrauchte Campingbus von unserem Freund ist 32 Jahre alt und hat noch immer rund 13.000 Euro gekostet. Wer sich einen VW California als Neuwagen zulegen möchte, muss mit Preisen ab rund 70.000 Euro rechnen. Glücklicherweise gibt es aber Möglichkeiten, auch ohne eigenes Gefährt einen Urlaub dieser Art zu machen. Neben kommerziellen Anbietern wie „Roadsurfer“ oder „Indie Campers“ verfolgt die Plattform „PaulCamper“ einen besonders spannenden Ansatz: Privatpersonen können dort ihren Camper inserieren und an andere Personen vermieten, wenn sie ihn nicht selbst nutzen. Wenn gewünscht, werden die Fahrzeuge direkt über die Plattform versichert. Das Inserat ist dabei kostenlos, wird der Camper gemietet, kassiert „PaulCamper“ 15 Prozent als Provision.


Die Preise für Mieter und Mieterinnen beginnen je nach Ausstattung und Abholort bei rund 75 Euro pro Tag. Dafür haben die Camper lustige Namen. Wir schnappen uns „Brummi“, einen VW T4 aus dem Jahr 1999 um 117 Euro – ausgestattet mit vier Schlafplätzen, Gasherd, Holzboden und jeder Menge Stauraum. Der Plan ist, mit „Brummi“ nach Slowenien zu fahren – das Soča-Tal hat sich in den letzten Jahren vom Geheimtipp zum Traumziel vieler Camper und Camperinnen gemausert. Das Wetter hat jedoch andere Pläne. Und somit wissen wir schon vor der Abreise zum ersten Mal, was Zukunftsforscher Reiter meint, wenn er sagt: „Man sieht es ja auch in anderen Bereichen, dass insbesondere junge Menschen ein hohes Maß an Flexibilität wollen. Das spricht auch für den Urlaub mit Campingbus. Im Grunde reicht es, wenn man am Abfahrtstag selbst festlegt, wohin es geht.“

Als „junge Menschen“ würden wir uns zwar nicht mehr unbedingt bezeichnen, dennoch geht es nun statt nach Slowenien in Richtung Italien – mit Zwischenstopp beim Bruder in Innsbruck – nach Finale Ligure, in die Provinz Savona. Eine Region, die wir bis dahin überhaupt nicht am Schirm hatten, wo aber gutes Wetter sein soll. Auf dem Weg buchen wir uns einen Platz auf einem kleinen Campingplatz im Wald. Der Stellplatz ist wunderbar und das Waschhaus einwandfrei sauber. Bei einem schnellen Blick auf den Nachbarstellplatz wird uns aber klar, dass wir bezüglich Equipment nicht unbedingt im Spitzenfeld liegen. Die Campingstühle vermissen wir als erstes, dann die Kaffeetassen und später am Tag auch den Korkenzieher für die Weinflasche. Jedoch: Die Nachbarschaft zeigt sich hilfsbereit, und das selbstgekochte Risotto schmeckt hervorragend. Auch wenn wir uns beim Umrühren in Ermangelung eines langen Kochlöffels fast die Finger verbrannt hätten.


Die Sonne hält sich auch in Finale Ligure nicht allzu lange auf. Am dritten Tag wird es regnerisch. Zum Glück sind wir mobil, fahren also der Sonne hinterher in Richtung Gardasee. Und stellen dort fest, wie unterschiedlich Campingplätze sein können. Während in Finale Ligure die Stellplätze eher vom Wald mit seinen Bäumen vorgegeben waren, ist hier jeder Platz exakt eingezeichnet und abgemessen. Was sich aber durchzieht, ist die hilfsbereite Nachbarschaft – am Gardasee fehlt uns nämlich ein entsprechender Adapter, um unseren Wagen mit Strom zu versorgen. Ein wenig enttäuscht sind manche, dass wir Detailfragen zum Ausbau und den Features von „Brummi“ nicht so ganz beantworten können. Gerade bei jenen, die schon seit Jahrzehnten auf den Campingplätzen Europas unterwegs sind, ist das Interesse an den unterschiedlichen Gefährten besonders hoch.
Zurück in Wien klappt die Rückgabe von „Brummi“ ebenso problemlos wie die Abholung. Obwohl wir deutlich längere Strecken im Fahrzeug verbracht haben, als ursprünglich geplant, fühlen wir uns äußerst erholt. Denn obwohl es rational gesehen keinen Sinn macht, fühlt sich die Fahrt mit einem Camper schon nach Urlaub an und gar nicht so nach „Anreise“. Zugegeben, beim nächsten Roadtrip könnte man die Ausstattung etwas optimieren. Wobei Andreas Reiter sagt: „Gerade durch die ungewohnten Rahmenbedingungen lässt man den Alltag auch ein Stück weit zurück. Das ist ganz wichtig für dieses Roadtrip-Gefühl.“ 

Weitere Informationen: paulcamper.at


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