Film Empfehlungen
Foto © Florian Emmerich/Polyfilm
Roter Himmel

Regie: Christian Petzold
D 2023, 103 Minuten
(KINO VOD CLUB)
Foto: © Marco Krueger Schramm Film
Ein Sommer an der Ostsee. Wochenlang kein Regen, die Wälder trocken. In einem abgelegenen Ferienhaus treffen vier junge Menschen aufeinander: Leon, der unter dem Druck seines zweiten Romans leidet, sein Freund Felix, die lebensfrohe Nadja und Devid, der Rettungsschwimmer. Während Leon sich immer mehr zurückzieht, genießen die anderen den Sommer – schwimmen, kochen, fotografieren. Es sind leichte, schwebende Tage, in denen doch etwas Unruhiges mitschwingt. Zwischen Nähe und Sehnsucht, Eifersucht und Empfindlichkeiten entzündet sich langsam etwas. Wie ein Funke, der das trockene Land in Brand setzt, geraten auch ihre Gefühle außer Kontrolle. Als in einer Nacht der Wald in Flammen steht, ist nichts mehr, wie es war – und doch liegt darin vielleicht ein neuer Anfang.
Karla

Regie: Christina Tournatzẽs
D 2025, 104 Minuten
(ab 28. November im Kino)
Foto: © Florian Emmerich/Polyfilm
München, 1962: Die 12-jährige Karla (Elise Krieps) steht mitten in der Nacht allein auf dem Polizeirevier. Sie möchte Anzeige erstatten, jedoch nur mit einem Richter sprechen. Erst als Friedrich Lamy (Rainer Bock) vor ihr sitzt, gibt sie preis, dass ihr Vater sie sexuell missbraucht. Und sie will ihn vor Gericht bringen. Lamy zögert, ist von dem Fall nicht überzeugt, nimmt sich aber aufgrund von Karlas Beharrlichkeit ihrer an.
Regisseurin Christina Tournatzẽs konzentriert sich in ihrem auf wahren Begebenheiten basierenden Historiendrama „Karla“ ganz auf die Beziehung zwischen Karla und Richter Lamy. Lamy benötigt Details, um der Anklage einen festen Boden zu verleihen. Das traumatisierte Mädchen kann den Missbrauch jedoch kaum in Worte fassen. Zu einer Zeit, in der das Wort „Opferschutz“ noch unbekannt ist, in einer Welt, in der Männer das Sagen haben. Lamys Sekretärin Erika (Imogen Kogge) gibt ihm den moralischen Schubser, der Kleinen doch zu helfen. Zunächst mehr auf seine Würde und Glaubwürdigkeit bedacht, erkennt Lamy schließlich, dass es Karla um nichts anderes geht. Krieps, die Tochter des Schauspielerpaars Vicky Krieps und Jonas Laux, zeigt beeindruckend ein facettenreiches Spiel, Tournatzẽs’ Inszenierung setzt auf Flashbacks und Zurückhaltung. „Jeder hat das Recht auf Leben“ – ein Grundgesetz, das sich Karla erst vor Gericht erkämpfen muss. (Martin Nguyen)
Paternal Leave – Drei Tage am Meer

Regie: Alissa Jung
D/I 2025, 113 Minuten
(ab 5. Dezember im Kino)
Foto © Stadtkino Filmverleih
Was macht die 15-jährige Leo (Juli Grabenhenrich), als sie herausfindet, wo ihr leiblicher Vater lebt? Mitten in einer kalten Winternacht bricht sie heimlich mit dem Zug Richtung norditalienische Küste auf. Sie hat Fragen im Gepäck, eine aufgestaute Wut und jugendlichen Starrsinn. Leo ist das Kind einer sommerlichen Romanze, aufgewachsen allein bei der Mutter in Deutschland. In einer versperrten Strandbar, in der Leo vor dem eisigen Wind zwischen den Dünen Zuflucht sucht, trifft sie auf ihren Erzeuger. Vater Paolo (Luca Marinelli) jobbt dort im Sommer als Surflehrer. Überrumpelt, fast abweisend reagiert er auf Leos Ankunft. Unterbrochen werden sie von einem Kinderrufen: Im alten Camper nebenan soll die kleine Emilia schlafen, doch zuvor soll ihr Papa noch vorlesen und vorsingen. Und Leo, die ohne alldem aufgewachsen ist, sieht stumm durch die Scheibe zu.
Schauspielerin Alissa Jung entwirft in ihrem Regiedebüt „Paternal Leave – Drei Tage am Meer“ eine sensible Vater-Tochter-Studie zwischen zarter Annäherung und alten Wunden. Wunderbar vom Darstellerduo gespielt, keimt eine fragile Beziehung, die unter dem Gewicht der komplexen Gefühle und Erwartungen zunächst bricht. Bis schließlich, trotz Groll und Trauer um ein verpasstes Leben, ein Neuanfang möglich erscheint. (Martin Nguyen)
Melt

Regie: Nikolaus Geyrhalter
A 2025, 127 Minuten
(im Kino)
Foto: © Stadtkino Filmverleih
Schnee und Eis, so weit das Auge reicht. Im neuen Film von Nikolaus Geyrhalter tauchen wir ein in eine weiße Welt. Dafür hat der Filmemacher spektakuläre Schauplätze quer über die Kontinente aufgesucht und dabei Menschen getroffen, die tagtäglich von diesen Landschaften umgeben sind. Von ihnen erzählt „Melt“ – und vom schleichenden Verschwinden dieser magischen Masse, des doch nicht so ewigen Eises.
Nikolaus Geyrhalter reist vom größten Gletscher der Alpen in der Schweiz über Japan, Kanada, Österreich, Island bis hin zu einer Forschungsstation in der Antarktis. In weiten, ruhigen Einstellungen lässt er diese faszinierenden weißen Landschaften wirken und für sich selbst sprechen. Er nimmt die Rolle des Beobachters ein und holt dabei jene Menschen vor die Kamera, die mit den Herausforderungen, der Wucht und der Schönheit des Schnees konfrontiert sind.
Mit „Melt“, gefilmt in den Jahren 2021 bis 2025, fängt er gewaltige Momentaufnahmen für die Archive von morgen ein und stellt damit die großen, drängenden klimapolitischen Fragen.
Die jüngste Tochter
(OT: La petite dernière)

Regie: Hafsia Herzi
F/D 2025, 107 Minuten
(ab 25. Dezember im Kino)
Foto: © Kathu studio / Arte France / mk2 films
Die 17-jährige Fatima (Laiendarstellerin Nadia Melliti) ist innerlich zerrissen: Als Nesthäkchen einer französisch-algerischstämmigen Familie in einem Pariser Vorort hadert sie mit ihrer Rolle als jüngste Tochter. Sie passt nicht in das klischeehafte Bild ihrer Schwestern und Mutter als backende Hausfrauen. Sie will lieber Fußball spielen, mit den „coolen“ Jungs abhängen und trifft sich heimlich mit ihrem Freund, der auf eine Heirat drängt. Doch es fällt Fatima zunehmend schwerer, ihre wahren Gefühle zu verbergen: Sie liebt Frauen. Ihre noch zu entdeckende Homo-sexualität kollidiert zudem mit ihrem muslimischen Glauben. Gelingt es ihr zwischen äußerer Härte und innerer Verwundbarkeit, ihr wahres Ich zu finden?
Hafsia Herzis „Die jüngste Tochter“ ist die berührende Adaption des gleichnamigen autofiktionalen Romans von Fatima Daas. Unter Pseudonymen trifft sich die Protagonistin mit anderen Frauen, erkundet ihren eigenen Körper und unterdrückte Vorlieben, bis sie ihr Herz an die Krankenschwester Ji-Na (Park Min-ji) verliert. Doch von einer schweren Depression geplagt, stößt Ji-Na Fatima unvermittelt von sich. Mellitis Gesicht spiegelt kraftvoll und zurückhaltend zugleich all diese komplexen Gefühle, die unter ihrer Haut brodeln. Ein stilles Coming-of-Age-Drama, das authentisch vom schmerzhaften Prozess erzählt, die Bruchstücke des Lebens zu einer Identität zu formen. (Martin Nguyen)






