Fahr dich glücklich!

Bild: Golden Hour am Neusiedler See: Diese Pausen gehören zum Glücks-Effekt einfach dazu. Foto Burgenland Tourismus, Maxones Photo

Radfahren und Wandern zählen in Österreich zu den beliebtesten Sportarten. Dass diese auch gut für unseren Körper sind, ist keine große Überraschung. Doch nicht nur der Körper, auch die Psyche profitiert. Was man mitunter subjektiv spürt, ist längst wissenschaftlich bewiesen: Radfahren und Wandern machen glücklich.

Von Matthias Köb

Radfans wirken manchmal fast ein wenig missionarisch. Zumindest wenn es um ihren Lieblingssport geht. Denn der ist für sie oft mehr als nur eine Freizeitbeschäftigung oder ein Hobby, es ist fast eine Art Lebenseinstellung. Sie schwärmen vom Freiheitsgefühl, das sich einstellt, wenn man eine Strecke von A nach B nur mit der eigenen Muskelkraft zurücklegt. Oder wie es einst der berühmte amerikanische Präsident John F. Kennedy sagte: „Nichts ist vergleichbar mit der einfachen Freude, Fahrrad zu fahren.“ Unterhält man sich mit Radfans, stellt man fest: Sie finden es sogar herrlich, sich über einen steilen Anstieg zu quälen oder sich auf einer langen Tour so richtig auszupowern. Letzteres liege vor allem am Gefühl, dass sich einstellt, wenn man es geschafft hat. Die positive Erschöpfung steckt noch in den Knochen, hinzu kommt ein Gefühl von Zufriedenheit und Stolz. Man hat etwas – nach eigener Wahrnehmung – Großes geschafft und dabei noch viel gesehen und erlebt.

Bewegung hat – sei das jetzt Radfahren oder eine andere Form von Sport – eine positive Auswirkung auf den Körper. Das ist hinlänglich bekannt. Bewegung stärkt das Herz-Kreislauf-System, die Muskulatur sowie die Knochen und bringt zudem den Stoffwechsel in Schwung. Doch immer mehr wird auch von wissenschaftlicher und objektiver Seite darüber gesprochen, was viele Radfahrerinnen und Radfahrer – wie eingangs erwähnt – aus subjektiver Sicht beschreiben: Radfahren macht glücklich. Und das lässt sich durch zahlreiche Studien belegen.

Durch die meditative Tretbewegung fördert das Radeln die Entspannung, durch die körperliche Anstrengung wiederum werden Endorphine ausgeschüttet, die wie körpereigene Stimmungsaufheller wirken. Darüber hinaus gibt es Studien, die zeigen, dass die positive Wirkung auf den Gemütszustand nicht nur unmittelbar wirkt, sondern auch langfristig. Und dafür muss man keine superlangen Touren fahren. So haben etwa britische Forscherinnen und Forscher eine Gruppe von 100 Erwachsenen gebeten, über einen Zeitraum von acht Wochen mindestens dreimal pro Woche für eine halbe Stunde mit dem Rad zu fahren. Bei einer Befragung, die mehrere Monate danach durchgeführt wurde, gaben rund zwei Drittel der Teilnehmerinnen und Teilnehmer an, dass sich ihr Wohlbefinden „etwas“ oder „stark“ verbessert habe. Folgerichtig erklärten auch fast 60 Prozent, weiterhin radfahren zu wollen. Ebenfalls spannend: Es machte dabei keinen Unterschied, ob die Menschen mit einem normalen Rad oder mit einem E-Bike unterwegs waren.

Den „Glücks-Effekt“ gibt es übrigens nicht nur beim Radfahren. Ähnliches lässt sich auch beim Wandern beobachten. Dazu gibt es ebenso Studien sowie prominente Stimmen, die die Vorzüge des Wanderns auf das Gemüt untermauern. So sagt etwa der renommierte Vorarlberger Psychologe Dr. Reinhard Haller in einem Interview: „Ein Medikament, das alle Wirkungen des regelmäßigen Wanderns enthält? Das wäre die Wunderpille schlechthin – ein Bestseller.“ Am Uniklinikum Salzburg wurde darüber hinaus eine Studie durchgeführt, die zeigt, dass Wandern sogar eine nachweisbar positive Wirkung auf Menschen mit Depressionen oder depressiven Verstimmungen haben kann.

Und egal, ob Wandern oder Radfahren: Für Menschen, die in Österreich leben – also einem Land, das durchaus für seine schöne Natur und seine zahlreichen Outdoorsport-Möglichkeiten bekannt ist –, gibt es noch mehr gute Nachrichten. Denn die Natur verstärkt die positiven Effekte von Bewegung auf die Psyche signifikant. Es macht also einen Unterschied, ob man sich auf dem Laufband oder dem Hometrainer abquält oder durch die Berge spaziert und über Passstraßen radelt. Alle jene, die beides kennen, wird das nicht überraschen. Doch auch dafür gäbe es Studien.

Wer sich nach den kalten Wintermonaten darauf freut, wieder aufs Rad zu steigen oder einen Berg zu erklimmen, der kann also wissenschaftlich belegt darauf vertrauen, dass er damit nicht nur seinem Körper, sondern auch seinem Geist etwas Gutes tut. Doch ganz ehrlich: Wenn man draußen unterwegs ist, radelnd oder wandernd, spürt man das ohnehin.


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